Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung Coronakrise bedroht Geringverdiener besonders

Jeder Dritte hat in den ersten Monaten der Coronakrise Einkommen verloren - besonders hart trifft es die ohnehin schlechter Gestellten.
Vor allem im Gastgewerbe brachen Stellen weg

Vor allem im Gastgewerbe brachen Stellen weg

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

Die Corona-Pandemie vergrößert die soziale Ungleichheit in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Erwerbstätige mit niedrigen Einkommen, Minijobber und Leiharbeiter sowie Menschen mit Migrationshintergrund seien überdurchschnittlich oft von Einkommensverlusten durch die Krise betroffen, heißt es in der am Donnerstag vorgestellten Untersuchung. Zudem müssten Eltern öfter Einkommensverluste verkraften als Kinderlose.

Für die Untersuchung waren im April und Ende Juni jeweils mehr als 6000 Menschen befragt worden. Rund 32 Prozent von ihnen hätten angegeben, durch die Pandemie Einkommenseinbußen erlitten zu haben. Bei Befragten mit einem Einkommen von maximal 900 Euro netto liegt die Quote gar bei 48 Prozent. Bei einem Einkommen von mehr als 4500 Euro netto liegt sie lediglich bei knapp 27 Prozent. Ärmere sind demnach überdurchschnittlich oft von Einkommensverlusten betroffen.

Menschen mit Migrationshintergrund leiden häufiger unter Einkommensverlusten

Befragte mit einer familiären Zuwanderungsgeschichte haben der Analyse zufolge um knapp sechs Prozent häufiger Einkommen eingebüßt als Erwerbspersonen ohne diesen Hintergrund. Eltern hätten um sieben Prozent öfter auf Einkommen verzichten müssen als Kinderlose. Beschäftigte in Leiharbeit oder Minijobs seien um rund elf Prozent häufiger von Einkommensverlusten betroffen als Erwerbstätige mit festem Job.

Dagegen hätten Beschäftigte, die in Betrieben mit Tarifvertrag und Betriebsrat arbeiteten, seltener Einbußen. Wenn der Zugang zu solchen Absicherungen für viele Menschen eingeschränkt sei, könne das negative Folgen für die Demokratie haben, schreiben die Autoren der Studie. So beurteilten die von Einkommensverlusten belasteten Befragten die politische und soziale Situation in Deutschland insgesamt deutlich kritischer. Und sie zeigten sich im Durchschnitt empfänglicher für Verschwörungsmythen zur Pandemie.

Deshalb sei es "zentral, bei weiteren Maßnahmen zur Krisenbewältigung nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die Entwicklung der sozialen Gerechtigkeit im Blick zu haben", fordern die Autoren.

hej/dpa
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