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27. Oktober 2011, 19:03 Uhr

Deutsche Finanzhilfen

Der Preis der Euro-Rettung

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Griechenland, Portugal, Irland und nun auch noch die Banken: In der Euro-Krise müssen die deutschen Steuerzahler für alle möglichen Risiken einstehen. Bisher hat Deutschland zwar noch kein Geld verloren - doch im schlimmsten Fall stünden Hunderte Milliarden auf dem Spiel.

Hamburg - Noch ist die Euphorie nach dem EU-Gipfel riesengroß. Schon bald aber könnte Ernüchterung eintreten. Denn mit jedem Gipfel seit Beginn der Euro-Krise ist die Rettung der Währungsunion teurer geworden: Erst musste Griechenland gestützt werden, dann Portugal und Irland, und jetzt sind es auch noch Finanzinstitute, für die der deutsche Steuerzahler haften muss. Unvorstellbare Summen haben sich in den vergangenen knapp zwei Jahren angehäuft.

Doch wie viel Geld hat Deutschland für die Euro-Rettung bisher bereitgestellt? Und ist davon schon etwas für immer verloren? Ein Überblick.

Von den 110 Milliarden Euro aus dem ersten Griechenland-Hilfspaket vom Mai 2010 trägt Deutschland 22,4 Milliarden Euro. 13,5 Milliarden davon sind bereits ausgezahlt. Bei dem Geld handelt es sich um Kredite, die verzinst und zurückgezahlt werden müssen. Geht alles glatt, verdient Deutschland also sogar daran.

Für den insgesamt 778 Milliarden Euro umfassenden Rettungsfonds EFSF stellt Deutschland Garantien in Höhe von 211 Milliarden Euro zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine Art Bürgschaft: Der EFSF leiht sich Geld an den Kapitalmärkten, das er an Krisenländer wie Portugal oder Irland weiterverleiht - und Deutschland garantiert zusammen mit anderen Staaten dafür, dass der Fonds das Geld auch zurückzahlen kann.

Fällig werden die 211 Milliarden Euro nur, wenn etwas schiefgeht: wenn also zum Beispiel ein gestütztes Krisenland seine EFSF-Kredite nicht zurückzahlt und der Fonds deshalb in Geldnot gerät. Mit der geplanten Hebelung des Fonds steigt die Gefahr, dass im Notfall nicht nur ein Teil des Geldes weg ist, sondern alles.

Mitte 2013 soll der dauerhafte Euro-Krisenmechanismus ESM den EFSF ersetzen. Er soll mit 80 Milliarden Euro Barkapital und zusätzlich mit 620 Milliarden Euro Garantien ausgestattet werden. Deutschland muss dabei 168 Milliarden Euro Garantien stellen und knapp 22 Milliarden Euro Barkapital, das schrittweise zwischen 2013 und 2017 eingezahlt werden soll. Die Kredite und Garantien, die der EFSF bis dahin vergeben hat, sollen ebenso in den ESM übertragen werden wie die Staatsanleihen, die der Übergangsfonds kauft.

Wenn alles gutgeht, verliert der deutsche Steuerzahler also kein Geld, sondern verdient sogar noch etwas an den Zinsen für die Kredite.

Im schlimmsten Fall allerdings können die Garantien und die Kredite weg sein. Dazu müsste es aber ganz dicke kommen:

Käme es zu einer solchen Welle von Staatspleiten in Europa, wäre dies für Deutschland allerdings noch erheblich teurer. Durch die Kreditausfälle und fällig werdenden Garantien entstünden so hohe Belastungen, dass Deutschlands Top-Rating in Gefahr geriete. Die Kosten für die Aufnahme neuer Kredite würden steigen, weil die Investoren höhere Zinsen verlangen würden.

Auch über die Europäische Zentralbank (EZB) könnten in einem solchen Horrorszenario zusätzliche Kosten auf Deutschland zukommen. Die EZB hat in der Krise bisher Staatsanleihen von Euro-Krisenländern im Volumen von knapp 170 Milliarden Euro am Markt aufgekauft. Fielen diese Anleihen ganz oder teilweise aus, müsste die Zentralbank von ihren Eignern, den Euro-Ländern, möglicherweise rekapitalisiert werden. Und Deutschland müsste dabei den größten Anteil tragen.

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