Coronakrise Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA haben sich verzehnfacht

Die Coronakrise schlägt durch auf den US-Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist binnen einer Woche sprunghaft angestiegen - von knapp 300.000 auf mehr als drei Millionen.
Arbeiterin in Illinois (Symbolbild): Jobs von 50 Millionen Amerikanern bedroht

Arbeiterin in Illinois (Symbolbild): Jobs von 50 Millionen Amerikanern bedroht

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Tim Aeppel/ REUTERS

Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich wegen der Ausbreitung des Coronavirus dramatisch verschlechtert. Ausgangsbeschränkungen treffen die Wirtschaft hart, die Sozialbehörden des Landes verzeichnen eine Rekordanzahl von Anträgen auf Arbeitslosenhilfe. In der vergangenen Woche stellten knapp 3,3 Millionen Amerikaner einen entsprechenden Erstantrag, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Das ist eine Verzehnfachung des Wertes der Vorwoche, in der die Zahl der Anträge bereits von 70.000 auf 281.000 angestiegen waren. Der bisherige Höchststand wurde 1982 mit 695.000 registriert.

Die Coronavirus-Krise könnte nach Ansicht des US-Währungshüters James Bullard kurzfristig fast 50 Millionen Amerikaner ihren Job kosten. Dies seien insbesondere Arbeitsplätze mit Publikumsverkehr - also Tätigkeiten, bei denen es zum Kontakt mit der Öffentlichkeit komme, sagte der Chef des Fed-Bezirks von St. Louis. Bislang boomte der US-Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 3,5 Prozent, was praktisch Vollbeschäftigung entspricht.

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat das öffentliche Leben in weiten Teilen der USA zum Erliegen gebracht. Fast die Hälfte der rund 330 Millionen Amerikaner unterliegen nun von Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen. Viele Geschäfte sind geschlossen, Restaurants und Hotels bleiben leer, zahllose Reisen wurden abgesagt. Viele Mitarbeiter geschlossener Unternehmen müssen daher Arbeitslosenhilfe beantragen.

Entlassungen sind in den USA in der Regel wesentlich schneller möglich als etwa in Deutschland. In den USA gab es bislang auch keine Regelung wie das deutsche Kurzarbeitergeld, die den Arbeitsmarkt in Krisensituationen stabilisiert. Mit einem Konjunkturpaket, bei dem der US-Kongress rund zwei Billionen Dollar in die Wirtschaft pumpen will, wird die bislang sehr begrenzte Arbeitslosenhilfe ausgeweitet. Zudem soll es Arbeitgebern möglich sein, Angestellte für bis zu vier Monate zu beurlauben, anstatt sie zu entlassen. In dieser Zeit würde der Staat für das Gehalt aufkommen. Das Gesetzespaket muss aber noch vom Repräsentantenhaus beschlossen werden.

US-Staaten mit Zahl der Anträge überfordert

Das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Verwerfungen der Coronavirus-Pandemie in den USA ist noch nicht absehbar. Viele Analysten befürchten einen dramatischen Einbruch im zweiten Quartal und eine Rezession aufs ganze Jahr betrachtet. Das Konjunkturpaket, das der Senat in der Nacht zum Donnerstag verabschiedete, soll die wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie abfedern. Als Teil des Pakets soll auch die Arbeitslosenhilfe deutlich ausgeweitet werden.

Manche Analysten gehen davon aus, dass die Zahl der Erstanträge noch höher ist als bekannt gegeben, weil viele Staaten mit der Flut der Erstanträge überfordert sind. Der Gouverneur von New York etwa, Andrew Cuomo, hatte am Wochenende eingeräumt, dass die Website wegen des hohen Volumens der Anträge immer wieder zusammengebrochen sei. In den Callcentern arbeiteten rund 700 Menschen, sagte er. Ein solches Volumen an Anträgen habe der Staat noch nicht erlebt.

Arbeitsamt in New York, einer der am schwersten von dem neuen Virus betroffenen Städte

Arbeitsamt in New York, einer der am schwersten von dem neuen Virus betroffenen Städte

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ANDREW KELLY/ REUTERS

Die Arbeitslosenquote im Februar - also noch vor der rasanten Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 in den USA - lag bei niedrigen 3,5 Prozent. Das war der niedrigste Stand seit Jahrzehnten. Die Zahlen für März sollen erst am kommenden Freitag veröffentlicht werden. In den USA gab es bis Donnerstagmorgen Forschern der Johns-Hopkins-Universität zufolge rund 70.000 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Mehr als 1000 Menschen sind infolge der vom Virus ausgelösten Erkrankung Covid-19 gestorben.

Bis Anfang Februar lief die US-Wirtschaft hingegen ausgesprochen gut, die Börse meldete Höchststände und Experten rechneten mit einem Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent. Präsident Donald Trump, der sich im November um eine Wiederwahl bewirbt, rühmte sich seiner erfolgreichen Wirtschaftspolitik. Doch die rasante Ausbreitung des Coronavirus seit Anfang März machte die guten Konjunkturaussichten zunichte. Trump verspricht derweil, die Wirtschaft werde nach dem Ende der Epidemie wieder "wie eine Rakete" durchstarten.

apr/dpa/Reuters
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