"Unzureichende Qualität" Prüfer rügen mehr als 60 Krankenhäuser

Neue Daten zur Behandlungsqualität in Krankenhäusern zeigen: Mehr als 60 Kliniken haben etwa bei Geburtshilfe, gynäkologischen Operationen oder Brustkrebseingriffen schlecht abgeschnitten. Die Karte zeigt, welche Häuser betroffen sind.

Patientin in einem deutschen Krankenhaus: Mehr als 60 Kliniken mit teils unzureichender Qualität
Sean Gallup/ Getty Images

Patientin in einem deutschen Krankenhaus: Mehr als 60 Kliniken mit teils unzureichender Qualität

Von und (Grafiken)


Die gute Nachricht vorweg: Insgesamt ist die Qualität der Krankenhausbehandlung in Deutschland im vergangenen Jahr besser geworden, jedenfalls soweit sich etwas so Kompliziertes wie die Versorgung von Patienten messen lässt. Zur Überprüfung der Kliniken werden jedenfalls Jahr für Jahr mehr als 200 Indikatoren für Behandlungsqualität erhoben.

Bei rund 20 Prozent dieser Kennziffern hat sich das Ergebnis 2018 im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Nur bei drei Prozent ist eine Verschlechterung erkennbar. Das geht aus dem Qualitätsbericht 2019 hervor, den das IQTiG veröffentlicht hat, hinter dieser Abkürzung verbirgt sich das Berliner Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen.

Allerdings sind die meisten dieser Indikatoren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt - mit einigen Ausnahmen. Für insgesamt elf Indikatoren aus den Bereichen Gynäkologie, Mammachirugie (also Brustkrebsoperationen) sowie Geburtshilfe wird das Abschneiden jedes Krankenhauses Ende Oktober öffentlich gemacht durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), das federführende Gremium der Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens.

Die Bilanz für das Jahr 2018: In 66 Fällen hat der G-BA schwerwiegende Mängel bei der Erbringung der durch die Indikatoren abgebildeten medizinischen Leistungen festgestellt. Vermerkt ist für die betroffenen Krankenhäuser deshalb an dieser Stelle eine "unzureichende Qualität".

Qualitätsbericht 2019

Hinweis zur Karte: Die eingezeichneten Punkte markieren Standorte von Krankenhäusern, bei denen G-BA und IQTiG "unzureichende Qualität" bei mindestens einem von elf Qualitätsindikatoren festgestellt haben. Jeweils drei dieser Indikatoren stammen aus den Bereichen Mammachirurgie und gynäkologische Eingriffe, im Bereich Geburtshilfe sind es fünf. Zur Erklärung: Wird einem Krankenhaus bei einem der fünf Geburtshilfe-Indikatoren "unzureichende Qualität" vom G-BA attestiert, taucht sie als Punkt in der entsprechenden Karte auf. Sie können in die Karte hineinzoomen, um genauer zu erkennen, welches Haus in Ihrer Nähe betroffen ist.


Was bedeutet das?

Vereinfacht lässt sich sagen: Die erhobenen Indikatoren bilden Mindeststandards und Behandlungsroutinen ab, bei denen in der Wissenschaft unstrittig ist, dass sie gut sind für das Patientenwohl. Ein Beispiel: In der Geburtshilfe wird kontrolliert, wie viel Zeit bei Komplikationen zwischen der Entscheidung für einen Notkaiserschnitt und der tatsächlichen Entbindung des Kindes vergeht. Eine "E-E-Zeit" von mehr als 20 Minuten kann mit schwerwiegenden Schädigungen des Kindes einhergehen und stellt daher ein hohes Risiko dar.


Die wichtigsten Links zum Thema

Die IQTiG-Methode: Das ist der deutsche "Klinik-TÜV"

Ergebnisse 2018: "Unzureichende Qualität" in 73 Fällen

Webseite des G-BA: Hier finden Sie die Ergebnisse aller 1063 erfassten Kliniken

Erläuternde Zusammenfassung durch das IQTiG

"Wider den Pranger!": Was die Krankenhausgesellschaft an dem Verfahren stört


Die Einstufung mit "unzureichender Qualität" bedeutet also, dass ein Krankenhaus von den elf abgebildeten wichtigen Mindeststandards einen 2018 nicht erfüllt hat - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dabei werden die betroffenen Krankenhäuser früh vom Institut IQTiG informiert, wenn solche Auffälligkeiten bei den Behandlungsdaten vorliegen. In diesen Fällen können die zugrundeliegenden Patientendaten nochmals vor Ort überprüft werden. In einem mehrstufigen und über Monate dauernden Verfahren haben die Kliniken auch Gelegenheit, in Stellungnahmen zu erklären, warum Abweichungen von Mindeststandards in bestimmten Fällen womöglich medizinisch gerechtfertigt - oder gar nicht von der Klinik zu verantworten waren.

Zur Einordnung: Das IQTiG berichtet von insgesamt zunächst 213 statistischen Auffälligkeiten, mit "unzureichender Qualität" wurden am Ende aber nur 66 bewertet. Mit anderen Worten: Die Mehrheit der Kliniken hat gute, überzeugende Gründe für die Abweichungen vorgebracht - nur eben in 66 Fällen nicht. Zu diesen zählen dabei auch 14 Standorte, die sich gegenüber dem IQTiG auf Fehler in der Datenerfassung berufen, deren Richtigkeit zuvor allerdings bestätigt wurde.

