Coronavirus Schweiz verbietet Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen

Wegen der steigenden Zahl von Coronavirus-Fällen hat die Schweiz bis auf Weiteres alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen abgesagt. Davon sind auch die Basler Fasnacht und der Genfer Autosalon betroffen.
Genfer Autosalon 2019

Genfer Autosalon 2019

Foto: imago images

In der Schweiz gilt wegen des Coronavirus ab sofort eine "besondere Lage": Der Bundesrat hat Veranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern verboten.

Der Genfer Autosalon wurde wegen der Ausbreitung der Krankheit inzwischen abgesagt. Das teilte der Genfer Regierungspräsident Antonio Hodgers auf Twitter mit. Im vergangenen Jahr waren mehr als 600.000 Besucher zu der Messe gekommen.

"Wir bedauern diese Situation, aber die Gesundheit aller Beteiligten ist für uns und unsere Aussteller absolute Priorität", sagte Autosalon-Chef Maurice Turrettini. "Dies ist ein Fall von höherer Gewalt. Für die Aussteller, die massiv in ihre Präsenz in Genf investiert haben, ist dies ein herber Verlust." Nun müsse der Abbau organisiert werden. Die bereits verkauften Eintrittskarten würden zurückerstattet.

Eine Sprecherin der Messe hatte zuvor gesagt, den Vorgaben des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit werde Folge geleistet. Die Organisatoren hatten jedoch bis zuletzt an ihren Plänen festgehalten und gehofft, dass einer Eröffnung am Montag nichts im Wege stehe.

In der Schweiz breitet sich das Virus weiter aus. Bis Freitag seien 15 Menschen positiv auf das neue Virus Sars-CoV-2 getestet worden, sagte Innenminister Alain Berset. "Wir wollen weitere Ansteckungen so gut es geht in Grenzen halten", erklärte der sozialdemokratische Politiker den Schritt. Für Deutschland rechnet der Virologe Christian Drosten mit den höchsten Fallzahlen in Europa, "weil unsere Bevölkerung sehr reisefreudig ist", sagte der Experte von der Berliner Charité im ZDF.

In der Schweiz sind laut Berset bereits mehr als hundert Menschen in Quarantäne. Infiziert ist nach Informationen der lokalen Behörden bei Basel auch eine Frau, die in einer Kindertagesstätte arbeitete. Die Regierung werde laufend informiert und stehe in ständigem Kontakt mit den Nachbarländern, sagte Berset. Die große Ausbreitung des Virus in den vergangenen Tagen in den Nachbarländern Deutschland und Italien sowie die ersten bestätigten Fälle in der Schweiz hätten zu einer neuen Lagebeurteilung geführt.

Absage trifft Basler Fasnacht

Bürogebäude mit mehr als tausend Personen würden nicht geschlossen, sagte Berset. "Dort können sich die Personen frei bewegen und können die Hygienevorschriften umsetzen." Die Kantone unterstützten die Maßnahmen der Bundesregierung, sagte Heidi Hanselmann, Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK). Eine gemeinsame Linie für die ganze Schweiz sei sinnvoll, um kohärent gegen das Virus vorzugehen.

Auch die Basler Fasnacht, die an diesem Montag beginnen sollte, ist von dem Verbot betroffen. Laut "Basler Zeitung" wollen die lokalen Behörden und das Fasnachtscomité über Details informieren.

Narren beim Basler Morgenstraich

Narren beim Basler Morgenstraich

Foto: A3446 Patrick Seeger/ dpa

Fußballpartien als Geisterspiele?

Verboten sind wegen der Epidemie bis zum 15. März auch alle Sport-Großveranstaltungen. Spiele mit mehr als tausend Zuschauern dürfen auf Anweisung des Bundesrats in diesem Zeitraum nicht mehr stattfinden. Möglich bleiben demnach aber Geisterspiele ohne Fans oder Partien mit geringeren Zuschauerzahlen. Alternativ müssten die geplanten Spiele verschoben oder abgesagt werden.

Betroffen sind davon vor allem Fußballspiele und Partien der höchsten Eishockey-Ligen. Auch der nächste Auftritt des FC Basel in der Europa League könnte gefährdet sein, sofern der Klub am 12. März ein Heimspiel im Achtelfinale zugelost bekäme. Im Eishockey stehen in der Schweizer National League vom 7. März an die Meisterschafts-Playoffs an. Im Mai findet in der Schweiz die Eishockey-WM statt.

apr/dpa/AFP/Reuters