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07. Januar 2015, 19:26 Uhr

Deflation in der Eurozone

Wen die fallenden Preise treffen

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Erstmals seit gut fünf Jahren fallen in der Eurozone die Preise. Was Verbraucher freut, setzt viele andere unter Druck - vom Kleinsparer bis zum Zentralbankchef. Ein Überblick.

Berlin - Waren und Dienstleistungen in der Eurozone sind im Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent billiger geworden. Das klingt erst einmal nach einer guten Nachricht. Doch als es im Herbst 2009 zuletzt zu einer solchen Deflation in der Währungsunion kam, lag das an der tiefsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Und auch diesmal bieten die fallenden Preise wenig Anlass zum Jubeln.

Freuen können sich vor allem Autofahrer und Hausbesitzer. Für ihre Tankfüllungen und Heizöllieferungen zahlen sie derzeit deutlich weniger, da die Ölpreise auf steiler Talfahrt sind. Dieser Verfall kann auch durch den schwachen Eurokurs nicht ausgeglichen werden, der eher zu steigenden Preisen für importierte Produkte führt. Die Energiepreise sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um stolze 6,3 Prozent.

Jenseits der Zapfsäulen ist denn auch von fallenden Preisen wenig zu spüren: Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak sowie für Industriegüter blieben unverändert. Dienstleistungen verteuerten sich sogar um 1,2 Prozent. Rechnet man die Energiekosten heraus, so stiegen die Preise insgesamt um 0,6 Prozent.

Sorgen muss der Preisverfall die Europäische Zentralbank (EZB), deren Rat sich am Mittwoch zur ersten Sitzung des neuen Jahres trifft. Die Zentralbanker gehen erst bei einer Inflation von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen aus. Die neuen Zahlen zeigen, dass sie dieses Ziel derzeit deutlich verfehlen. Dabei bemüht sich EZB-Chef Mario Draghi seit Langem, mit Niedrigzinsen die europäische Wirtschaft und damit auch die Inflation anzukurbeln. Als eines der letzten Mittel könnte Draghi nun in Kürze den großangelegten Kauf von Staatsanleihen verkünden.

Diese absehbare EZB-Reaktion birgt wiederum schlechte Nachrichten für Kleinsparer. Denn im Kampf gegen fallende Preise dürften die Zinsen noch lange nahe dem Nullpunkt verharren. Klassische Geldanlagen wie das Sparbuch werfen kaum noch Gewinn ab, zum Teil verlangen Banken sogar schon Strafzinsen auf Guthaben.

Gemischt fällt dagegen die Botschaft für Unternehmer aus. Zwar zeigt das Abrutschen in die Deflation, dass die Konjunktur gerade in Südeuropa weiterhin sehr schwach ist. Doch die fallenden Ölpreise könnten helfen, die lahmende Wirtschaft anzukurbeln: Verbraucher haben dadurch mehr Geld in der Tasche, das sie in die Läden tragen können. Unternehmen sparen ebenfalls viel Geld, da Energie meist einen großen Teil ihrer Produktionskosten ausmacht.

Gefährlich würde es jedoch, wenn die Preise dauerhaft und nicht nur auf dem Ölmarkt fallen würden. Dann hätten Unternehmen weniger Einnahmen, müssten Löhne kürzen oder gar Mitarbeiter entlassen. Die dadurch verunsicherten Bürger würden weniger Geld ausgeben und dadurch die Lage der Firmen verschärfen - es käme zu einer Deflationsspirale.

Doch von solchen Zuständen ist Europa noch weit entfernt. "Es gibt keinerlei Anzeichen, dass Konsumenten den Kauf von Fernsehern oder Autos aufschieben, weil es für sie günstiger geworden ist zu tanken", sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg-Bank. Im Gegenteil: Während im Dezember die Preise fielen, stieg das sogenannte Verbrauchervertrauen in der EU - also die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage und die damit verbundene Bereitschaft zu größeren Anschaffungen.

Es gibt noch eine Gruppe von Europäern, für die die fallenden Preise grundsätzlich schlechte Nachrichten bedeuten: die Finanzminister. Sie können nun nicht darauf zählen, dass die von ihnen verwalteten Staatsschulden aufgrund der Teuerung leichter zu bezahlen sind, also quasi "weginflationiert" werden. Allerdings seien Kosten für Kredite zuletzt mindestens so stark gefallen wie die Preise, sagt Berenberg-Ökonom Schmieding - "außer für den griechischen Staat". Aus Sorge vor einem möglichen Ausscheiden aus der Eurozone oder einem neuen Schuldenschnitt nach der Wahl verlangen Investoren von Griechenland nämlich derzeit wieder deutlich höhere Zinsen.

Die Deflationszahlen dürften auch die Debatte über die Auflagen für europäische Krisenländer neu entfachen. Gegner eines zu strikten Sparkurses warnen schon lange, dieser könne Europa erneut in eine lange Wirtschaftskrise führen. Angesichts der neuen Zahlen zum Preisrückgang fordert der britische Ökonom Ben Knight von der Warwick Business School nun, EU-Politiker müssten "die Sparauflagen lockern, wenn sie eine Rückkehr der 1930er-Jahre verhindern wollen".

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