Italiens Wirtschaft Ein Land im Notbetrieb

Touristen bleiben weg, wichtige Branchen brechen ein - in Italien trifft das Coronavirus auf eine ohnehin schon geschwächte Wirtschaft. Wie schlimm werden die Folgen sein?
Aus Rom berichtet Hans-Jürgen Schlamp
Touristen mit Mundschutz in Mailand: Über Nacht in die Krise gerutscht

Touristen mit Mundschutz in Mailand: Über Nacht in die Krise gerutscht

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MIGUEL MEDINA/ AFP

Die Coronakrise belastet Italien besonders stark - und gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen hat sich die Krankheit in keinem anderen europäischen Staat so stark ausgebreitet. Inzwischen sind mehr als 2000 Menschen infiziert. Zum anderen wird das bereits ökonomisch beeinträchtigte Land zusätzlich wirtschaftlich hart getroffen. 

Nicht nur im industriegeprägten Norditalien, wo "rote Zonen" und gesperrte Regionen für einen nahezu kompletten Stillstand wirtschaftlicher Aktivitäten sorgen. Überall im Land meiden viele Italiener Bars, Restaurants, Kinos, Konzerte. Sie bleiben, aus Angst vor einer Ansteckung, lieber zu Hause. Und, wahrscheinlich noch schlimmer für die Volkswirtschaft, die Touristen bleiben weg.

In Florenz wurden 50 Prozent der Buchungen storniert

Bernabò Bocca, Verbandspräsident der Übernachtungsbranche, besitzt elf Hotels - erzählte er der Zeitung "La Repubblica" -, in denen waren 30 bis 40 Prozent der Buchungen schon bis zum 26. Februar storniert worden. 

Der Trend ist bislang ungebrochen und hat das ganze Land erfasst: den Süden wie die Mitte, Rom genauso wie Florenz. So fiel etwa in der Toskana-Hauptstadt binnen weniger Tage die Hälfte aller fest gebuchten Übernachtungen weg, in manchen Herbergen waren es auch 70 Prozent. Im Norden sollen es bei den Reservierungen von Geschäftsreisenden bis zu 90 Prozent sein. Der über Nacht in die Krise gerutschte Sektor ist keine Nischenbranche: Er erwirtschaftet normalerweise etwa 90 Milliarden Euro im Jahr, das entspricht rund fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Fast alle Messen und Ausstellungen, die in dieser Jahreszeit besonders häufig sind, werden abgesagt oder verschoben. Das trifft einen Wirtschaftszweig mit mehr als 40 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Quasi im Beipack fliegen auch die Airlines nur halb gefüllt oder gar nicht. Die ohnehin hoch verschuldete, nur durch Staatsdarlehen noch existente nationale Fluglinie Alitalia wird das ohne einen - schon lange gesuchten - Käufer oder neues Geld vom Steuerzahler nicht allzu lange aushalten.

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Vorbehalte aus Brüssel - gegen die vermutlich noch höhere Staatsverschuldung - erwarte er nicht. Muss er auch nicht. Der dort zuständige, italienische Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni hatte die Aktion schon vorab durchgewinkt. Sie sei durch die "Flexibilitätsregel" im Stabilitätspakt gedeckt. Auch weitergehenden Ideen des römischen Finanzministers, gemeinsam mit der EU-Kommission und deren Geld die taumelnde italienische Wirtschaft zu stabilisieren, werden in Brüssel kaum abgelehnt werden können.

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