Studie zur weltweiten Spendenbereitschaft Das sind die großzügigsten und geizigsten Nationen

Geben wohlhabende Menschen Bedürftigen mehr? Eine Umfrage in 126 Staaten hat untersucht, wo die großzügigsten Menschen leben. Die Ergebnisse sind überraschend.

Hilfsbereitschaft zeichnet laut Studie vor allem Menschen des afrikanischen Kontinents aus
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Hilfsbereitschaft zeichnet laut Studie vor allem Menschen des afrikanischen Kontinents aus


Verstärkt Wohlstand die Bereitschaft, Bedürftigen zu helfen? Eine Studie der Charities Aid Foundation (CAF) hat das untersucht. Die Ergebnisse der Langzeitbefragung zeigen teils Überraschendes: Gerade in Ländern, in denen nach dem jüngsten Armutsbericht der Vereinten Nationen große Not herrscht, ist die Bereitschaft zu geben häufig besonders groß.

Dies wird in den Spitzenplatzierungen deutlich. Unerwartet belegt Myanmar Platz 2 des Rankings, obwohl das Bruttoinlandsprodukt des von Unruhen geplagten Landes noch unter dem von Staaten wie Kambodscha oder dem Sudan liegt.

Auf Platz 1 landet die USA. Nirgendwo sonst werden Spenden so gebraucht, um Dinge am Laufen zu halten, die anderswo der Staat übernimmt. Denn ob Oper oder Obdachlosenhilfe, Museum oder Universität: Alle bekommen nur wenig oder gar keine öffentliche Hilfe.

Deutschland schafft es im Ranking auf den 18. Platz. Laut Umfrage spenden rund die Hälfte der Bürger Geld oder helfen anderen Menschen in Not - jeder Vierte engagiert sich ehrenamtlich.

Das sind die großzügigsten Nationen
(Angaben in Prozent)

Rang Land
Anteil der Menschen, die ...
einem Fremden geholfen haben, der Hilfe benötigte Geld an eine wohltätige Organisation gespendet haben ehrenamtlich gearbeitet haben
1 USA 72 61 42
2 Myanmar 49 81 43
3 Neuseeland 64 65 41
4 Australien 64 68 37
5 Irland 62 69 38
6 Kanada 64 63 37
7 Großbritannien 60 71 30
8 Niederlande 53 71 36
9 Sri Lanka 55 50 46
10 Indonesien 42 69 40
… ... ... ... ...
18 Deutschland 56 49 26

Quelle: CAF

Für die Untersuchung wurden über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt rund 1,3 Millionen Menschen in 126 Ländern danach gefragt, wie viel sie für wohltätige Zwecke spenden, wie oft sie fremden Menschen in Notsituationen helfen und wie stark sie sich ehrenamtlich engagieren. Zuerst hatte die "Welt" über die Ergebnisse des CAF-Reports berichtet.

Macht Kommunismus weniger sozial?

Vor allem aktuell und ehemals kommunistisch regierte Staaten schneiden besonders schlecht ab. Auf dem letzten Platz landet etwa China. Nur elf Prozent spenden dort für andere Menschen. Zum Vergleich: In Myanmar sind es 81 Prozent, die angeben, andere mit ihrem Geld zu unterstützen.

Die Gründe für die Zurückhaltung der Chinesen sind vielfältig: Der chinesische Staat bietet etwa kaum steuerliche Vorteile für Spender. Die Studie führt auch die konfuzianische Tradition als Grund an. Diese sehe zwar durchaus vor, seine Mitmenschen zu unterstützen - jedoch nur, solange diese zum eigenen Kreis gehören.

Anders ist das Bild in afrikanischen Ländern. Diese nehmen im CAF-Ranking zumindest in der Kategorie, ob sie fremden Menschen helfen, die vordersten Plätze ein, mit Liberia auf Rang eins und Sierra Leone auf Rang zwei. Auch weitere afrikanische Staaten wie Kenia, Sambia, Uganda, Nigeria und Malawi landen unter den besten zehn.

