Klimaschutzstrategie Bahn sucht Windräder

Die Deutsche Bahn will sich ein grüneres Image verpassen. Strom aus Kohlekraftwerken will sie durch Ökostrom ersetzen - und startet dafür nach SPIEGEL-Informationen ein großes Bieterverfahren.

ICE mit grünem Streifen
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

ICE mit grünem Streifen

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Auf einigen ihrer Züge hat die Bahn sich symbolisch bereits der neuen Zeit angepasst: Grüne statt roter Streifen zieren eine Reihe von ICE-Lokomotiven. Mit der Botschaft geht eine Neupositionierung des Konzerns einher: als Klimaschutzpartner des Staates.

Der Eigentümer will das so, also die Bundesregierung. Als vergangenen Monat das Klimaschutzpaket vom Kabinett beschlossen wurde, fand sich darin auch ein Kapitel zur Bahn. Nicht nur die Mehrwertsteuer auf Fernreisen solle sinken, heißt es darin. Auch zehn Milliarden Euro frisches Eigenkapital wolle der Bund seinem Schienenunternehmen bis 2030 zukommen lassen.

Es werde "die größte Investition in die Bahn seit der Gründung", sagte Bahn-Chef Richard Lutz dazu.

Dafür revanchiert sich die Bahn nun. Demonstrativ startet sie ein Bieterverfahren für Ökostrom, den sie in den kommenden Jahren beziehen will. Bis zum 18. November können Energiekonzerne Elektrizität aus erneuerbaren Quellen anbieten.

Insgesamt beläuft sich die Ausschreibung nach SPIEGEL-Informationen auf 500 Gigawattstunden. Die Vereinbarung mit den Produzenten soll über acht Jahre laufen. Die Bahn will ihren Anteil an erneuerbaren Energien bis 2020 so auf 61 Prozent steigern.

"Ab 2038 ist die Bahn mit 100 Prozent Ökostrom unterwegs"

Naturgemäß ist der Stromhunger der Bahn groß: 10.000 Gigawattstunden verbrauchen Züge, Gleistechnik und Bahnhöfe jedes Jahr. Das entspricht dem Stromverbrauch einer Großstadt wie Hamburg.

Bislang stammen 57 Prozent der Elektrizität aus Grünstrom. Behauptet die Bahn zumindest. Möglich wird das allerdings auch durch den Kauf von Ökostromzertifikaten, also durch Ökostrom auf dem Papier. Daneben betreibt die Bahn auch Kohlekraftwerke und bezieht Strom aus Nuklearanlagen.

"Ab 2038 ist die Bahn mit 100 Prozent Ökostrom unterwegs", sagt Torsten Schein, Vorsitzender der Geschäftsführung DB Energie. "Auslaufende Kraftwerksverträge ersetzen wir konsequent durch erneuerbare Energien."

Anfang September hatte die Bahn bereits mit dem Essener Energiekonzern Innogy eine Kooperation bei der Erzeugung von Windkraft auf hoher See geschlossen.



insgesamt 74 Beiträge
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tomxxx 13.10.2019
1. Wieso eigentlich? Der Trick mit
100% Ökostrom hat doch funktioniert. Man kauft tagsüber Wasserkraft aus Norwegen ein, die Bahn steht super da. In der Nacht kauft Norwegen Kohlestrom von uns und pumpt das Wasser wieder hoch... und am nächsten Tag gibts wieder Ökostrom....
gluonball 13.10.2019
2. Außer Spesen nichts gewesen
Das Geld landet dann doch nur wieder bei den "Beratern" die ja "Existenzängste" haben. Witzig solche "Maßnahmen" sind immer gefällig weil sie sehr einfach sind. Die Zuverlässigkeit zu erhöhen das will keiner weil es zu anstrengend ist. Und den Tarifdschungel Mal lichten das will auch niemand. So lange das Ticket 350€ innerhalb Deutschlands kostet und das Fliegen 150€ wird da nicht viel passieren. Das war bei der letzten Geschäftsreise mit zwei Wochen Vorlauf der Fall. Wie soll man da die Bahn genehmigt bekommen selbst wenn man darauf besteht? Nämlich gar nicht. Sie wollen, dass wir 200€ Euro mehr bezahlen und sie dann 4h länger unterwegs sind?
dagmar1308 13.10.2019
3. Auf dem Stadt- und Bahngebiet
in Bielefeld (elfgrößte Stadt Deutschlands nach Fläche übrigens) lassen sich sicherlich ein paar Windräder durch die DB aufstellen. Da kommt man auch nicht mit den Abstandsregeln zu Wohngebieten in Konflikt, da die Züge sowieso Tag und Nacht Lärm verursachen. Und die Städter können sich auch ein wenig an die neuen Bauwerke gewöhnen.
flitzpiepe0815 13.10.2019
4. Man könnte vielleicht noch darauf hinweisen...
...dass die Bahn verspricht, die Fahrten, die über eine Bahn-Card laufen, schon heute zu 100% mit Ökostrom abgedeckt werden.
fredotorpedo 13.10.2019
5. Erfreulich, noch besser wäre,
wenn Bund und Bahn die Stromtrassen für Windstrom aus der Nordsee auch gleich längs der großen Stromtrasse von Nord nach Süd verlegen würde. Da könnte auf kurzem Weg gleich in das Bahnnetz eingespeist werden. Gleiches gilt natürlich für die großen Autobahnen, zB die A7. Ich fände es informativ, wenn SPON mal aufzuklären versuchte, weshalb sowas bisher in in der Diskussion stand, zumindest öffentlich.
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