DAK Gesundheit Neue Riesenkasse schafft Zusatzbeitrag ab

Gute Nachricht für Millionen Krankenversicherte: Die neu fusionierte DAK Gesundheit schafft nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den Zusatzbeitrag ab. Mitglieder sparen dadurch acht Euro im Monat.
DAK: Es wird günstiger, allerdings nicht auf Dauer

DAK: Es wird günstiger, allerdings nicht auf Dauer

Foto: Angelika Warmuth/ picture alliance / dpa

Hamburg - Manch einer wird sich angesichts dieser Nachricht verwundert die Augen reiben: Wie bitte, eine Krankenkasse wird günstiger? Gilt im Gesundheitswesen etwa die eherne Regel nicht mehr, dass die Versicherten Jahr für Jahr mehr zahlen müssen?

Immerhin will die DAK Gesundheit, die zum 1. Januar 2012 aus der Fusion der DAK und der BKK Gesundheit hervorgehen wird, ab April kommenden Jahres von ihren Versicherten keinen Zusatzbeitrag mehr verlangen. Das erfuhr SPIEGEL ONLINE.

Die Nachricht wirkt umso erstaunlicher, da sich mit der DAK und der BKK Gesundheit zwei kränkelnde Anbieter zur drittgrößten Kasse der Republik zusammenschließen. Weil sie mit dem Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, verlangen beide von ihren Mitgliedern bereits seit Längerem einen Zusatzbeitrag in Höhe von acht Euro pro Monat. Das führte zu einer Massenflucht der Kunden. Allein die DAK hat seit vergangenem Jahr netto eine halbe Million Versicherte verloren.

Trotzdem gibt es eine plausible Erklärung für die frühzeitige Bescherung der Versicherten der neuen Großkasse: Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung ist besser als gedacht. Im ersten Halbjahr erwirtschafteten die mehr als 150 Kassen zusammengerechnet einen Milliardenüberschuss.

Das liegt zum einen daran, dass die schwarz-gelbe Koalition im vergangenen Jahr ein Sparpaket verabschiedet hat. Zum anderen sorgen die gute konjunkturelle Entwicklung und die damit einhergehende positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt für höhere Einnahmen. So wird allein die DAK in diesem Jahr einen Überschuss von rund 300 Millionen Euro erzielen. Sie profitiert zusätzlich davon, dass sie sich - wie man so sagt - schlanker aufgestellt hat.

Prämie bringt kaum Einnahmen

Wer weniger ausgeben muss als befürchtet, aber mehr kassiert als erhofft, der kann seinen Mitgliedern schon mal etwas spendieren. Andere, kleinere Kassen haben die monatliche Prämie inzwischen auch wieder abgeschafft.

Zumal der Zusatzbeitrag für jeden Versicherten zwar ärgerlich ist, für die Kassen aber nicht viel mehr bedeutet als das aufwendige Einsammeln von Minibeträgen. Das zeigt folgende Berechnung: Die DAK Gesundheit wird wahrscheinlich zu Jahresbeginn gut fünf Millionen Mitglieder haben, die Beiträge zahlen. Rechnet man die mitversicherten Ehepartner und Kinder dazu, ergeben sich rund 6,6 Millionen Versicherte.

Müssen die fünf Millionen Beitragszahler acht Euro monatlich zusätzlich entrichten, kommt pro Jahr fast eine halbe Milliarde Euro zusammen. Das gesamte Haushaltsvolumen der neuen DAK Gesundheit wird in der Krankenversicherung allerdings bei mehr als 19 Milliarden Euro pro Jahr liegen. Sie bestreitet ihre Ausgaben also zu mehr als 97 Prozent aus den Zuweisungen des Gesundheitsfonds. Legen diese um gerade einmal 2,5 Prozent zu, bringt das der DAK Gesundheit genauso viel Geld wie der gesamte Zusatzbeitrag.

Allerdings hat die gute Nachricht für die Versicherten auch einen Haken: Es ist absehbar, dass die Abschaffung des Zusatzbeitrages durch die DAK Gesundheit nur vorläufig ist. Das erklärte Ziel der Regierung lautet: Die Kassen sollen mittelfristig einen immer höheren Anteil ihrer Einnahmen aus den einkommensunabhängigen Monatsprämien bestreiten.

In den vergangenen Jahren stiegen die Ausgaben in der Krankenversicherung meistens viel schneller als die Einnahmen. Entwickelt sich die Wirtschaft nicht mehr ganz so dynamisch, oder fällt das nächste Sparpaket für den Gesundheitssektor wenig ambitioniert aus, wird vielen Anbietern nichts anderes übrigbleiben, als die ungeliebte Prämie (wieder) einzuführen. Und die DAK Gesundheit wird mit Sicherheit nicht die letzte Kasse sein, die diesen Schritt verkünden muss.

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