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13. Oktober 2019, 10:51 Uhr

Klimaschutzstrategie

Bahn sucht Windräder

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Die Deutsche Bahn will sich ein grüneres Image verpassen. Strom aus Kohlekraftwerken will sie durch Ökostrom ersetzen - und startet dafür nach SPIEGEL-Informationen ein großes Bieterverfahren.

Auf einigen ihrer Züge hat die Bahn sich symbolisch bereits der neuen Zeit angepasst: Grüne statt roter Streifen zieren eine Reihe von ICE-Lokomotiven. Mit der Botschaft geht eine Neupositionierung des Konzerns einher: als Klimaschutzpartner des Staates.

Der Eigentümer will das so, also die Bundesregierung. Als vergangenen Monat das Klimaschutzpaket vom Kabinett beschlossen wurde, fand sich darin auch ein Kapitel zur Bahn. Nicht nur die Mehrwertsteuer auf Fernreisen solle sinken, heißt es darin. Auch zehn Milliarden Euro frisches Eigenkapital wolle der Bund seinem Schienenunternehmen bis 2030 zukommen lassen.

Es werde "die größte Investition in die Bahn seit der Gründung", sagte Bahn-Chef Richard Lutz dazu.

Dafür revanchiert sich die Bahn nun. Demonstrativ startet sie ein Bieterverfahren für Ökostrom, den sie in den kommenden Jahren beziehen will. Bis zum 18. November können Energiekonzerne Elektrizität aus erneuerbaren Quellen anbieten.

Insgesamt beläuft sich die Ausschreibung nach SPIEGEL-Informationen auf 500 Gigawattstunden. Die Vereinbarung mit den Produzenten soll über acht Jahre laufen. Die Bahn will ihren Anteil an erneuerbaren Energien bis 2020 so auf 61 Prozent steigern.

"Ab 2038 ist die Bahn mit 100 Prozent Ökostrom unterwegs"

Naturgemäß ist der Stromhunger der Bahn groß: 10.000 Gigawattstunden verbrauchen Züge, Gleistechnik und Bahnhöfe jedes Jahr. Das entspricht dem Stromverbrauch einer Großstadt wie Hamburg.

Bislang stammen 57 Prozent der Elektrizität aus Grünstrom. Behauptet die Bahn zumindest. Möglich wird das allerdings auch durch den Kauf von Ökostromzertifikaten, also durch Ökostrom auf dem Papier. Daneben betreibt die Bahn auch Kohlekraftwerke und bezieht Strom aus Nuklearanlagen.

"Ab 2038 ist die Bahn mit 100 Prozent Ökostrom unterwegs", sagt Torsten Schein, Vorsitzender der Geschäftsführung DB Energie. "Auslaufende Kraftwerksverträge ersetzen wir konsequent durch erneuerbare Energien."

Anfang September hatte die Bahn bereits mit dem Essener Energiekonzern Innogy eine Kooperation bei der Erzeugung von Windkraft auf hoher See geschlossen.

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