Kurssturz in Coronakrise Dow Jones mit dem größten Verlust seit mehr als 30 Jahren

An der Wallstreet hat es die stärksten Kursstürze seit dem "Schwarzen Montag" im Jahr 1987 gegeben. Auch der Dax schloss mit dem zweitgrößten Verlust in seiner Geschichte.
Händler an der Wallstreet: Fluggesellschaften gehörten zu den größten Verlierern

Händler an der Wallstreet: Fluggesellschaften gehörten zu den größten Verlierern

Foto: BRYAN R. SMITH/ AFP

Mit seinem überraschenden Einreisestopp für Europäer hat US-Präsident Donald Trump die Wall Street am Donnerstag auf eine erneute drastische Talfahrt geschickt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss zehn Prozent tiefer bei 21.200 Punkten. Das ist der größte Kurssturz seit dem "Schwarzen Montag" von 1987. Der technologielastige Nasdaq brach 9,4 Prozent auf 7201 Punkte ein. Der breit gefasste S&P 500 büßte 9,5 Prozent auf 2480 Punkte ein.

Im Handelsverlauf dämmten die US-Börsen ihre massiven Kursverluste vorübergehend deutlich ein. Grund war die Ankündigung der New Yorker Filiale der US-Notenbank (Fed), neue Liquiditätsspritzen für Banken aufzulegen. Die Währungshüter teilten mit, frische sogenannte Repo-Geschäfte aufzulegen.

Zu den größten Verlierern am US-Aktienmarkt gehörten die Fluggesellschaften. Die Aktien von American Airlines, Delta und United brachen um bis zu 25 Prozent ein. Abwärts ging es auch für den Flugzeugbauer Boeing, dessen Aktien um 18 Prozent abrutschten. Die Online-Reisebüros Expedia und Booking.com büßten bis zu 15 Prozent ein. Ab Freitag darf für 30 Tage niemand mehr aus den meisten Ländern Europas in die USA einreisen. Ausgenommen sind US-Bürger.

Zweistellige prozentuelle Kursverluste beim Dax

Auch am Frankfurter Aktienmarkt gab es zweistellige prozentuale Kursverluste. Am Ende schloss der Dax mit einem Minus von 12,42 Prozent: Der heutige Kurssturz an der Frankfurter Börse hat viel Kapital vernichtet. Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland fehlt es den Anlegern offenbar am Vertrauen in die Firmenwerte. Sie trennten sich fast panikartig von Aktien.

Auch die Ölpreise und der Goldpreis verloren stark an Wert, wohingegen der Dollar gegenüber allen wichtigen Währungen an Wert gewann. Wie schon zu Wochenbeginn flohen die Anleger in als sicher empfundene Anlageformen wie etwa amerikanische und deutsche Staatsanleihen. Weltweit summierten sich die Verluste an den Aktienmärkten laut Nachrichtenagentur Reuters in den vergangenen Tagen auf 18 Billionen Dollar - mehr als dem Vierfache des deutschen Bruttoinlandsproduktes.

In Frankfurt war der Leitindex Dax am Morgen schon zum Handelsstart um mehr als 500 Punkte auf unter 10.000 Punkte gesackt. Im Lauf des Tages vergrößerte er sein Minus und schloss bei nur noch 9161 Punkten. Es ist der zweitgrößte prozentuale Tagesverlust seiner mehr als 30 Jahre alten Geschichte. Lediglich Mitte Oktober 1989 hatte es ein noch höheres Minus gegeben, als der Dax nach dem "Schwarzen Freitag" an der Wall Street auf Talfahrt gegangen war. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor 10,91 Prozent auf 20.168 Punkte.

In Frankfurt führte die Panik zum umsatzstärksten Handelstag seit den Turbulenzen der Finanzkrise im Herbst 2008. Insgesamt wechselten im deutschen Leitindex Aktien im Volumen von 12,9 Milliarden Euro den Besitzer.

Aktie der Deutschen Bank fällt erstmals unter fünf Euro

Für den historischen Kurssturz beim Dax gibt es verschiedene Gründe: Die USA hatten in der Nacht einen Einreisestopp für fast alle Europäer erlassen, Italien schloss alle Geschäfte außer Apotheken und Supermärkte, um die Viruskrise zu meistern. Hinzu kam, dass die Europäische Zentralbank am Mittag aus Sicht vieler Investoren nur wenig dazu beitrug, die Krise zu beruhigen.

Europas Währungshüter verkündeten zwar ein umfassendes Maßnahmenpaket in Höhe von 120 Milliarden Euro gegen wirtschaftliche Folgen der Coronavirus-Krise, damit fiel es jedoch kleiner aus, als von vielen Anlegern gedacht. Besonders kritisch dürfte jedoch die Entscheidung der EZB gewesen sein, den Schlüsselzins zur Versorgung der Institute mit Geld bei 0,0 Prozent zu belassen. In den USA senkte die Federal Reserve ihren Leitzins dagegen deutlich um einen halben Prozentpunkt.

Besonders Bankaktien standen deshalb an der Börse unter Druck. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank kosten erstmals weniger als fünf Euro. Die Titel rutschen um 16,5 Prozent auf ein Rekordtief von 4,99 Euro ab. In den ersten Wochen des Jahres waren sie noch deutlich gestiegen und hatten Mitte Februar erstmals seit eineinhalb Jahren wieder die Marke von zehn Euro geknackt.

Europaweit sackte der EuroStoxx 50, der Leitindex der Eurozone, um mehr als zwölf Prozent ab. Ähnlich deutlich ging es auch in Paris nach unten, während der britische FTSE 100 fast elf Prozent einbüßte. Die Börse in Mailand rauschte um 17 Prozent in die Tiefe und die in Madrid um rund 14 Prozent.

apr/mfu/dpa/Reuters