Prognose Coronakrise lässt Ökostrom-Anteil steigen

Deutschlands Wirtschaft droht wegen der Coronakrise eine Rezession. Laut Berechnungen der Firma Enervis für den SPIEGEL dürften die Strompreise dadurch sinken - und der Ökostromanteil steigen.
Windräder im niedersächsischen Salzgitter

Windräder im niedersächsischen Salzgitter

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Julian Stratenschulte / DPA

Der befürchtete Einbruch der deutschen Wirtschaft durch die Coronakrise hat auch Folgen für die Energiewirtschaft: Laut Berechnungen des Beratungsunternehmens Enervis für den SPIEGEL dürften die Preise an der Strombörse EEX um bis zu 7,8 Prozent fallen. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der deutschen Stromversorgung dürfte auf bis zu 45 Prozent steigen.

Die Kalkulationen von Enervis basieren auf ersten Prognosen, wie die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus die Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2020 beeinflussen. Dazu zieht Enervis Erfahrungswerte zur Entwicklung des deutschen Stromverbrauchs in Krisenzeiten heran.

2009, im Jahr der Finanzkrise, war die deutsche Wirtschaft um 5,7 Prozent geschrumpft. Der deutsche Gesamtstromverbrauch war um rund sechs Prozent zurückgegangen. Vor allem der Industriesektor, der mit Abstand größte Verbraucher der Republik, fuhr seine Produktion zurück.

Einbruch beim BIP wie 2009

Im laufenden Jahr ist nach Prognosen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) ein ähnlich starker Einbruch des BIP wie 2009 möglich. Bei einem Lockdown der deutschen Wirtschaft bis Ende April könnte das BIP demnach um 4,5 Prozent sinken. Halte die Stresssituation bis Ende Juli an, könnte das deutsche BIP nach IfW-Berechnungen sogar um 8,7 Prozent fallen.

Bei normalem Wirtschaftswachstum liegt der Stromverbrauch des Industriesektors bei bis zu 250 Terawattstunden jährlich, was etwa der Hälfte des deutschen Gesamtbedarfs entspricht. Mit Blick auf die Coronakrise hält Enervis, je nach Länge des Lockdowns, einen Rückgang des Industrieverbrauchs um 25 bis 75 Terawattstunden für möglich.

Der mittlere Jahresstrompreis am Großhandelsmarkt würde in der Folge zwischen 0,97 und 3,10 Euro pro Megawattstunde niedriger ausfallen, als wenn die Industriestromnachfrage auf Normalniveau bleibt.

Der Anteil von Wind-, Solar-, Biomasse- und Wasserkraftwerken am deutschen Stromverbrauch indes würde laut Enervis von 42 Prozent auf bis zu 45 Prozent steigen, weil die meisten Ökostromanbieter ihre Produktion einfach durchlaufen lassen. Steinkohlekraftwerke dagegen dürften vermehrt aus dem Markt gedrängt werden.

Die CO2-Emissionen aus der Stromerzeugung würden sich laut Enervis um 12 bis 38 Millionen Tonnen reduzieren. Da in anderen Industrieländern eine ähnliche Entwicklung im Stromsektor zu erwarten ist, dürfte immerhin das Klima von der Coronakrise profitieren.