Coronakrise 6,65 Millionen Arbeitslose mehr in den USA - in einer Woche

Die Coronakrise trifft den US-Arbeitsmarkt mit voller Wucht - und weit stärker als erwartet. Vergangene Woche meldeten sich 6,6 Millionen Amerikaner arbeitslos, doppelt so viel wie in der Vorwoche.
Arbeitssuchende in den USA: Historischer Höchststand

Arbeitssuchende in den USA: Historischer Höchststand

Foto: Scott Olson/ Getty Images

In der Coronavirus-Krise schnellen die Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA auf historische Höchstwerte. In der vergangenen Woche stellten 6,65 Millionen Amerikaner einen entsprechenden Erstantrag, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Experten hatten zuvor mit einer Zahl von rund 3,5 Millionen Anträgen gerechnet. In der Woche zuvor war bereits mit knapp 3,3 Millionen Anträgen der bisherige Höchststand vom Oktober 1982 überboten worden - der lag bei vergleichsweise geringen 695.000.

Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote von zuletzt 3,5 Prozent im Zuge der durch die Virus-Pandemie ausgelösten Entlassungswelle in die Höhe schießen wird. Führende Währungshüter der US-Notenbank Fed rechnen mit einem Anstieg auf zweistellige Werte. "Die Arbeitsmarktlage in den USA ist als katastrophal zu bezeichnen. Es ist im Verlauf mit einer Rekordarbeitslosigkeit in den USA zu rechnen", sagte der Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba.

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Die Erstanträge gelten als Indikator für die kurzfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts in der größten Volkswirtschaft der Welt. Sie deuten inzwischen auf einen dramatischen Wirtschaftseinbruch infolge der Coronakrise hin. Bis vor wenigen Wochen hatte die Zahl der Erstanträge noch regelmäßig unter 100.000 pro Woche gelegen.

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 hat das öffentliche Leben in weiten Teilen der USA zum Erliegen gebracht. Etwa zwei Drittel der rund 330 Millionen Amerikaner unterliegen nun von Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen. Viele Geschäfte sind geschlossen, Restaurants und Hotels bleiben leer, zahllose Reisen wurden abgesagt. Viele Mitarbeiter geschlossener Unternehmen müssen daher Arbeitslosenhilfe beantragen.

Ein Instrument wie die Kurzarbeit in Deutschland gibt es in den USA nicht - beziehungsweise nun nur sehr eingeschränkt. In dem Zwei-Billionen-Dollar-Konjunkturpaket des US-Kongresses ist auch eine Ausweitung der bislang sehr begrenzten Arbeitslosenhilfe enthalten. Nun soll es Arbeitgebern auch möglich sein, Angestellte für bis zu vier Monate zu beurlauben anstatt sie zu entlassen. In dieser Zeit würde der Staat für das Gehalt aufkommen. Die Neuregelung hatte auf die jüngsten Erstanträge bis vergangenen Freitag aber wohl noch kaum Auswirkungen.

In Deutschland können Unternehmen ihre Mitarbeiter auf Kurzarbeit setzen. Die Arbeitslosenversicherung bezahlt dann die entstandene Lohndifferenz zu 60 Prozent beziehungsweise 67 Prozent (bei Kindern im Haushalt) - im Normalfall bis zu zwölf Monate lang, die Bundesregierung kann das aber per Verordnung auf zwei Jahre verlängern. In der Coronakrise hat die Bundesregierung den Zugang bereits erleichtert und die Betriebe noch zusätzlich entlastet, sie müssen nun auch keine Sozialbeiträge mehr für Kurzarbeiter entrichten. Im März hatten binnen zweieinhalb Wochen 470.000 Betriebe Kurzarbeit angezeigt - auch das ein historischer Höchstwert.

fdi/Reuters/dpa