Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung Vier Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit

Die Coronakrise zwingt einer Befragung der Hans-Böckler-Stiftung zufolge bereits Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. 70 Prozent aller Arbeiter sorgen sich um ihre finanzielle Sicherheit.
Auch Mitarbeiter in BMW-Werken (hier in Leipzig) wurden in Kurzarbeit geschickt

Auch Mitarbeiter in BMW-Werken (hier in Leipzig) wurden in Kurzarbeit geschickt

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Jan Woitas/ DPA

Vier Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind infolge der Coronakrise von Kurzarbeit betroffen. Das ergaben Berechnungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung auf Basis einer Onlineumfrage unter rund 7600 Beschäftigten.

Von den zwischen dem 3. und 14. April Befragten hätten 14 Prozent angegeben, momentan in Kurzarbeit zu sein. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat rund jedes dritte dazu berechtigte Unternehmen in Deutschland eine entsprechende Verringerung der Arbeitszeit beantragt.

Beschäftigte in niedrigeren Einkommensgruppen seien häufiger davon betroffen als Arbeitnehmer mit höherem Einkommen, hieß es vonseiten der Böckler-Stiftung. Befragte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1500 Euro arbeiteten zudem nur knapp halb so oft in Betrieben, in denen das Kurzarbeitergeld vom Unternehmen aufgestockt werde, wie Personen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 4500 Euro.

Von den Befragten, die keine Aufstockung erhielten, gaben 40 Prozent an, maximal drei Monate finanziell durchhalten zu können. 70 Prozent aller Arbeitnehmer sorgen sich laut der Umfrage zunehmend um ihre finanzielle Sicherheit.

Die Forscher schlussfolgerten, dass die Coronakrise soziale Ungleichheit und klassische Rollenmuster verstärke und kritisierten das scharf. "Bestimmte gesellschaftliche Gruppen sind vor den Auswirkungen der Krise schlechter geschützt als andere", teilte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Stiftung mit, das die Studie auswertete. Das hätte Auswirkungen "auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft".

DGB fordert Aufstockung des Kurzarbeitergeldes

Zwar seien Frauen und Männer "ungefähr im gleichen Maße von Kurzarbeit betroffen", doch bei Frauen werde das Kurzarbeitergeld ebenso wie bei niedrigeren Einkommensgruppen seltener aufgestockt. Das WSI führt das auf eine unfaire Tariflandschaft und Geschlechterverteilung in deutschen Firmen zurück. Die Forscher fordern generell mehr Tarifverträge und auf deren Grundlage die Aufstockung des Kurzarbeitergelds.

"Die Coronakrise verstärkt die soziale Ungleichheit im Land weiter", kommentierte Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die Ergebnisse der Studie. "Wir brauchen ein klares Signal an die Menschen, dass auch sie jetzt über diese schwierige Zeit gebracht werden und nicht in der Sozialhilfe landen." Der DGB hat vorgeschlagen, das Kurzarbeitergeld von 60 auf 80 Prozent der Nettoeinbußen (87 Prozent bei Arbeitnehmern mit Kindern) für die Monate Mai, Juni und Juli aufzustocken.

rai/afp/dpa
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