Deutsche-Bank-Prozess Verbaler Schlagabtausch vor Gericht

Im Strafprozess gegen fünf Banker der Deutschen Bank geht es noch einmal hoch her. Kurz vor den Plädoyers liefern sich Staatsanwaltschaft und Anwälte wütende Wortegefechte.
Banker Fitschen mit Anwalt Feigen

Banker Fitschen mit Anwalt Feigen

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Der Anwalt des ehemaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer hat der Chef-Anklägerin im Prozess um angebliche Falschaussagen im Fall Kirch heftige Vorwürfe gemacht. Anklägerin Christiane Serini habe das Verfahren absichtlich mit immer neuen Beweisanträgen zu stören versucht, sagte Norbert Scharf am Dienstag in München. Sie habe Breuer mit blindem Eifer zu verfolgen versucht, weil sie in einem früheren Verfahren gegen ihn "keinen Stich gemacht habe".

Hanns Feigen, Anwalt des Co-Chefs der Deutschen Bank Jürgen Fitschen, sprach von einer Verzögerungstaktik, mit der die Staatsanwaltschaft sich auf eine Niederlage vorbereite. "Seit Monaten ist die Staatsanwaltschaft darum bemüht, Revisionsgründe zu sammeln - weil sie weiß wie dieses Verfahren enden wird, nämlich mit einem Freispruch, und zwar für alle fünf Herren."

Auslöser des Streits war ein Antrag der Staatsanwaltschaft, mit dem sie eine erneute Dursuchung der Deutschen Bank erreichen wollte, um Rechtsgutachten zu einem kürzlich geschlossenen Vergleich mit Breuer sicherzustellen. Das Gericht unterbrach den Prozess nach der Diskussion für mehrere Stunden. Ob am Nachmittag noch mit den Plädoyers begonnen wird, war unklar.

Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere ehemalige Top-Banker der Deutschen Bank sind wegen versuchten Prozessbetrugs angeklagt. Sie sollen im Jahr 2011 vor Gericht geschummelt haben, um die Deutsche Bank vor Schadenersatzzahlungen für die Kirch-Pleite bewahren. Die Angeklagten weisen dies zurück.

Der Münchner Staatsanwaltschaft steht in dem Strafprozess eine Niederlage bevor. Die bisherige Beweisaufnahme habe ergeben, dass die Vorwürfe der Anklage nicht zuträfen, sagte der Vorsitzende Richter Peter Noll. Einen Antrag der Anklagebehörde auf eine erneute Durchsuchung der Deutschen Bank wies er ab. "Der Antrag lässt jede Auseinandersetzung mit der Beweisaufnahme vermissen", sagte er und warf der Staatsanwaltschaft "Vermutungen ins Blaue hinein" vor. Auf der Anklagebank sorgten die Ausführungen für erfreute Gesichter.

ssu/dpa
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