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Maue Konjunktur Deutsche Industrie denkt verstärkt über Entlassungen nach

Die Lage auf dem deutschen Jobmarkt dürfte sich laut einer Prognose des Münchner Ifo-Instituts im zweiten Halbjahr verschlechtern. Drei Branchen sind besonders betroffen.
Arbeiter im Werk eines Getriebeherstellers (Symbolbild): Angespannter Jobmarkt

Arbeiter im Werk eines Getriebeherstellers (Symbolbild): Angespannter Jobmarkt

Foto: Stefan Puchner / dpa

Die schwächelnde Konjunktur droht in der zweiten Jahreshälfte auf den Arbeitsmarkt durchzuschlagen: Das Beschäftigungsbarometer des Münchner Ifo-Instituts fiel im Juli auf den schlechtesten Wert seit fast zweieinhalb Jahren. Es gab um 1,2 auf 97,1 Punkte nach. So tief war der Stand zuletzt im Februar 2021, als die Coronakrise die Wirtschaft belastete.

»In der Industrie wird verstärkt über Entlassungen nachgedacht, insbesondere in der chemischen Industrie und der Metallbranche«, schreibt das Ifo-Institut. Auch der Handel neige dazu, mit weniger Personal auskommen zu wollen.

Die von steigenden Kreditzinsen und Materialkosten ausgelöste Rezession im Baugewerbe indes habe aktuell noch keine größeren Auswirkungen auf die Zahl der Beschäftigten. »Es gibt bisher nur eine leichte Tendenz, Mitarbeiter zu entlassen«, hieß es.

Während nur manche Branchen Stellen abbauen, werden fast alle Branchen vorsichtiger bei Neueinstellungen. Personal aufstocken wollten nur noch manche Dienstleister, vor allem im Tourismus und in der IT-Branche, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.

Schlechte Konjunkturaussichten

Die deutsche Wirtschaft dürfte ihre Rezession im zurückliegenden zweiten Quartal mit einem Miniwachstum beendet haben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist nach Schätzungen von Ökonomen von April bis Juni im Vergleich zum ersten Vierteljahr um 0,1 Prozent gewachsen. Davor war es zwei Quartale in Folge geschrumpft, was Ökonomen als technische Rezession bezeichnen.

Die Aussichten für die zweite Jahreshälfte sind allerdings nicht besonders gut. Der Internationale Währungsfonds hatte seine Prognose zur wirtschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik zuletzt verschlechtert.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht die Chancen für einen konjunkturellen Aufschwung in den Sommermonaten schwinden. »Gebremst wird die deutsche Konjunktur von der wenig dynamischen Weltwirtschaft, den erschwerten Finanzierungsbedingungen durch die weiter steigenden Zinsen der Europäischen Zentralbank sowie einer nur langsam sinkenden Inflation«, sagte die Co-Leiterin des Bereichs Prognose und Konjunkturpolitik, Geraldine Dany-Knedlik.

Vor allem die deutsche Industrie schwächelt den Forschern zufolge. Trotz nachlassender Lieferprobleme erhole sich die Produktion langsamer als erwartet, auch die Auftragseingänge blieben zuletzt schwach.

Konsumklima verbessert sich leicht

Die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland hat sich indes leicht verbessert. Grund dafür sei vor allem »die Hoffnung auf rückläufige Inflationsraten«, teilte das Marktforschungsunternehmen GfK in Nürnberg mit. Für das Konsumklima im August erwarten die Forschenden einen Wert von minus 24,4 Punkten, das wären 0,8 Punkte mehr als im Juli.

Das Marktforschungsinstitut führt für seine repräsentativen Studien zum Konsumklima monatlich Interviews mit Verbraucherinnen und Verbrauchern zu ihrer Konjunkturerwartung, ihrer Einkommenserwartung und ihrer Anschaffungsneigung.

Die Konjunkturstimmung blieb im Juli laut GfK unverändert, ebenso die Neigung der Verbraucherinnen und Verbraucher zu größeren Anschaffungen. Die Stagnation sei auf eine Verunsicherung der Verbraucher zurückzuführen, sagt GfK-Experte Rolf Bürkl. Hauptgründe seien hohe Lebensmittel- und Energiepreise, der Ukrainekrieg und Sorgen vor steigenden Kosten durch Sanierungsmaßnahmen für Immobilien als Folge des Heizungsgesetzes. Stimmungsaufhellend wirken indes Hoffnungen auf höhere Einkommen, sagt Bürkl.

Für die aktuelle Erhebung wurden vom 6. bis zum 17. Juli rund 2000 Menschen befragt. Das Konsumklima bezieht sich laut GfK auf die gesamten privaten Konsumausgaben – der Einzelhandel etwa macht davon etwa 30 Prozent aus. Der Rest sind Dienstleistungen, Reisen, Miete, Gesundheitsdienstleistungen sowie der Wellnessbereich.

ssu/AFP/Reuters