Weltwirtschaft Deutsche Exporteure rechnen mit Umsatzrekord

Die deutschen Unternehmen dürften in diesem Jahr gute Geschäfte machen und so viele Waren ins Ausland ausführen wie noch nie zu vor. Die Stimmung der Konzernchefs ist trotzdem nicht die beste.

Chemieproduktion
DPA

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Die deutschen Exporteure rechnen in diesem Jahr mit einem neuen Umsatzrekord. Die Ausfuhren dürften um bis zu drei Prozent auf die Bestmarke von 1,357 Billionen Euro zulegen, sagte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) am Donnerstag voraus. Allerdings sei die Prognose an einige Vorbedingungen geknüpft, "wie beispielsweise keine weitere Verschärfung des Brexit-Dramas sowie der US-Handelskonflikte mit China und Europa". Auch 2018 hatte es ein Plus in dieser Größenordnung gegeben.

Noch schneller dürften erneut die Importe zulegen: Hier erwartet der Branchenverband wegen der robusten Binnenkonjunktur einen Anstieg um fünf Prozent auf den Rekordwert von 1,144 Billionen Euro. Der im Ausland viel kritisierte deutsche Exportüberschuss würde geringfügig schmelzen.

Trotz der guten Zahlen schlägt die schwächere Weltwirtschaft Deutschlands Exporteuren zunehmend aufs Gemüt. Das Barometer für die Exporterwartungen fiel im März auf 1,4 Punkte von 7,2 Zählern im Vormonat. Das teilte das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner entsprechenden Umfrage unter 2300 Unternehmen mit."Die abkühlende Weltkonjunktur macht der deutschen Exportindustrie zu schaffen", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Besonders in der Autoindustrie sind die Aussichten trüb. "Es werden Exportrückgänge erwartet", fuhr Fuest fort. Ähnliches gelte für die Metallindustrie.

"Keinen Grund für China-Phobie"

Die deutsche Industrie hat derzeit genug Grund zur Sorge. Der Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften USA und China schürt die Furcht vor einem weltweiten Abschwung. Hinzu kommt das Risiko eines harten Brexits, der den Warenverkehr empfindlich stören könnte: Großbritannien ist einer der wichtigsten Abnehmer von Produkten "Made in Germany".

BGA-Präsident Holger Bingmann warnte die Politik davor, sich gegen China abzuschotten: "Wir sollten nicht hysterisch werden, es gibt keinen Grund für die aktuelle China-Phobie. Schließlich ist Deutschland nicht Opfer, sondern einer der größten Profiteure des ökonomischen Aufstiegs Chinas." Die chinesische Übernahme des Roboterbauers Kuka hatte eine Debatte über einen drohenden Technologieabfluss ausgelöst. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte deshalb gleich eine ganze Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen - inklusive eines Investitionsfonds zur Abwehr unerwünschter Übernahmen.

hej/Reuters



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