Corona-Shutdown Bundesbank erwartet kräftigen Konjunkturdämpfer

Die Aussichten für die deutsche Konjunktur verdüstern sich: Laut Bundesbank ist die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal gesunken. Die offenbar geplante Verlängerung des Shutdowns dämpft den erhofften Aufschwung.
Hamburger Hafen: Hoffnungsträger Warenexporte

Hamburger Hafen: Hoffnungsträger Warenexporte

Foto: Axel Heimken/ picture alliance/dpa

Der Corona-Shutdown hat nach Einschätzung der Bundesbank die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland ausgebremst. »Die Wirtschaftsleistung wird im ersten Quartal 2021 wohl kräftig zurückgehen«, heißt es im Monatsbericht der deutschen Notenbank.

Vor allem in den kontaktintensiven Dienstleistungsbereichen sei die Lage schlecht. Die Industrie indes dürfte die Wirtschaftsentwicklung stützen, schreibt die Bundesbank. Sie profitiere vor allem von einer dynamischen Auslandsnachfrage.

Laut Statistischem Bundesamt waren die deutschen Warenexporte im Januar 2021 gegenüber Dezember um 1,4 Prozent gestiegen. Zudem hat sich laut Ifo-Institut die Stimmung in der Industrie im Februar verbessert.

Auch die sogenannten Wirtschaftsweisen rechnen im ersten Quartal mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung. Das Beratergremium der Bundesregierung hat seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr ebenfalls nach unten korrigiert.

Der Sachverständigenrat erwartet für das Gesamtjahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 3,1 Prozent. Im Gesamtjahr 2020 war die Wirtschaftsleistung Deutschlands um 4,9 Prozent zum Vorjahr eingebrochen. Der Staat versucht, das Corona-Tief mit Hilfsmilliarden abzufedern.

Die erwartete Verlängerung des Shutdowns bis zum 18. April behindert laut Ökonomen die wirtschaftliche Erholung in Deutschland. Der eigentlich im Frühjahr erwartete Aufschwung dürfte nun eher ab Frühsommer einsetzen, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Stefan Schneider.

Zwar sei im bevorstehenden zweiten Quartal noch ein spürbares Wachstum drin, auch bei einem bis 18. April verlängerten Lockdown. »Allerdings dürfte es nicht so stark ausfallen, wie wir das ursprünglich gedacht hatten.« Er rechne nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von zwei Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Bislang waren die Ökonomen der Deutschen Bank von einem doppelt so kräftigen Plus ausgegangen.

»Wir werden noch einige Wochen des Auf und Ab erleben«, sagte auch der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claus Michelsen. »Ab August halten wir eine nachhaltigere Erholung für möglich«, sagte Michelsen. Dann habe das Stop-and-go in der Wirtschaft hoffentlich ein Ende.

Angesichts des raschen Anstiegs der Corona-Fallzahlen in Deutschland zeichnet sich nach SPIEGEL-Informationen eine Verlängerung des Lockdowns ab. Im Entwurf des Kanzleramts für die Bund-Länder-Runde wird gewarnt, dass die Zahl der Neuinfektionen ohne deutlich einschränkende Maßnahmen so schnell steigen werde, »dass bereits im April eine Überlastung des Gesundheitswesens wahrscheinlich ist«.

ssu/dpa-AFX/Reuters
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