Coronakrise Britische Staatsschulden steigen erstmals auf mehr als zwei Billionen Pfund

In der Coronakrise wächst der Schuldenberg vieler Staaten schnell. So auch in Großbritannien: Die Verbindlichkeiten haben dort nun die Zwei-Billionen-Pfund-Marke erreicht - Tendenz stark steigend.
Londoner City: Das Land hat mehr Schulden als die jährliche Wirtschaftsleistung

Londoner City: Das Land hat mehr Schulden als die jährliche Wirtschaftsleistung

Foto: TOLGA AKMEN/ AFP

Großbritanniens Staatsverschuldung steigt wegen der Coronakrise auf Rekordniveau. Die öffentlichen Verbindlichkeiten übertrafen im Juli erstmals die Marke von zwei Billionen Pfund (rund 2,2 Billionen Euro), wie aus offiziellen Daten hervorgeht. Die Schuldenstandsquote stieg damit auf 100,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das ist der höchste Stand seit 1961, als das Vereinigte Königreich noch die Kosten des Zweiten Weltkriegs verdauen musste.

Die Schulden des Staates sind also höher als die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung des Vereinigten Königreichs. Zum Vergleich: Die Bundesbank erwartet, dass die Schuldenquote in Deutschland in diesem Jahr "Richtung 75 Prozent" steigen dürfte. Erlaubt sind nach den Maastricht-Kriterien eigentlich nur 60 Prozent. Vor der Coronakrise lag die deutsche Quote knapp unter dieser Marke.

Der britische Finanzminister Rishi Sunak steht nun unter Zugzwang, da er Fachleuten zufolge die Nothilfen für die von der Virus-Pandemie arg gebeutelte Wirtschaft weiter erhöhen müsste. Sunak sagte, die Krise belaste die öffentlichen Finanzen zwar erheblich, aber ohne die enormen Ausgaben der Regierung wäre alles noch viel schlimmer gewesen.

"Die heutigen Zahlen sind eine deutliche Erinnerung daran, dass wir unsere öffentlichen Finanzen im Laufe der Zeit wieder auf eine tragfähige Grundlage stellen müssen", sagte der Finanzminister. Das werde schwierige Entscheidungen erfordern. "Das ist auch der Grund, warum wir jetzt Maßnahmen ergreifen, um das Wachstum und die Beschäftigung zu unterstützen, die unsere öffentlichen Dienstleistungen finanzieren."

Die britischen Schulden waren seit Beginn der Corona-Pandemie um rund 200 Milliarden Pfund in die Höhe geschnellt. Britische Haushaltsexperten warnten jüngst, dass die Schulden bis zum Fiskaljahr 2022/2023 weiter kräftig auf 2,5 Billionen Pfund steigen könnten.

Auch die nahen Aussichten für eine wirtschaftliche Erholung des Landes sind schlecht. So hat sich die Auftragslage in der britischen Industrie im August kaum verbessert. Das Barometer dazu stieg von minus 46 im Juli nur leicht auf minus 44 Punkte, wie der Branchenverband CBI mitteilte. Dies ist zwar der höchste Stand seit März, doch hatten Experten einen weit stärkeren Anstieg auf minus 35 erwartet. Zugleich zeigt die Umfrage, dass es weit mehr Unternehmen gibt, die über ein unterdurchschnittliches Auftragsvolumen klagen als Firmen, bei denen es derzeit besser läuft.

fdi/Reuters
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