Die Analyse der Charities Aid Foundation führt die in weiten Teilen Afrikas praktizierte Ubuntu-Philosophie, die auf dem Miteinander und gegenseitiger Unterstützung fußt, als Erklärung für das Ergebnis zurück.

flg

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Meckerameise 17.10.2019
1. Wenig aussagekräftige Studie
Es gibt zwei Möglichkeiten, etwas zu spenden, wovon eine genau genommen keine Spende mehr ist. Die eine ist eine wirkliche Spende, die z.B. aus Mitgefühl gemacht wird. Die andere ist vielmehr eine Investition bzw. Umwandlung von Kapital - und lediglich diesen Bereich beleuchtet die Studie anscheinend. Mit einer entsprechenden Quittung lässt sich ein Teil des Geldes vom Staat zurückholen. Ansonsten erhofft man sich, soziales Kapital heraus zu holen, um das eigene Ansehen zu steigern, um langfristig einen Vorteil anderswo zu erhalten. Bei der Kostenübernahme des Schulessens für 400 US-Schüler am Ende recht ähnlich, das eben erst durch Medien geisterte oder das Bezahlen eines übertrieben großen Trinkgeldes. Das, was die Studie eher herzugeben scheint ist, wie spendabel die Länder unter Programmen sind, die Spenden kompensieren. Was aus der Studie überhaupt nicht abzuleiten ist, ist der Hintergrund der Spender. Die USA gehören zwar zu den wohlhabendsten Staaten, jedoch ist die soziale Ungleichheit dort mitunter am größten. Dort ist es weitaus einfacher, positive Auswirkungen von Spenden zu spüren. Denn wie oben schon steht, ist es ziemlich einfach, mit einer pompösen Geste publik zu werden. Man müsste im nächsten Schritt eigentlich die Ergebnisse mit dem Gini-Koeffizient vergleichen und je näher sich dieser Wert für ein Land der 1 nähert, desto dringender sollte man genauer berücksichtigen, wie die finanzielle Lage der Spender ist. Meine Theorie: ärmere Menschen sind tendenziell spendabler oder hilfsbereiter, reichere lehnen Hilfegesuche eher ab. Unterstützt der Staat Spenden, sind reichere eher dazu geneigt, zu spenden, weil die daraus entstehende Publicity billiger wird. Hierzulande spenden Konzerne wie VW ja auch nur Schulmaterialien, um die Kinder in die entsprechenden Bahnen zu lenken, spenden Geld insbesondere an die CDU, um besondere Lobbypolitik zu erwirken und drängen ihre Logos überall hin. Mit einem genuinem Wohlwollen dem Staat oder den Menschen gegenüber hat das leider nicht viel zu tun.
B3ATN1K 18.10.2019
2.
Schön, dass so eine Studie bestätigt, was wir alle schon ahnten.
pethof 18.10.2019
3. Deutsche Denkweise
Wer nur spendet, wenn er dadurch einen steuerlichen Vorteil hat, tut mir leid. Das ist, wie mir scheint, eine typisch deutsche Scheinheiligkeit. Ein berechnendes Spenden ist kein Spenden. Spenden soll vom Herzen kommen. Als alter Ossi war ich in meinen jungen Jahren regelrecht entsetzt, als ich erfuhr, dass die "Fresspakete", wie wir sie nannten, die wir von unserer westdeutschen Verwandtschaft ab und an bekamen (und für die wir ihnen dankbar waren), von der Steuer abgesetzt werden konnten. Seitdem scheint sich nichts im deutschen Spendenbewusstsein verändert zu haben.
so-long 18.10.2019
4. Äpfel & Birnen
Die USA haben ein völlig anderes Sozialsystem als zB D; deshalb ihat dort "charity" einen anderen Stellenwert. Was insgesamt " besser" ist, sei dahingestellt.
c.conrad 19.10.2019
5. 7 von 8
Die Bildunterschrift lautet: "Hilfsbereitschaft zeichnet laut Studie vor allem Menschen des afrikanischen Kontinents aus." In der Einleitung steht: "Gerade in Ländern, in denen nach dem jüngsten Armutsbericht der Vereinten Nationen große Not herrscht, ist die Bereitschaft zu geben häufig besonders groß." Und in der Tabelle finde ich auf 7 der ersten 8 Plätze wohlhabende, christlich geprägte, westliche Nationen. Jeder interpretiert eben eine Statistik wie es ihm ins Konzept passt.
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