Pandemie-Einschränkungen Coronakrise kostet 837.000 Minijobs

Allein im Gastgewerbe fiel mehr als jeder dritte Minijob weg: In der Coronakrise ist die Zahl der geringfügig Beschäftigten drastisch gesunken.
Bedienung in Stuttgarter Restaurant (im Juni): 36 Prozent weniger geringfügig Beschäftigte im Gastgewerbe

Bedienung in Stuttgarter Restaurant (im Juni): 36 Prozent weniger geringfügig Beschäftigte im Gastgewerbe

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

Minijobber können nicht in Kurzarbeit gehen - ihnen fehlt somit jener Schutz, der Millionen andere Arbeitnehmer in der Coronakrise vor der Arbeitslosigkeit bewahrt hat. Die Folge: In den ersten Monaten der Pandemie waren im Zeitraum von März bis Juni bundesweit 837.004 weniger Minijobber beschäftigt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das geht aus Daten der Minijobzentrale hervor, die von der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann abgefragt und ausgewertet wurden, berichten das Redaktionsnetzwerk Deutschland und die Nachrichtenagentur dpa.

Demnach sind allein im Gastgewerbe rund 325.900 Minijobs weggebrochen, ein Minus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von fast 36 Prozent. Fast 184.000 der gestrichenen Minijobs entfielen auf Restaurants und andere Gaststätten. Ebenfalls eine beträchtliche Anzahl von geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen ging im wirtschaftlichen Dienstleistungsbereich (minus 96.116), im Handel (minus 73.641) und im verarbeitenden Gewerbe (minus 70.181) verloren.

Insgesamt gab es dadurch im Juni 2020 gut zwölf Prozent weniger Minijobs in Deutschland als im Juni 2019. Der Rückgang ist laut Zimmermann sowohl darauf zurückzuführen, dass bestehende Minijobber entlassen als auch keine geringfügig Beschäftigten neu eingestellt wurden - die Fluktuation ist in diesem Bereich des Arbeitsmarkts grundsätzlich hoch.

Das Gastgewerbe war von den Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie vor allem im Frühjahr besonders betroffen. Allein zwischen März und Juni verzeichnete das Gastrogewerbe laut dem Branchenverband Dehoga Umsatzeinbußen von 17,6 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Im gesamten ersten Halbjahr gingen die Erlöse demnach um nahezu 40 Prozent zurück. In den Sommerwochen kehrte mit der Öffnung vieler Gastrobetriebe zwar wieder etwas Normalität zurück, dennoch gibt es für die Branche keine Entwarnung. Mit dem Herbst, niedrigeren Temperaturen und steigenden Infektionszahlen könnte sich die Lage dort wieder deutlich verschärfen.

"Die Corona-Pandemie hat drastisch erwiesen, dass Minijobs keine sichere Beschäftigungsform sind", sagte Zimmermann dem RND. "Sie sind die Ersten, die in der Krise wegbrechen." Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linkenfraktion wies darauf hin, dass die Betroffenen außer dem Ausschluss von der Kurzarbeit auch kein Arbeitslosengeld bekommen: "Das betrifft jetzt Hunderttausende Menschen." Die Bundesregierung solle daher per Gesetz dafür sorgen, dass Minijobs in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze umgewandelt werden, fordert Zimmermann.

fdi/dpa
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