Kranke Mitarbeiter »Pflegeheime sind nach wie vor Coronahotspots«

Pflegekräfte haben laut Barmer so sehr mit dem Coronavirus zu kämpfen wie noch nie zuvor. Krankenkassenchef Christoph Straub verlangt »ein Corona-Konzept mit Augenmaß« – vor allem für die Schutzbedürftigen.
Bewohner eines Altenheims: »Im Pflegeheim leben die schwächsten und besonders vulnerablen Menschen«

Bewohner eines Altenheims: »Im Pflegeheim leben die schwächsten und besonders vulnerablen Menschen«

Foto: Bernd Weißbrod / picture alliance/dpa

Pflegefachkräfte sind einer Untersuchung der Barmer-Krankenkasse zufolge noch nie so sehr von Corona betroffen gewesen wie in diesem Jahr: Seit Beginn der Pandemie 2020 seien nicht annähernd so viele Pflegekräfte wegen einer Coronainfektion arbeitsunfähig gewesen wie 2022. Die Krankenkasse bezieht sich dabei auf eigene Versichertendaten.

Wie aus dem Barmer-Pflegereport  hervorgeht, wurden im Juli 2022 fast 40-mal so viele Pflegefachkräfte in Einrichtungen aufgrund einer Covid-19-Infektion krankgeschrieben wie im Vorjahresmonat. Im März sei mit 158 Krankschreibungen je 10.000 stationär arbeitenden Pflegekräften die bisherige Spitze seit Beginn der Pandemie erreicht worden. Im Vergleich zum März 2021 waren es 14-mal so viele Krankmeldungen.

Coronamaßnahmen würden derzeit immer weiter heruntergefahren, bis hin zur Aufhebung der Isolationspflicht in einigen Bundesländern, sagte Barmer-Chef Christoph Straub: »Doch Pflegeheime sind nach wie vor Coronahotspots.«

Auch die Pflegebedürftigen waren stark von den jeweiligen Coronawellen betroffen. So waren in der Spitze der zweiten Welle, im Dezember 2020, 55 Prozent der mit Covid-19-Verstorbenen stationär Pflegebedürftige. Ende der vierten Welle im Dezember 2021 waren es noch 30 Prozent. »Im Pflegeheim leben die schwächsten und besonders vulnerablen Menschen, die weiterhin unseres Schutzes bedürfen«, sagte Straub. Nötig sei daher auch weiterhin »ein Coronakonzept mit Augenmaß, vor allem für diese Schutzbedürftigen«.

Angst um Angehörige

Wie aus dem Pflegereport weiter hervorgeht, sank gerade zu Beginn der Pandemie die Zahl der voll stationär gepflegten Menschen. Die Anzahl der Menschen, die von der häuslichen Pflege in ein Heim wechselten, sank demnach von jeweils über 25.000 im April der Jahre 2018 und 2019 auf rund 17.000 im Mai 2020. Das entspricht einem Minus von rund einem Drittel. Ein Grund war offenbar, dass die Angehörigen Angst um die Gesundheit der Pflegebedürftigen hatten. Erst im späteren Verlauf der Pandemie stieg die Zahl der Menschen, die ins Heim wechselten, wieder.

Das hatte teilweise auch Auswirkungen auf die Finanzen. So gab es dem Report zufolge in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen einerseits Mehrausgaben, etwa für Personal, und andererseits Mindereinnahmen, unter anderem durch nicht belegte Heimplätze. Ein weiterer großer Kostenblock waren die Ausgaben für Antigen-Tests ab Oktober 2020.

Unter dem Strich summierten sich die Beträge für Pflegerettungsschirme, Antigentests und Coronapflegeprämie für die Pflegekassen bis zum ersten Quartal 2022 demnach auf mehr als neun Milliarden Euro. Trotz nachträglicher Steuerzuschüsse sind laut Barmer davon 6,4 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals 2022 offen geblieben.

ptz/dpa/AFP
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