Möglicher Euro-Austritt Deutsche Banken haben kaum noch Geld in Griechenland

Ein möglicher Euro-Austritt Griechenlands hat seinen Schrecken für Deutschlands Banken verloren. Zwar sind sie noch mit einigen Milliarden in dem Land engagiert. Das größte Risiko trägt dabei jedoch der deutsche Staat.
Frankfurter Finanzviertel: Griechenland ist zum Randproblem geworden

Frankfurter Finanzviertel: Griechenland ist zum Randproblem geworden

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt am Main - "Grexit" - na und? Für die deutschen Banken ist eine griechische Staatspleite oder ein Austritt des Landes aus der Währungsunion längst kein Horrorszenario mehr. Sie haben den Großteil ihrer griechischen Staatsanleihen abgestoßen und sind nur noch in überschaubarem Maße in dem Land engagiert.

Zwar hatten sie laut Bundesverband deutscher Banken (BdB) Ende September 2014 insgesamt noch 23,5 Milliarden Euro im Feuer. Doch die Zahl sieht größer aus als das Risiko tatsächlich ist. Denn 4,6 Milliarden Euro davon schulden griechische Banken den deutschen Instituten, 3,6 Milliarden entfallen auf Unternehmen und Privatpersonen.

Der größte Teil - 15 Milliarden Euro - sind Forderungen deutscher Banken gegenüber öffentlichen Haushalten in Griechenland. Allerdings werden diese nach Verbandsangaben fast ausschließlich von der staatlichen Förderbank KfW gehalten. Dabei handele es sich um Gelder der Bundesrepublik aus dem ersten Hilfspaket für Griechenland. Diese Zahlungen seien damals über die KfW abgewickelt worden, da es den Europäischen Rettungsschirm EFSF (inzwischen umbenannt in ESM) noch nicht gegeben habe.

Die Deutsche Bank war nach eigenen Angaben in Griechenland zuletzt noch mit knapp 300 Millionen Euro engagiert, die Commerzbank mit knapp 400 Millionen. Nach einer Analystenstudie von JP Morgan sind die hiesigen Geldhäuser damit neben den französischen Banken die größten Gläubiger. Trotzdem gaben die Experten Entwarnung: Bei einem Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone ("Grexit") seien die Folgen für die Finanzinstitute angesichts der geringen Summen begrenzt, schrieb Analyst Kian Abouhossein. "Das Hauptrisiko besteht weiter in der Ansteckungsgefahr für die Peripherie-Staaten."

Griechenland ist wieder in den Fokus gerückt, denn knapp einen Monat vor der vorgezogenen Parlamentswahl führt die reformkritische Syriza-Partei die Umfragen an. Anleger fürchten, dass die Eurokrise im Falle eines Wahlsieges der Syriza wiederaufflammen könnte. Die Partei hat bereits angekündigt, die Vereinbarungen mit den internationalen Geldgebern ändern und den Sparkurs des Euro-Krisenlandes lockern zu wollen. Nach SPIEGEL-Informationen ist die Bundesregierung bereit, Griechenland notfalls auch aus der Eurozone ziehen zu lassen, weil der Schaden als nicht mehr so hoch eingeschätzt wird wie noch vor einigen Jahren.

stk/Reuters