Erster Zahlungsausfall in der Geschichte des Landes Der Libanon steht vor dem Staatsbankrott

Hohe Schulden und eine fortwährende Wirtschaftskrise machen dem Libanon seit Langem zu schaffen. Nun kann das Land seine Schulden nicht mehr bedienen.
Protestierende zerstören Mitte Januar die Fenster einer Bank in Beirut

Protestierende zerstören Mitte Januar die Fenster einer Bank in Beirut

Foto: Hussein Malla/ AP

Der Libanon steht vor dem ersten Zahlungsausfall seiner Geschichte. Die Führung des hoch verschuldeten Landes verständigte sich darauf, dass der Staat am Montag fällige Anleihen nicht zurückzahlen werde. Die Ankündigung folgte auf ein Treffen, an dem der Präsident, der Premierminister, der Parlamentspräsident, der Gouverneur der Zentralbank und der Leiter des Bankenverbandes teilnahmen. Die Mehrheit der Abgeordneten und die Bevölkerung fordern eine Umschuldung und wirtschaftliche Reformen.

Der Libanon leidet seit Längerem unter einem riesigen Schuldenberg. Nach Angaben der Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) zählt die Schuldenlast mit rund 170 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu den höchsten der Welt. Zinsen fressen rund 40 Prozent des Staatshaushalts. Am 9. März wäre die Rückzahlung einer Euromarkt-Anleihe in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar fällig, die der Libanon jedoch nicht bedienen will. Die Staatsführung will stattdessen über eine Umstrukturierung der fälligen Schulden verhandeln.

Seit Oktober vergangenen Jahres befindet sich das Land in einer fortwährenden Wirtschaftskrise. Die Landeswährung, das libanesische Pfund, verlor seitdem rund 40 Prozent ihres Werts, Banken verweigern Sparern den vollen Zugang zu ihren Einlagen. So konnten Libanesen pro Woche lediglich den Gegenwert weniger Hundert Dollar abheben. Die Kreditwürdigkeit des Landes wurde von den Ratingagenturen bereits mehrfach herabgestuft.

rai/afp