Datenspionage Bahr arbeitet weiter mit IT-Dienstleister zusammen

Ein Angestellter der IT-Firma Bechtle hat einem Zeitungsbericht zufolge die geheimen Daten aus dem Gesundheitsministerium geschmuggelt. Minister Bahr will trotzdem an der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen festhalten.
Apotheke: IT-Dienstleister Bechtle bleibt wohl weiterhin im Geschäft

Apotheke: IT-Dienstleister Bechtle bleibt wohl weiterhin im Geschäft

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Berlin - Die Firma Bechtle ist gut im Geschäft mit der Bundesregierung. Ihre IT-Spezialisten betreuen gleich eine ganze Reihe von Bundesministerien. Es gebe "mehrere Rahmenverträge, auf die mehrere Bundesministerien zugreifen können", sagte eine Unternehmenssprecherin der "Bild"-Zeitung. Daran soll sich offensichtlich auch wenig ändern, obwohl ein Bechtle-Mitarbeiter eine entscheidende Rolle beim Datendiebstahl im Bundesgesundheitsministerium gespielt hat. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) jedenfalls sieht der Zeitung zufolge keinen Anlass für eine Kündigung der Zusammenarbeit.

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mitarbeiter der IT-Firma, der seit 2010 E-Mails, Beschlüsse, Gesetzentwürfe und andere Daten gegen Geld an einen Apotheker-Lobbyisten weitergegeben haben soll. Bahr hatte sich verärgert über den Vorgang gezeigt und seinerseits eine zügige Aufklärung verlangt. Der IT-Experte wurde dem Bericht zufolge inzwischen von seinen Aufgaben entbunden.

Wie weit die Geschäftsverbindungen Bechtles reichen, ist indes noch unklar. Bundesbildungs- und Bundesarbeitsministerium verweigerten auf Anfrage der "Bild"-Zeitung die Auskunft, ob sie die Dienste der Firma in Anspruch nehmen. Weitere Ministerien, das Kanzleramt und das Bundespresseamt lassen die Datenpflege ihrer Computersysteme von anderen Firmen betreuen. Das Wirtschaftsministerium nutzte den Bechtle-Service bis Oktober 2010, heißt es in dem Bericht.

Mängel bei der technischen Absicherung

Christian Vogt, deutscher Geschäftsführer des IT-Security-Anbieters Fortinet, sieht das Problem ohnehin eher im Sicherheitsmanagement des Gesundheitsministeriums: "Wenn über Jahre große Datenmengen aus einem EDV-System entwendet wurden, wie das offenbar jetzt im Bundesgesundheitsministerium geschehen ist, dann lässt das unbedingt auf schwere Mängel bei der technischen Absicherung schließen", sagte er der Zeitung "Die Welt".

Aus Sicht von IT-Experten aus Wissenschaft und Industrie zeigt der Fall jedoch nicht nur Lücken in der Datensicherheit der Ministerien auf, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf schwere systematische Mängel beim Datenschutz in der deutschen Gesundheitsbranche.

"Einige große externe Dienstleister arbeiten quer durch die Gesundheitsbranche, von der Apotheke über die Arztpraxen bis zur Betreuung von Großkliniken. Die Risiken, dass diese Daten verknüpft und unrechtmäßig weiterverwendet werden, sind sehr groß", sagte Thomas Jäschke vom Dortmunder Institut für Sicherheit und Datenschutz im Gesundheitswesen der "Welt".

Auch Jean-Pierre Seifert vom Fachbereich für Informatik an der TU Berlin hält die im Gesundheitswesen viel geübte Praxis, die Datenverarbeitung durch externe Dienstleister erledigen zu lassen, für eine Ursache des mangelhaften Patientendatenschutzes.

mik/AFP/dapd
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