Daten-CD Zahlreiche Steuersünder zeigen sich selbst an

Jetzt haben sie Angst, erwischt zu werden: Zahlreiche Steuersünder zeigen sich nach dem angekündigten Kauf der Daten-CD selbst an. Bundesweit gingen über hundert Meldungen ein. Den Ländern winken Einnahmen in Millionenhöhe. Einem Finanzamt in Schleswig-Holstein wurden unterdessen weitere Datensätze angeboten.

Silhouette eines Mannes mit Schweizer Flagge und CD: Satte Extraeinnahmen
dpa

Silhouette eines Mannes mit Schweizer Flagge und CD: Satte Extraeinnahmen


Frankfurt am Main - Der angekündigte Kauf einer CD mit brisanten Steuerdaten aus der Schweiz treibt offenbar immer mehr Steuerhinterzieher zur Selbstanzeige. Damit winken den Finanzbehörden der Länder satte Extraeinnahmen.

Im Bundesland Niedersachsen sind nach Angaben einer Sprecherin des Finanzministeriums vom Mittwoch bereits 98 Selbstanzeigen eingegangen. Die nicht versteuerten Einnahmen könnten auf 21,6 Millionen Euro und die Mehrsteuern auf rund 7,7 Millionen Euro geschätzt werden.

Die Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung sichert demjenigen Straffreiheit zu, der seine Steuererklärung um Zusatzangaben ergänzt. Die Steuerhinterziehung darf allerdings noch nicht von den Behörden entdeckt worden sein.

In Hessen liegen nach Angaben des Landes-Finanzministeriums bereits 27 Selbstanzeigen vor. Im Freistaat Bayern zeigten sich nach Angaben des Finanzministeriums "unter 20" Personen selbst an, seit die erste CD aufgetaucht ist. Der Steuerfahndung in Nordrhein-Westfalen waren für 2,5 Millionen Euro Daten angeblicher Steuerhinterzieher in der Schweiz angeboten worden.

Auf der CD sollen sich Daten von rund 1500 deutschen Steuerhinterziehern in der Schweiz befinden. Der von Bundeskanzlerin Angela Merkel gebilligte Datenankauf hatte zu Verstimmungen zwischen Deutschland und der Schweiz geführt. Auch anderen Bundesländern wurden inzwischen brisante Steuerdaten angeboten.

Nun wurde auch einem Finanzamt in Schleswig-Holstein anonym eine CD mit 363 Datensätzen von Steuersündern zugespielt. Dies bestätigte das Finanzministerium am Mittwoch in Kiel. Die CD sei nicht angekauft worden, betonte ein Sprecher. Sie stehe im Zusammenhang mit der Schweiz-Affäre und werde jetzt ausgewertet. Zum Umfang möglicher Nachzahlungsforderungen könne man noch nichts sagen. "Wir sind dabei, eine Stichprobe zu machen", sagte der Sprecher. Die CD sei bereits im Dezember eingegangen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte den Bundesländern nahegelegt, die ihnen angebotenen Daten über mutmaßliche Steuerstraftäter zu erwerben.

fro/Reuters/dpa



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