"Unzureichende Qualität" - was dieses Urteil nicht bedeutet:

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft DKG - die Interessensvertretung der Kliniken - hat die Veröffentlichung im vergangenen Jahr scharf kritisiert. Krankenhäuser würden "an den Pranger gestellt" und ihnen pauschalierend schlechte Qualität vorgeworfen.

Tatsächlich bedeutet das Ergebnis nicht, dass betroffene Kliniken insgesamt schlecht mit Patienten umgehen. Die Indikatorergebnisse geben allerdings Hinweise darauf, dass in bestimmten Bereichen - etwa in der Geburtshilfe - ein Problem mit der Einhaltung eines bestimmten und wichtigen Standards im Jahr 2018 bestanden hat. "Unzureichende Qualität" bedeutet gleichwohl nicht, dass etwa die Geburtsabteilung einer Klinik insgesamt schlechte Qualität leisten würde.

Hinzu kommt: Die Krankenhäuser selbst sind über die Ergebnisse der IQTiG-Auswertung seit Monaten informiert - und hatten damit Gelegenheit, Probleme zu beheben und Prozesse zu verbessern. Dass Kliniken tatsächlich reagieren, darauf liefert der Vergleich mit den Daten aus dem vergangenen Jahr Hinweise. Im Herbst 2018 hatte der G-BA erstmals das Abschneiden bei den elf Indikatoren im Jahr 2017 öffentlich gemacht. "Unzureichende Qualität" lautete damals in 73 Fällen das Urteil. Die große Mehrheit der Kliniken hat daraus offenbar Konsequenzen gezogen. Lediglich fünf Krankenhäuser haben in beiden Jahren ein und den gleichen Indikator gerissen.

Einen Überblick über die Ergebnisse des Vorjahres finden Sie hier:

Qualitätsbericht 2018


insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
!!!Fovea!!! 31.10.2019
1. Es tritt
nur das ein, was seit Jahren prophezeit wurde durch das Einführen des DRG Systems und der Fallpauschalen. Jetzt ein Erstaunen darüber zu haben ist mehr als grotesk. Aber Hauptsache, die Geschäftsführungen einiger Kliniken bezahlen ihren Chefchirurgen Boni, je mehr dieser operiert......
Harry1 31.10.2019
2.
Hoffentlich wenigsten billig. Das passiert wenn Versorgungseinrichtungen für die Bevölkerung aus der öffenlichen Hand privatisiert werden und unter Renditedruck stehen.
fjr 31.10.2019
3.
Warum sind denn die anderen Indikatoren "nicht für die Öffentlichkeit bestimmt"? Würde die "Öffentlichkeit" dann vielleicht feststellen, dass man in manche Krankenhäuser besser nicht gehen sollte, wenn man weiterleben will? Haben unsere Politiker davor Angst, uns die "Wahrheit" über unsere medizinische Versorgung zu sagen? Haben Sie etwa Angst, dass sie gelyncht werden, wenn sich nichts bessert?
interessierter Laie 31.10.2019
4. @!!!Fovea!!!
ja das ist schon toll. 20 Prozent der Krankenhäuser konnten sich verbessern, nur 3 Prozent haben sich verschlechtert. Die Maßnahmen haben offenbar gutes bewirkt - oder wollten Sie etwas anderes sagen?
luisakeller34 31.10.2019
5.
Was mich an Krankenhäusern stört...die mangelnde Kommunikation. Ich war in 5 verschiedenen Krankenhäusern...bis auf eines (das war zu dieser zeit "unterbelegt".hatte freie Zimmer) war die Kommunikation Arzt/ Patient sehr dürftig. Die Visite morgens pro Patient noch nicht mal 3 Minuten. Der OP-Verlauf wurde nicht kommuniziert (was gemacht wurde, worauf man jetzt achten sollte)--NIX ! Ich warte heute noch auf einen OP-Bericht von 2017..und jetzt akutell im Sommer 2019.. Wenn ich mich 2019 nicht selber drum gekümmert hätte, welche Medikamente (Antibiotika) ich nehmen sollte--ich wäre wahrscheinlich gar nicht mehr hier, da ich Allergien auf bestimmt Antibiotika habe...und gerade DIESE haben mir die Ärzte WIEDERHOLT angeordnet...erst nachdem ich mich bei einem Nachtpfleger ausgekotzt hatte schaltete er sich ein, und oh Wunder...es klappte. Nach der Entlassung schüttelte mein Orthopäde nur mit dem Kopf über die "weitere vorgehensweise"....genau: DIE Antibiotika, die ich nicht vertrug... also DIESES Krankenhaus: Never ever ! (Meinem Schwager erging es genauso) Die Chirurgen mögen einen guten Job machen...aber die "Nachversorgung " ist unter aller Kanone. Ach--bei der Gelegenheit: Ein Lob an alle Pflegekräfte....aber bitte: Wie würdet ihr euch nach einer Op fühlen, von der ihr gerade aufwacht, und neben euch jemand steht, der gerade aus der Zigarettenpause kommt und stinkt wie ein Aschenbecher ??? Das ist mir mehrmals negativ aufgefallen--und ja, ich verstehe diese Sucht als ehemaliger Raucher... aber es ist sehr unangenehm...wäre so, wie wenn der behandelnde Zahnarzt, bei dem man ne Wurzelbehandlung bekommt, am abend zuvor seeehr viel Knoblauch gegessen hätte...
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