Spekulation mit Lebensmitteln Abgeordnete nehmen Deutsche-Bank-Chef in die Mangel

"Sehr schwacher Auftritt", "zynische Argumentation", "vorsintflutliches Moralverständnis": Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen musste bei einem Auftritt im Bundestag viel Kritik einstecken. Die Abgeordneten zeigten sich empört über die Geschäfte des Geldkonzerns mit Nahrungsmittelspekulation.
Deutsche-Bank-Chef Fitschen: Abgeordnete kritisieren Agrarspekulation

Deutsche-Bank-Chef Fitschen: Abgeordnete kritisieren Agrarspekulation

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Berlin - Jürgen Fitschen muss gewusst haben, dass es kein einfacher Termin wird. Immerhin steht sein Arbeitgeber, die Deutsche Bank, seit Monaten wegen der Geschäfte mit Nahrungsmitteln in der Kritik. Dennoch - die Vehemenz der Vorwürfe dürfte den Vorstandschef bei seinem Auftritt vor dem Entwicklungsausschuss des Deutschen Bundestags überrrascht haben: "Ein ganz schwacher Auftritt", sagte etwa der Grünen-Abgeordnete Thilo Hoppe. Fitschen habe "oberflächlich argumentiert" und sei nicht wirklich auf die Kritik eingegangen.

Das größte deutsche Geldhaus sorgt schon länger für Unmut bei den Mitgliedern des Entwicklungsausschusses. Im Juni 2012 war der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau bei den Abgeordneten zu Gast. Er behauptete, es gebe kaum stichhaltige Belege für einen Zusammenhang zwischen Agrarspekulation und steigenden Preisen. Vor drei Wochen tauchten aber interne Papiere der Rechercheabteilung der Deutschen Bank auf. Demnach sei es "nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Spekulation übermäßige Preisentwicklungen zumindest fördert". Im Prinzip seien die Geschäfte "nicht akzeptabel".

Für den SPD-Abgeordneten Sascha Raabe steht fest: "Folkerts-Landau hat uns angelogen." Deshalb habe der Ausschuss nun Fitschen selbst nach Berlin zitiert. Genutzt habe der Bankchef den Auftritt aber nicht, so Raabe. "Sein Vortrag war eher schlicht, auf Kritik hat er weinerlich reagiert."

Journalisten durften an der Sitzung nicht teilnehmen, der Ausschuss tagte nicht öffentlich. Doch übereinstimmend berichten die Abgeordneten hinterher von fraktionsübergreifender Kritik an Fitschen. Einen entsprechenden Twitter-Beitrag des Grünen Hoppe retweetet später sogar die Ausschussvorsitzende Dagmar Wöhrl von der CSU. In der Sitzung sagte sie selbst nichts, was aber eher den protokollarischen Regeln geschuldet war als ihrer Haltung.

Ihr Fraktionskollege Helmut Heiderich forderte die Deutsche Bank auf, die Geschäfte mit Agrarrohstoffen zu beenden. "Lebensmittel sind kein Spekulationsobjekt", sagte der CDU-Mann laut Teilnehmern. Beim Vortrag von Fitschens Gegenspieler, dem Foodwatch-Chef Thilo Bode, sollen sogar die FDP-Abgeordneten Beifall gespendet haben.

"Deutsche Bank muss Studien veröffentlichen"

Harte Worte fand nach der Sitzung vor allem der SPD-Abgeordnete Sascha Raabe: Fitschen habe argumentiert, die Deutsche Bank spekuliere ja gar nicht selbst mit Agrarrohstoffen, sondern biete nur Indexfonds an. Im Klartext: Der Anleger sei schuld, der diese Finanzprodukte kaufe. Für Raabe eine "zynische Argumentation und ein vorsintflutliches Moralverständnis".

Das habe er Fitschen auch so gesagt, worauf dieser entgegnet habe, er finde es unmöglich, dass Raabe hier die Moral ins Spiel bringe. Man müsse doch bitte sachlich argumentieren. Nun wurde Raabe nach eigenen Angaben richtig sauer: "Wenn man eine Diskussion über den Hunger in der Welt nicht moralisch führen darf, bei welchem Thema darf man es denn dann?"

Insgesamt habe Fitschen "ein desaströses Bild abgegeben". Allen konkreten Nachfragen etwa nach den internen Studien sei er ausgewichen, so Raabe. Sein Kollege von den Grünen, Hoppe, sieht die Deutsche Bank nun in der Bringschuld: "Das Geldinstitut muss seine kompletten Untersuchungen zum Thema Agrarspekulation veröffentlichen." Angesichts des Risikos, den Hunger in der Welt zu verschärfen, sei es nicht an den Gegnern, Beweise für ihre Kritik zu bringen. Stattdessen müsse die Deutsche Bank beweisen, dass die Spekulation ungefährlich sei.