Umfrage Junge Arbeitnehmerinnen trifft die Krise am härtesten

Laut einer Umfrage sind knapp ein Fünftel der jungen Menschen weltweit wegen der Coronakrise arbeitslos. Besonders hart treffen die Folgen der Pandemie demnach Frauen.
Arbeitslose in Spanien (Symbolbild)

Arbeitslose in Spanien (Symbolbild)

Foto: Fernando Villar/EFE/ DPA

Gut 17 Prozent der jungen Leute zwischen 18 und 29 Jahren haben einer Umfrage der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge weltweit wegen der Coronavirus-Pandemie den Job verloren. Der weitreichende Stillstand vieler Industrien treffe junge Leute härter als ältere, berichtete die ILO in Genf.

Die Pandemie sei ein dreifacher Schock für junge Leute. Neben den Jobverlusten würden auch Aus- und Weiterbildung teils unterbrochen. "Junge Leute werden einfach zurückgelassen, und zwar in großer Zahl", warnte ILO-Generaldirektor Guy Ryder.

Regierungen müssten dringend gegensteuern, sonst entstehe eine "Lockdown-Generation" mit Nachteilen, die Jahrzehnte dauern könnten. "Die Gefahr ist, dass dieser erste Schock für junge Menschen ein Jahrzehnt oder länger andauert", sagt Ryder. Er werde die Beschäftigungslaufbahn "während ihres gesamten Arbeitslebens beeinflussen".

Junge Frauen am härtesten betroffen

"Die Covid-19-Wirtschaftskrise trifft junge Leute - vor allem Frauen - härter und schneller als jede andere Gruppe", sagte Ryder weiter. "Wenn wir nicht schnelle und bedeutende Maßnahmen ergreifen, um ihre Situation zu verbessern, könnten die Folgen uns noch Jahrzehnte begleiten."

Schlecht sei die Lage für diejenigen, die jetzt Studium oder Ausbildung beenden. Sie müssten bei einer langsamen Erholung der Wirtschaft mit größerer Konkurrenz rechnen, weil dann auch kommende Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt drängten.

Es sei noch zu früh, um zu berechnen, wie sich die Arbeitslosenquote unter jungen Leuten durch Corona geändert habe, so die ILO. Aber alle vorläufigen Angaben etwa aus den USA, Kanada, Asien und einigen europäischen Ländern zeigten in dieselbe Richtung.

Im vergangenen Jahr lag die Arbeitslosenquote junger Leute zwischen 15 und 24 Jahren bei 13,6 Prozent, höher als in jeder anderen Gruppe. 15 bis 24 Jahre ist die Standarddefinition der ILO für "junge Leute". In der Online-Umfrage im Zuge der "Initiative für anständige Jobs für junge Leute" waren die Altersgruppen etwas anders: nach ILO-Angaben nahmen mehr als 11.000 Leute zwischen 18 und 29 Jahren teil.

Besonders viele schlecht bezahlte Jobs unter 15- bis 24-Jährigen

Der Anteil von schlecht bezahlten Jobs sei unter den 15- bis 24-Jährigen größer als in der Gesamtbevölkerung. Vor der Coronakrise seien fast 77 Prozent, 328 Millionen junge Menschen weltweit, im informellen Sektor beschäftigt gewesen, so die ILO. Das sind in der Regel Jobs ohne Verträge und soziale Absicherungen. Bei den über 25-Jährigen sei der Anteil etwa 60 Prozent gewesen.

Der am stärksten von Arbeitsplatzverlusten betroffene Kontinent wird der ILO zufolge Amerika sein: Dort würde die Hauptlast der geschätzten 305 Millionen verloren gegangenen Jobs getragen, die die Covid-19-Pandemie zwischen April und Juni weltweit verursachen werde. Im ersten Quartal war Amerika noch die am wenigsten getroffene Region.

caw/dpa-AFX