Wachstum Coronavirus legt Schatten auf Chinas Wirtschaft

Der Handelskrieg mit den USA hat Chinas Wirtschaft im vergangenen Jahr schwer zugesetzt. Die jüngsten Umfragen geben Anlass zur Zuversicht – doch wegen der Corona-Epidemie messen ihnen Ökonomen keine Bedeutung zu.
Raffinerie in Zechuan: Januar-Daten kaum aussagekräftig

Raffinerie in Zechuan: Januar-Daten kaum aussagekräftig

Foto: STRINGER SHANGHAI/ REUTERS

Chinas Industrie ist im Januar nach offiziellen Daten auf der Stelle getreten. Exportbestellungen gingen im Zuge des Handelsstreits mit den USA zurück. Als weiterer Risikofaktor kam der Ausbruch des neuartigen Coronavirus hinzu, was sich nach Einschätzung von Experten aber noch nicht voll in der Statistik abbildet.

Der amtliche Einkaufmanagerindex (PMI), den die Statistikbehörde am Freitag veröffentlichte, wies wie von Analysten erwartet 50,0 Punkte aus nach 50,2 Zählern im Dezember. Die 50-Zähler-Marke ist der neutrale Punkt des Barometers. Höhere Werte signalisieren Wachstum, niedrigere einen Rückgang.

In einigen Wirtschaftszweigen des Sektors zeigt der Index Aktivität an. Ökonomen bezweifelten jedoch, dass die Umfrage angesichts der jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus und den damit einhergehenden Vorkehrungen zur Eindämmung der Krankheit einen aussagekräftigen Überblick über die Wirtschaft bietet. "Ich würde die heutige Veröffentlichung ignorieren", schrieb etwa Raymond Yeung vom Finanzberater ANZ. "Die Zahl bewertet mit Sicherheit die wirtschaftlichen Aussichten über, da sie nicht die Unterbrechung aufgrund des Ausbruchs widerspiegelt."

Das Gleiche gilt für Chinas Dienstleistungsbranche und ihren von der Statistikbehörde veröffentlichten Einkaufmanagerindex, der ein beschleunigtes Wachstum erkennen lässt. Der Index stieg auf 54,1 Punkte nach 53,5 Zählern im Dezember. Die Behörde warnte aber, dass die Umfrage den Virus-Ausbruch noch nicht vollständig abbilde. Experten rechnen denn auch damit, dass die Branche den Ausbruch des neuartigen Coronavirus deutlich zu spüren bekommen dürfte, da viele Chinesen Menschenansammlungen etwa in Geschäften, Restaurants und Kinos versuchen zu meiden.

mik/Reuters