Arbeitgeberstudie Coronakrise verschlechtert Chancen von Jura- und BWL-Absolventen

Die Coronakrise entschärft laut einer neuen Studie kurzfristig den Mangel an Fachkräften. Doch wer es ohnehin schwer hat auf dem Arbeitsmarkt, wird noch mehr Probleme bekommen.
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Die Coronakrise verstärkt laut einer neuen Studie ein Problem des deutschen Arbeitsmarkts: Zu wenige junge Menschen machen eine Berufsausbildung, zu viele studieren Jura, Wirtschaftswissenschaften oder Kunst. Das ist das Kernergebnis einer Studie des Prognos-Instituts im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die dem SPIEGEL vorab vorliegt.

Die Studie vergleicht zwei mögliche Szenarien: eins mit und eins ohne Coronakrise. Wer es ohnehin schwer hat auf dem Arbeitsmarkt, wird es demnach künftig noch schwerer haben. Das gilt laut Studie zum Beispiel für studierte Juristen, aber auch für Sprach- und Kulturwissenschaftler. Unter den Ausbildungsberufen könne es durch die Krise vor allem im Gastgewerbe zu einem Überangebot an Arbeitskräften kommen.

Insgesamt steige durch die Krise die Arbeitslosigkeit, vor allem unter den 15- bis 25-Jährigen. Laut Prognos-Institut liege die Arbeitslosenquote unter jungen Menschen bereits jetzt um 40 Prozent höher als ohne Krise. Besonders betroffen seien außerdem Menschen ohne Berufsabschluss.

Kurzarbeit als richtiges Mittel

Dagegen vermindere die Krise in Deutschland den Fachkräftemangel. Das liege allerdings nicht daran, dass es mehr Fachkräfte gebe: Weil es der Wirtschaft schlecht gehe, schrieben die Unternehmen weniger Stellen aus. Daher blieben zum Beispiel weniger Ingenieurs- und Arztstellen unbesetzt.

Genauso entschärfe die Krise den Mangel in vielen Ausbildungsberufen. Gehe es nach der Krise wieder bergauf, werde der Wettbewerb um die Arbeitskräfte aber umso härter, so die Studie. "Die Unternehmen müssen aufpassen, dass sie nicht Arbeitskräfte entlassen, die sie perspektivisch wieder brauchen", sagt Oliver Ehrentraut vom Prognos-Institut. Deshalb sei die Kurzarbeit aktuell das richtige Mittel.

Die INSM fordert von der Politik, Ausbildungsplätze zu fördern und mehr Studienplätze für Medizin und Ingenieurswissenschaften zu schaffen. Außerdem brauche es mehr Weiterbildungsmöglichkeiten für Menschen ohne Berufsabschluss, um offene Stellen schnell zu besetzen.

jhm
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