Schulschließungen und Einkommensverluste Kinderarbeit könnte wegen Coronavirus rasant steigen

Wegen der Pandemie müssen laut einer Untersuchung weltweit wieder mehr Kinder arbeiten. Uno-Organisationen warnen, das Virus könnte die Erfolge der vergangenen Jahre zunichtemachen.
Ein Junge arbeitet in einer Metallwerkstatt in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka (Archivfoto, Februar 2020)

Ein Junge arbeitet in einer Metallwerkstatt in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka (Archivfoto, Februar 2020)

Foto: Md Mehedi Hasan/ dpa

Die verheerenden Folgen der Corona-Pandemie könnten die Fortschritte der vergangenen 20 Jahre bei der Reduzierung von Kinderarbeit zerstören. Davor warnen die Vereinten Nationen zum heutigen Internationalen Tag gegen die Kinderarbeit.

Eine Untersuchung der Hilfsorganisation World Vision scheint zu bestätigen, dass in Asien bereits wieder deutlich mehr Kinder arbeiten müssen. Die Organisation hatte Familien in sechs asiatischen Ländern befragt. 830 gaben an, dass sie durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie gezwungen sind, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken.

Das entspricht demnach acht Prozent der befragten Familien. Weitere 415 Familien (vier Prozent der Befragten), erklärten, dass sie ihre Kinder jetzt betteln lassen. Als Gründe führten die Familien an, dass sie durch die Corona-Maßnahmen kein oder weniger Einkommen haben. Auch die Schließungen von Schulen und der damit verbundene Wegfall von Schulspeisungen ist laut World Vision problematisch. Er erhöhe den Druck auf die Ernährungssituation der Familien.

Das Kinderhilfswerk Unicef und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) wollten die Kinderarbeit eigentlich bis 2025 eliminieren. Stattdessen liefen Millionen junge Menschen nun Gefahr, als Folge der Krise wieder in die Kinderarbeit gestoßen zu werden, teilten die Uno-Organisationen in einem Bericht mit.

Dafür gibt es offenbar bereits Anzeichen, konkrete Zahlen lägen den Organisationen aber noch nicht vor. Sie verweisen auf frühere Studien etwa in der Elfenbeinküste, Südafrika oder Brasilien, wo die Kinderarbeit nach Konjunktureinbrüchen in die Höhe schnellte.

Mehr als 90 Prozent aller Lernenden seien von vorübergehenden Schulschließungen betroffen, weltweit seien das 1,6 Milliarden junge Menschen. Schulen schützten Kinder auch vor Ausbeutung, diese Kontrolle sei nun weggefallen.

Auch ein Ende der Pandemie wäre nicht die Rettung

Die jüngsten ILO-Schätzungen zur Kinderarbeit, veröffentlicht 2017, beziehen sich auf das Jahr 2016. Damals arbeiteten etwa 152 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren weltweit. Das waren 94 Millionen weniger als im Jahr 2000. Damals schätzte die ILO, dass die Zahl in diesem Jahr auf höchstens noch 121 Millionen fällt.

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Kinderarbeit weltweit

Foto: Luca Catalano Gonzaga

Ein Ende der Pandemie führt demnach nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung. Laut den Uno-Organisationen dürften es sich manche Eltern nicht mehr leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken, selbst wenn die Klassen wieder starten. (Lesen Sie hier, warum das Verbot von Kinderarbeit die Situation der Betroffenen nicht zwangsläufig verbessert.)

40 bis 60 Millionen Menschen könnten nach Schätzungen der Weltbank durch die Coronakrise in diesem Jahr in extreme Armut rutschen. Sie müssten dann mit weniger als 1,90 Dollar am Tag leben. 2015 betraf das 734 Millionen Menschen - rund zehn Prozent der Weltbevölkerung.

fek/dpa
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