Coronakrise 725.000 Betriebe haben Kurzarbeit angemeldet

Die Zahl der Unternehmen, die Kurzarbeit beantragt haben, steigt weiter rasant an. Wie viele Menschen betroffen sind, ist noch offen.
BMW-Werk in Leipzig

BMW-Werk in Leipzig

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Jan Woitas/ DPA

Die Zahl der Betriebe in Deutschland, die Kurzarbeit angemeldet haben, ist auf 725.000 gestiegen. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Damit ist die Zahl zum Stichtag 13. April gegenüber der Vorwoche noch einmal um zwölf Prozent gewachsen. Eine Woche zuvor hatten 650.000 Unternehmen Kurzarbeit angemeldet.

Rund ein Drittel aller dazu berechtigten Betriebe in Deutschland ist damit in Kurzarbeit. Insgesamt gab es Ende 2019 2.183 Millionen Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten - diese Betriebe sind kurzarbeitsberechtigt.

Wie viele Personen von Kurzarbeit betroffen sind, ist durch die Sonderauswertung der Bundesagentur nicht erfasst. Diese Zahl kann erst im Nachhinein nach der Abrechnung durch die Betriebe ermittelt werden.

Die Behörde geht aber davon aus, dass ihre Zahl "deutlich" über dem Niveau der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 liegen wird. Damals waren in der Spitze bis zu 1,4 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Die Regierung hatte zuletzt mit etwa 2,1 Millionen Kurzarbeitern gerechnet. Die Anzeigen für Kurzarbeit kommen aus allen Branchen, schwerpunktmäßig aus dem Gastgewerbe und dem Einzelhandel.

Die betroffenen Arbeitnehmer erhalten 60 Prozent ihres Nettogehalts. Wenn sie Kinder haben, sind es 67 Prozent. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert die Anhebung auf 80 beziehungsweise 87 Prozent. Beschäftigte mit niedrigem Einkommen könnten sonst in die Armut abrutschen.

BA-Chef Scheele sagte vergangene Woche zu der Diskussion, die Leistung zu erhöhen oder auszuweiten: "Für uns als Verwaltung ist entscheidend, dass wir den Anstieg der Anzeigen nur bewältigen können, wenn das Verfahren weiter so unbürokratisch bleibt, wie es jetzt ist. Es darf nicht komplizierter werden." Bei der Bundesagentur arbeiten inzwischen 8000 Mitarbeiter an der Abwicklung von Kurzarbeit, zehnmal so viele wie in normalen Zeiten.

hej/dpa