Corona-Konjunktur USA melden wieder mehr als eine Million Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe

Die US-Wirtschaft leidet weiter unter Corona. Die Zahl der Arbeitslosenmeldungen bleibt auf hohem Niveau. Die US-Notenbank ändert nun ihre geldpolitische Strategie - und nimmt eine höhere Inflation in Kauf.
Karrierecenter in Kentucky: Fed will Unternehmen helfen, mehr Jobs zu schaffen

Karrierecenter in Kentucky: Fed will Unternehmen helfen, mehr Jobs zu schaffen

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BRYAN WOOLSTON / REUTERS

Mitte August hatten die US-Arbeitslosenmeldungen erneut die Millionenmarke erreicht - und dort bleiben sie auch. In der Woche bis einschließlich 22. August haben erneut etwas mehr als eine Million Menschen in den USA einen Neuantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Im Vergleich zu der Vorwoche, als die Zahl bei gut 1,1 Millionen lag, ist dies ein leichter Rückgang um 98.000.

Die Neuanträge spiegeln die kurzfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts in der weltgrößten Volkswirtschaft wider. Vor der Pandemie hatte die Zahl selten höher als 100.000 pro Woche gelegen. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei für die USA historischen 10,2 Prozent. Die anhaltend hohe Zahl ist ein Indiz dafür, dass die Corona-Pandemie weiterhin einer nachhaltigen Erholung der Wirtschaft im Wege steht.

Von großer Bedeutung ist die Zahl auch deshalb, weil sich Republikaner und Demokraten noch immer nicht auf einen Ersatz für die ausgelaufene zusätzliche Arbeitslosenhilfe des Bundes in Höhe von 600 Dollar pro Woche aus einem Corona-Hilfspaket vom März geeinigt haben.

Wirtschaftseinbruch nicht ganz so schlimm wie gedacht

Noch immer ist die Pandemie in den USA nicht unter Kontrolle. Mehr als 5,8 Millionen Infektionen wurden bereits nachgewiesen. Seit Mitte August wurden täglich zwischen 35.000 und 48.000 Neuinfektionen verzeichnet. Rund 180.000 Menschen starben dort bereits nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2. Der Einbruch der US-Wirtschaft insgesamt fiel im zweiten Quartal infolge der Pandemie allerdings etwas weniger stark aus als bisher bekannt. Laut Handelsministerium lag die Wirtschaftsleistung annualisiert 31,7 Prozent niedriger als im Vorquartal. Das ist der Wert, wie sich die Wirtschaft entwickeln würde, wenn das Tempo des aktuellen Quartals ein Jahr lang gehalten würde.

In einer ersten Schätzung war ein auf das Jahr hochgerechneter Einbruch um 32,9 Prozent ermittelt worden. Der etwas weniger starke Einbruch geht laut Ministerium auf den Privatkonsum, die Lagerbestände der Unternehmen, die Ausfuhren und die Investitionen der Firmen zurück. All diese Größen gaben zwar massiv nach, aber weniger stark als bislang bekannt. Besonders drastisch jedoch verringerten sich die Ausfuhren, die um rund 63 Prozent sanken. Der private Konsum, der den größten Teil der Wirtschaftsleistung ausmacht, sank um 34 Prozent. Stützend wirkten allein die Staatsausgaben.

Inflationsrate "für einige Zeit" über zwei Prozent

In der Krise hat auch die US-Zentralbank überraschend eine zentrale Leitlinie ihrer Geldpolitik geändert. "Für einige Zeit" werde die Federal Reserve (Fed) eine Inflationsrate von über zwei Prozent in Kauf nehmen, ohne einzugreifen und die Leitzinsen zu heben, sagte Zentralbankchef Jerome Powell. Damit wolle die Fed die "Rückstände" bei der Erreichung des Ziels der maximalen Beschäftigung ausgleichen - und erkenne an, dass ein Arbeitsmarkt unter Druck nicht unbedingt zu Preiserhöhungen führe.

Das Inflationsziel orientiert sich demnach künftig an Durchschnittswerten, dieses Modell ist im Fachjargon als "Average Inflation Targeting" bekannt. Bisher stellt das Preisziel der Fed ein Punktziel dar, das sie möglichst exakt erreichen will. Auch das Beschäftigungsziel für den Arbeitsmarkt wurde leicht abgeändert.

Powell sagte, die Fed wolle den Unternehmen helfen, mehr Jobs zu schaffen. Dies solle allen Arbeitnehmern zugutekommen, vor allem aber Familien mit niedrigerem Einkommen. Der Chef der Zentralbank bekräftigte, dass die Fed bereit sei, alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen, um die Wirtschaft zu stützen.

apr/dpa/AFP
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