Neue Umfrage Rund die Hälfte der Beschäftigten arbeitet teilweise im Homeoffice

Wegen hoher Infektionszahlen sollten im Frühjahr möglichst viele Menschen von zu Hause arbeiten. Doch die Zahl lässt sich offenbar nicht mehr deutlich steigern. Dafür werden mittlerweile mehr Tests angeboten.
Die Zahl der Menschen im Homeoffice stagniert

Die Zahl der Menschen im Homeoffice stagniert

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Die Nutzung des Homeoffice wegen der Coronapandemie hat im Frühjahr offenbar ihren Höhepunkt erreicht. Wie in den Vormonaten arbeiteten im April fast die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland (48 Prozent) zumindest stundenweise im Homeoffice. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums.

»Homeoffice hat in der Pandemie einen ganz neuen Stellenwert für die Beschäftigten und für die Gesellschaft als Ganzes erhalten«, sagt Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Im Vergleich zur Zeit vor der Coronakrise hat sich der Anteil der Beschäftigten im Homeoffice etwa verdoppelt. »Insgesamt sind das sehr gute Werte, denn es kann längst nicht jeder seine Arbeit von zu Hause erledigen«, sagt Heil.

Beginnt die Rückkehr ins Büro auf Raten?

Von den Beschäftigten, die das Homeoffice im April nutzten, verbrachten 64 Prozent mehr als die Hälfte der Arbeitszeit zu Hause, 40 Prozent arbeiten ausschließlich in den eigenen vier Wänden. Noch immer nutzen Menschen mit höherer Bildung und höherem Einkommen das Homeoffice stärker. Im Vergleich zu den vorangegangenen Umfragen gibt es allerdings eine leichte Verschiebung von einer vollständigen Homeoffice-Nutzung zu einer nur noch teilweisen Nutzung. Ob es sich dabei bereits um einen Trend zu einer stärkeren Rückkehr ins Büro handelt, ist noch unklar.

Seit Monaten befragt das Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums repräsentativ Beschäftigte zur Arbeit in Coronazeiten. Dabei geht es nicht nur darum, wer im Homeoffice sitzt, sondern auch um die Frage, ob die Arbeitgeber Tests anbieten oder wie die Situation von Beschäftigten mit Kindern ist. Die Ergebnisse der mittlerweile vierten Befragungswelle liegen dem SPIEGEL vor. Die Interviews mit den Beschäftigten im Alter von 18 bis 64 Jahren wurden Ende April, wenige Tage vor dem Inkrafttreten des verschärften Infektionsschutzgesetzes abgeschlossen.

80 Prozent der Beschäftigten bekommen Coronatests angeboten

Mittlerweile haben demnach 80 Prozent der abhängig Beschäftigten einen Arbeitgeber, der ihnen einen Coronatest anbietet. Die Zahl ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen: Mitte März lag sie noch bei 35 Prozent. Das grundsätzliche Angebot ist das eine, ob es den einzelnen Beschäftigten auch erreicht, das andere. Doch auch diese tatsächliche Abdeckungsquote liegt mittlerweile deutlich höher – sie stieg von 54 Prozent Ende März auf 74 Prozent der Beschäftigten Mitte April.

Bleibt die Frage, wie viele Arbeitnehmer das Angebot schließlich annehmen? Mitte April waren es 52 Prozent, mit steigender Tendenz. Natürlich nutzen die Tests vor allem jene, die ausschließlich in ihrem Unternehmen arbeiten. 40 Prozent der Beschäftigten, die das Testangebot ihres Arbeitgebers nicht annehmen, begründen dies mit »viel Arbeit von zu Hause aus oder unterwegs«, zwölf Prozent mit privaten Coronatests. Lediglich elf Prozent gaben, dass es nicht ausreichend Tests in ihrem Betrieb gebe.

Ein Fünftel hat noch Probleme mit der Kinderbetreuung

Für Berufstätige mit Kindern hat sich die Lage leicht verbessert. Der Anteil der Beschäftigten mit Kindern unter 14 Jahren, die wegen der Corona-Auflagen nicht oder nicht regelmäßig in Kita oder Schule gehen konnten, ist im April auf 19 Prozent gesunken. Die Hälfte von ihnen hatte keine Probleme, die Betreuung ihrer Kinder dennoch sicherzustellen. Ein knappes Fünftel gab aber immer noch an, damit zumindest häufig Schwierigkeiten zu haben.

Anders als noch bei der IZA-Befragung im März gibt es dabei mittlerweile Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Mütter hatten mit 25 Prozent im April deutlich häufiger große Schwierigkeiten mit der Betreuung ihrer Kinder als Männer (elf Prozent).

Heil will Versicherungslücke im Homeoffice schließen

Das Problem der pandemiebedingten Betreuungsmöglichkeiten löst das Homeoffice nicht, das zeigt die IZA-Befragung. Ein anderes will Arbeitsminister Heil allerdings nun beseitigen: den geringeren Unfallschutz beim Arbeiten in den eigenen vier Wänden. Denn anders als in der Firma ist im Homeoffice etwa der Gang zur Teeküche oder Toilette kein »versicherter Betriebsweg«, wie es im Juristendeutsch heißt. Gerade erst hat das Landesarbeitsgericht Nordrhein-Westfalen in einem Fall wieder entschieden, dass Wege in der eigenen Wohnung generell nicht unfallversichert seien.

Heil will nun »dauerhaft regeln, dass die Beschäftigten im Homeoffice genauso geschützt sind wie in der Arbeitsstätte«. Dabei soll der Unfallversicherungsschutz auf »privat veranlasste Wege im Homeoffice während der Arbeitszeit« und für die Wege zu Kinderbetreuungseinrichtungen erweitert werden. »Um es plastisch zu machen: Wer im Homeoffice sein Kind zur Kita bringt, ist zukünftig auch durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt«, sagt Heil. Schließlich werde auch nach der Pandemie das Homeoffice stärker genutzt als zuvor bleiben.

Die entsprechenden Neuregelungen sollen am Freitag als Änderungsantrag mit einem anderen Gesetz im Eiltempo durch den Bundestag gebracht werden. Ursprünglich war diese Regelung schon in seinem Gesetzentwurf zum mobilen Arbeiten aus dem vergangenen Herbst enthalten, den die Union stoppte.

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