Weltwirtschaftsforum Chinas Präsident gibt den Anti-Trump

"Protektionismus ist, als ob man sich in einen dunklen Raum einschließt": Ausgerechnet Chinas Präsident geriert sich auf dem Weltwirtschaftsforum als Globalisierungsfreund. Dabei ist das Land bekannt für seine Markthürden.

Chinas Präsident Xi Jinping
AFP

Chinas Präsident Xi Jinping


Sein Auftritt war mit Spannung erwartet worden - und geriet dann auch zur großen Show. Im doppelten Wortsinn.

Wenige Tage vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump hat der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine Grundsatzrede gehalten. Er gerierte sich in dieser als großer Freund der Globalisierung, als Anti-Trump - und geizte nicht mit philosophischen Überhöhungen.

"Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft", sagte Xi. Alle Länder seien voneinander abhängig. "Wir müssen Nein sagen zum Protektionismus." Protektionismus sei, "als ob man sich in einen dunklen Raum einschließt", sagte Xi. Man sei dann geschützt vor Wind und Regen, aber eben auch isoliert von Luft noch Licht."

China, betonte Xi, wolle globalen Handel ermöglichen. "Wir stehen für offene und transparente Freihandelsabkommen", sagte Xi. "Die dringendste Aufgabe ist es, die Weltwirtschaft aus schwierigem Fahrwasser herauszuführen."

Die Weltwirtschaft als Ozean

Vorwürfe von Globalisierungskritikern wies Xi zurück. Die Weltwirtschaft mit ihren vielen Warenströmen sei wie ein großer Ozean, sagte er. "Jeder Versuch, Ströme abzubrechen oder zu blockieren und sie vom Ozean abzuschneiden und in kleine Bäche oder Seen zurückzuführen, wird nicht funktionieren."

Den künftigen US-Präsidenten Trump nannte Xi kein einziges Mal namentlich. Dennoch war überdeutlich, dass er mit seinen Meeresallegorien auch Donald Trump meinte. Trump hatte wiederholt angekündigt, globale Handelsabkommen aufzukündigen und die US-Wirtschaft auch mithilfe hoher Schutzzölle abzuschotten.

Auch die Kritik an Chinas eigenem Protektionismus erwähnte Xi mit keinem Wort. Ausländische Unternehmen müssen in China oft sehr hohe Marktbarrieren überwinden. Ende Oktober hatte der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unter anderem die Unterdrückung deutscher Autokonzerne in China gerüffelt.

Immerhin nahm Xi indirekt auf solche Kritik Bezug. So kündigte er an, den Marktzugang für ausländische Unternehmen zu vereinfachen und Rechtssicherheit zu verbessern. Bis wann er welche Lockerung konkret umsetzen will, sagte er aber nicht.

ssu

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insgesamt 25 Beiträge
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mironicus 17.01.2017
1. Ich wette...
... in einem halben Jahr sind Russland und China unsere engsten Verbündeten und die USA sind der neue große Feind der EU.
frank57 17.01.2017
2. Wenn auf diesem Forum
die heutige kapitalistische, globalisierungsfreundliche Wirtschaftsform gelobt wird, sind wir auf dem falschen Weg!
peteftw 17.01.2017
3. Komisch
Ich habe jetzt Berichte in mehreren deutschen und ausländischen Medien zu dieser Rede gelesen. Der Tenor ist eindeutig positiv. Es ist doch erfreulich, dass sich China in diese Richtung positioniert. Wer die Rede verfolgt hat, hat auch deutliche Selbstkritik gehört. Warum muss SPON jetzt wieder den Miesepeter in Form von "ausgerechnet China" spielen. Klar muss er seinen Worten jetzt auch Taten folgen lassen, aber es geht in der derzeitigen Situation auch mal um Signale. Und da hat Xi Jinping m.E. ein sehr positives und deutliches gesetzt.
Elrond 17.01.2017
4. Ich freue mich außerordentlich
über diese Rede, gibt sie doch viel Raum für Hoffnung. Trump muss weg, und zwar schnell. Man kann nur hoffen, dass er sich alsbald sein eigenes politisches Grab schaufelt, sei es dass die Verflechtungen zwischen Politik und seinen Unternehmen doch viel zu groß sind (Clintons Stiftung ist dagegen ein Kindergeburtstag), sei es dass ihn rassistische Äußerungen oder Aktionen zu Fall bringen oder aber er schlicht und ergreifend körperlich und geistig dem Ganzen nicht gewachsen ist.
dieter-klaus.delacroix 17.01.2017
5.
Alle Länder mit einem Handelsbilanzüberschuss sind für offene Grenzen. Länder mit einem Handelsbilanzdefizit eher weniger.
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