Coronakrise Jede zweite Arbeitskraft weltweit in Existenz bedroht

Die Arbeitsmärkte sind durch die Corona-Einschränkungen weltweit eingebrochen - laut Internationaler Arbeitsorganisation zu Lasten der ohnehin schon prekär Beschäftigten. Die menschliche Not sei groß.
Straßenszene in Miami

Straßenszene in Miami

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Wilfredo Lee/ AP

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf hat sich mit einem dringenden Appell zur Eindämmung der Corona-Folgen auf den Arbeitsmärkten zu Wort gemeldet. Durch die drastischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus seien die Arbeitsmärkte weltweit eingebrochen.

Fast die Hälfte der 3,3 Milliarden Arbeitskräfte weltweit seien in ihrer Existenz bedroht, teilte die ILO in Genf mit. Betroffen seien vor allem 1,6 der zwei Milliarden Menschen, die irregulärer Arbeit nachgehen, also ohne Arbeitsverträge, und die oft von der Hand in den Mund leben. Ihr Einkommen sei im weltweiten Durchschnitt um 60 Prozent eingebrochen, in Afrika und Lateinamerika sogar um mehr als 80 Prozent.

Hilfsprogramme gefordert

Die Beschäftigungskrise und all ihre Folgen hätten sich im Vergleich zu den ersten Schätzungen von vor drei Wochen vertieft, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder in einem Bericht, der eine "massive" Zunahme an Armut voraussagte. "Wir müssen an das menschliche Elend und die Not denken, die hinter diesen Zahlen stecken", sagte Ryder. Er rief die Länder auf, soziale Hilfsprogramme aufzulegen und die internationale Gemeinschaft, ärmere Länder zu unterstützen.

Im zweiten Quartal dieses Jahres rechnet die ILO mit dem Verlust von Arbeitsstunden, die zusammen 305 Millionen Vollzeitstellen entsprechen würden. Vor zwei Wochen war sie noch von 195 Millionen Vollzeitstellen ausgegangen. Alle Vergleiche beziehen sich auf das letzte Quartal vor der Krise, das vierte Quartal 2019. Betroffen seien vor allem Europa, Zentralasien und der amerikanische Kontinent.

Der Internationale Währungsfonds hatte zudem zuletzt auf die schwierige Lage in Schwellen- und Entwicklungsländern hingewiesen. Diese würden hart von der Krise getroffen, da sie zur Bewältigung auf Hunderte Milliarden Dollar an ausländischer Hilfe angewiesen seien.

Die ILO geht bei ihren Berechnungen von den in vielen Ländern noch üblichen 48-Stunden-Wochen aus. Auf eine europäische Woche mit 40 Arbeitsstunden oder weniger berechnet wäre der Arbeitsplatzverlust noch größer. 47 Millionen Arbeitgeber, gut die Hälfte aller Arbeitgeber weltweit, seien in den am schwersten betroffenen Sektoren aktiv, darunter an erster Stelle der Groß- und Einzelhandel. Zusammen mit den Selbstständigen seien insgesamt 436 Millionen Betriebe weltweit von schweren Einbrüchen bedroht.

apr/dpa/Reuters