Demonstrativer Fleiß Arbeitnehmer verschenken jährlich drei Urlaubstage

Freie Tage opfern, um hohe Motivation zu demonstrieren - dieses Kalkül könnte dafür verantwortlich sein, dass viele Deutsche laut einer aktuellen Studie einen Teil ihres Urlaubs nicht in Anspruch nehmen. Laut Statistik wirkt sich der Verzicht oft positiv auf das Einkommen aus.

Urlauber auf Mallorca: Deutsche verzichten im Durchschnitt auf drei freie Tage im Jahr
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Urlauber auf Mallorca: Deutsche verzichten im Durchschnitt auf drei freie Tage im Jahr


Berlin - In kaum einem Land steht Arbeitnehmern auf dem Papier so viel Urlaub zu wie in Deutschland - viele abhängig Beschäftigte lassen aber einen Teil davon ungenutzt. Im Durchschnitt verschenken Arbeitnehmer in Deutschland laut einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) drei Tage ihres Urlaubs im Jahr. Vor allem Jüngere nehmen ihren Urlaub demnach nicht voll in Anspruch.

Ein Grund dafür könnte dem DIW-Studienleiter Daniel Schnitzlein zufolge die Hoffnung auf einen Karrieresprung sein: "Vielleicht soll der Urlaubsverzicht dem Vorgesetzten demonstrieren, wie hoch die eigene Arbeitsmotivation ist." Die fehlenden freien Tage würden dann als eine Art Investition in die eigene berufliche Laufbahn gewertet. Die Differenz des tatsächlich genommenen Urlaubs zum Anspruch sei bei der Altersgruppe der bis 24-Jährigen am größten. Arbeitnehmer im Alter von 55 Jahre oder mehr hätten hingegen den wenigsten Resturlaub.

Arbeitnehmer, die auf Urlaub verzichten, können den Erfolg der Statistik zufolge auf ihrem Gehaltszettel ablesen. Demnach erhielten sie im Folgejahr einen um durchschnittlich 0,39 Euro höheren Stundenlohn als diejenigen, die ihren Urlaub ausgeschöpft hatten. Allerdings hat der Karriereschub auf Kosten des Urlaubs auch seinen Preis. "Wer seinen Urlaub nicht voll ausgeschöpft hat, war im Folgejahr unzufriedener mit seiner Gesundheit und in seiner Freizeit", sagt Schnitzlein.

Wie viele Urlaubstage tatsächlich verfallen, geht aus der Untersuchung auf Grundlage des Sozio-oekonomischen Panels allerdings nicht hervor. Viele Unternehmen erlauben ihren Beschäftigten, den Resturlaub noch im neuen Jahr zu nehmen. Da aber auch in Vorjahren durchschnittlich bis zu 3,5 Resturlaubstage anfielen, geht Schnitzlein davon aus, dass die Beschäftigten zumindest einen Teil davon dem Arbeitgeber schenken.

fdi/dpa



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