Neuer IG-Metall-Chef Wetzel Gewerkschaftsboss will E-Mails nach Feierabend eindämmen

Eine dringende Nachfrage um 20 Uhr, ein Arbeitsauftrag kurz vor Mitternacht - geht es nach dem neuen Chef der Gewerkschaft IG Metall, soll damit bald Schluss sein: Detlef Wetzel will den beruflichen E-Mail- und SMS-Verkehr nach Feierabend unterbinden. Und zwar per Gesetz.
Neuer Gewerkschaftsboss Wetzel: Ständige Erreichbarkeit ist "unzumutbar"

Neuer Gewerkschaftsboss Wetzel: Ständige Erreichbarkeit ist "unzumutbar"

Foto: Thomas Lohnes/ Getty Images

Berlin - Der neue IG-Metall-Chef Detlef Wetzel fordert gesetzliche Regelungen, die SMS- und Mail-Verkehr nach Feierabend und an Wochenenden unterbinden. "Die Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass Arbeitnehmer rund um die Uhr erreichbar sind", sagte Wetzel der "Bild"-Zeitung. "Die neue Koalition muss hier strenge Regeln gegen Stress im Job und zu Hause vereinbaren." Es sei "unzumutbar", dass immer mehr Beschäftigte nach Feierabend und an Wochenenden E-Mails oder SMS von Vorgesetzten bekommen.

Wetzel setzt mit der Forderung ein Zeichen für seinen künftigen Kurs. Er war am vergangenen Montag zum neuen Chef der mächtigen Industriegewerkschaft gewählt worden. Durch die mögliche Regierungsbeteiligung der SPD erhofft sich die IG Metall größeren Einfluss auf die Politik. Gegen den zunehmenden Stress in der Arbeitswelt macht die IG Metall schon länger Front.

Wetzel betonte, die neue Führung der IG Metall werde "auch in Zukunft keiner Auseinandersetzung aus dem Weg gehen, wenn es darum geht, die Interessen der Beschäftigten durchzusetzen".

Um das zu unterstreichen stellte der Gewerkschaftsboss gleich mal eine hohe Lohnforderung für die Tarifrunde 2015 in Aussicht. "Läuft die Konjunktur gut, sind deutliche Lohnerhöhungen zwangsläufig. Da sind die Arbeitgeber mehr denn je in der Pflicht." Auf eine Höhe wollte sich Wetzel noch nicht festlegen. Dafür müsse die genau Wirtschaftsentwicklung 2014 abgewartet werden.

Mit der Forderung nach einem Verbot des beruflichen E-Mail-Verkehrs nach Feierabend greift Wetzel das Unbehagen vieler Arbeitnehmer auf, die die ständige Erreichbarkeit als Belastung empfinden. Einige Unternehmen haben bereits darauf reagiert. So hat beim Autobauer VW der Betriebsrat eine Vereinbarung durchgesetzt, wonach die E-Mail Funktion für Blackberry-Geräte 30 Minuten nach Feierabend abgeschaltet wird.

Auch die bisherige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte sich prinzipiell gegen E-Mails nach Dienstschluss ausgesprochen, eine gesetzliche Regelung aber gescheut. Dafür gilt in ihrem Ministerium seit 2012 ein Kodex, wonach Führungskräfte ihre Mitarbeiter nur noch "in begründeten Ausnahmefällen" in ihrer Freizeit durch E-Mails oder Anrufe stören dürfen.Zugleich soll keiner benachteiligt werden, der außerhalb seiner Arbeitszeit etwa sein Handy "abschaltet oder Nachrichten nicht abruft".

stk/dpa/AFP