Neues Steinkohlekraftwerk Umweltschützer organisieren massiven Widerstand gegen Datteln 4

Das Kohlekraftwerk Datteln 4 in NRW droht zum neuen Brennpunkt des Klimakonflikts zu werden. Aktivisten machen Druck auf die finnischen Eigentümer und kündigen Protest wie im Hambacher Forst an.
Kohlekraftwerk Datteln 4

Kohlekraftwerk Datteln 4

Foto: Caroline Seidel/ DPA

Klimaaktivisten und Umweltschützer rüsten zum Angriff auf das umstrittene Kohlekraftwerk Datteln 4. Der 178 Meter hohe Kühlturm im Herzen des Ruhrgebiets könnte zum neuen Symbol für den Widerstand gegen die Kohleverstromung in Deutschland werden.

Schon Anfang kommender Woche will eine Delegation des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Organisation urgewald  nach Finnland reisen. Dort wollen die Aktivisten zwei Tage lang Gespräche mit finnischen Regierungsvertretern führen. Das Ziel: Den Finnen soll klargemacht werden, dass die geplante Inbetriebnahme des Pannenkraftwerks in Datteln nicht nur wirtschaftliche Risiken birgt, sondern auch der Reputation der finnischen Regierung erheblich schaden könnte.

Das bereits im Jahr 2007 errichtete Kraftwerk gehört nämlich dem ehemaligen E.on-Ableger Uniper, an dem der finnische Staatskonzern Fortum bereits im vergangenen Jahr die Mehrheit übernommen hat. Dass ausgerechnet Finnland in Deutschland ein neues Kohlekraftwerk an den Start bringt, sei kaum nachvollziehbar, sagt Dirk Jansen vom BUND in Düsseldorf. Immerhin habe das Land für sich selbst einen Kohleausstieg bis zum Jahr 2029 beschlossen und sich verpflichtet, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen.

Umweltschützer sehen große Gefahren

Die Umweltschützer glauben, dass den Finnen die Datteln-Problematik bei der Übernahme von Uniper durch Fortum möglicherweise nicht klar gewesen sein könnte. Deshalb wollen sie die finnische Regierung in ihren Gesprächen auf den Widerspruch zu ihrer eigenen Politik und auf die möglichen Gefahren einer Inbetriebnahme hinweisen.

Aus Sicht der Aktivisten sind diese Risiken erheblich. So wollen der BUND und andere Umweltschutzverbände nicht nur juristisch gegen ein mögliches Anfahren des Meilers vorgehen. Eine Inbetriebnahme des mehrere Milliarden Euro teuren Kraftwerks würde aus ihrer Sicht eine massive Protestwelle nach sich ziehen. "Datteln könnte zum zweiten Hambacher Forst werden", heißt es im Umfeld der Aktivisten. Dort hatten sich Umweltgruppen über Monate verschanzt und regelrechte Schlachten mit dem Betreiber RWE und der Polizei geliefert, um die wegen des Kohleabbaus geplante Rodung des Walds zu stoppen.

Die Inbetriebnahme von Datteln war nach fünfjähriger Bauphase ursprünglich für das Jahr 2011 geplant gewesen. Durch Planungsfehler, juristische Einsprüche und Materialschwierigkeiten in den Kesseln verzögerte sich die Inbetriebnahme der damals als "modernsten Kohlekraftwerk Europas" gepriesenen Anlage bis jetzt.

Ein entschädigungsloser Verzicht auf das Kraftwerk kommt für Uniper trotz Kohleausstiegsvereinbarung nicht in Betracht. Das liegt vor allem daran, dass Uniper damals schon sehr langfristige Stromlieferverträge mit der Bahn und RWE abgeschlossen hat, die heute noch gültig sind und das Kraftwerk auf Jahre hinweg auslasten würden.

Die Bundesregierung weigert sich jedoch bislang, die offenbar geforderten 1,5 Milliarden Euro zu zahlen. Auch weil sie damit indirekt die beiden Unternehmen RWE und Bahn entlasten würde.