Rückgang der Einwanderung Arbeitsagentur warnt vor Fachkräftemangel durch Coronakrise

Deutschland altert – und braucht jedes Jahr eigentlich 400.000 neue Arbeitskräfte aus dem Ausland. Wegen der Pandemie kommen aber laut der Arbeitsagentur derzeit viel zu wenig Menschen.
Arbeitnehmer in Kfz-Werkstatt in Berlin

Arbeitnehmer in Kfz-Werkstatt in Berlin

Foto: Soeren Stache/ dpa

In der Coronakrise ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren wieder spürbar gestiegen – rund eine halbe Million Arbeitslose mehr als im Vorjahresmonat waren es im Januar. Langfristig die größere Gefahr für den deutschen Arbeitsmarkt entwickelt Corona aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit (BA) aber aus einem Grund, der auf den ersten Blick paradox erscheint: Die Pandemie könnte den absehbaren Fachkräftemangel noch verstärken.

»Corona verschärft die demografische Entwicklung: Unserer alternden Gesellschaft stehen noch weniger Fachkräfte zur Verfügung«, sagte BA-Chef Detlef Scheele nun der »Augsburger Allgemeinen«. »Wenn wir die Pandemie überstanden haben, wird sich der Mangel an Fachkräften verstärkt zurückmelden.«

Hauptgrund dafür sei, dass in der Krise viel weniger qualifizierte Fachkräfte nach Deutschland zugewandert seien. »Es kommen viel zu wenige Arbeitskräfte nach Deutschland«, sagte Scheele. »Wegen Corona ist die EU-Zuwanderung deutlich zurückgegangen.« Auch das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz könne noch nicht greifen. Es werde länger dauern, diese Lücke zu schließen.

Tatsächlich sind sich Arbeitsmarktexperten einig: Die Demografie – konkret also die Tatsache, dass sich in den kommenden Jahren zunehmend mehr Babyboomer vom Arbeitsmarkt in die Rente verabschieden werden – wird den Pool an Arbeitskräften immer rascher schrumpfen lassen. Die Unternehmen sind aber auf diese Beschäftigten angewiesen, damit hängt der Wohlstand in Deutschland davon ab. Außer einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren kann die Zuwanderung aus dem Ausland den demografischen Trend abfedern.

»Deutschland braucht langfristig netto jährlich eine Zuwanderung von 400.000 Menschen, damit der Arbeitsmarkt im Gleichgewicht bleibt«, sagte Scheele nun. »Im vergangenen Jahr dürften wir mit 200.000 bis 250.000 Menschen deutlich darunter liegen.«

Eine weitere Besonderheit der Coronakrise könnte das Fachkräfte-Problem noch zusätzlich vergrößern: Laut Holger Bonin, Forschungsdirektor am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), gibt es Anzeichen dafür, dass »Kurzarbeit auch als Brücke in die Frühverrentung genutzt wird – Ältere also früher als nötig vom Arbeitsmarkt verschwinden«.

fdi/dpa