Schwächelnde Alterssicherung Rentenversicherung offen für neue Debatte über längeres Arbeiten

Wird aus der Rente mit 67 doch irgendwann die Rente mit 70? Die Chefin der Rentenversicherung hat sich dafür ausgesprochen, dass nach 2031 »künftige gesellschaftliche Entwicklungen zu Anpassungen führen« müssen.
Älterer Beschäftigter in Brandenburg (Archivbild): »Die Politik muss sich mit diesen Themen beschäftigen«

Älterer Beschäftigter in Brandenburg (Archivbild): »Die Politik muss sich mit diesen Themen beschäftigen«

Foto: Monika Skolimowska/ picture alliance/dpa

Die Ampelparteien konnten sich in ihrem Koalitionsvertrag nicht auf Rentenkürzungen oder ein höheres Renteneintrittsalter einigen. Nur Wochen nach dem Amtsantritt der neuen Regierung hat sich die Chefin der Deutschen Rentenversicherung (DRV), Gundula Roßbach, in einem Interview nun zu dem Thema geäußert.

Die Politik müsse die Entwicklung in der kommenden Legislaturperiode »gut beobachten«, sagte sie der »Bild«-Zeitung . Roßbach sprach sich für eine Debatte über ein späteres Renteneintrittsalter nach 2031 aus. »Das Umlageverfahren hat sich in den vielen Krisen in der Vergangenheit als sehr anpassungsfähig erwiesen und in der Tat müssen künftige gesellschaftliche Entwicklungen zu Anpassungen führen«, sagte sie.

Die Frage nach dem Renteneintrittsalter nach 2031 könne jedoch nicht losgelöst von anderen Parametern wie etwa der Gesundheit beantwortet werden. »Die Politik muss sich mit diesen Themen in den kommenden vier Jahren beschäftigen – wichtig wäre es, dass das im Konsens der politischen Parteien geschieht. Denn die Alterssicherung betrifft viele Millionen Menschen in unserem Land.«

Fast jeder Zweite über 60 arbeitet noch

Dabei arbeiten die Bundesbürger laut Angaben der DRV-Chefin sowieso schon immer länger bis zum Renteneintritt. »Im Jahr 2000 waren nur zehn Prozent der 60- bis 64-Jährigen rentenversicherungspflichtig beschäftigt. Aktuell sind es 42 Prozent, also fast jeder Zweite«, sagte Roßbach der »Bild«. Insgesamt sei die durchschnittliche Versicherungszeit seit den Nullerjahren um vier Jahre gestiegen.

Um ein höheres Eintrittsalter möglichst lange zu vermeiden, will die neue Regierung den Einstieg in eine teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung vollziehen. Denn: Das umlagefinanzierte Rentensystem stößt in seiner jetzigen Form immer mehr an seine Grenzen. Wegen der Alterung der Gesellschaft stehen bei der Rente auf Dauer zu viele Empfänger zu wenigen Beitragszahlern gegenüber. Um das System noch finanzieren zu können, steigt von 2012 bis 2031 das Renteneintrittsalter stufenweise von 65 auf 67 Jahre. Zugleich wächst der Anteil, den der Staat aus Steuermitteln zur Rentenkasse zuschießen muss, immer weiter an.

Ein noch späteres Eintrittsalter hat Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bereits in der Vergangenheit als »zynisch« abgelehnt. Experten hatten wegen der Finanzierungsprobleme zuletzt jedoch ein höheres Eintrittsalter gefordert, das an die Lebenserwartung gekoppelt wird.

Als wichtiger Grund für die schlechte Lage des Rentensystems gilt das geballte Ausscheiden der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge aus dem Erwerbsleben. Sie und die künftigen Generationen einfach länger arbeiten zu lassen, dürfte jedoch schwierig sein. Zwar sind ältere Menschen, besonders Hochqualifizierte, im Rentenalter immer häufiger erwerbstätig, allerdings wollen viele Babyboomer lieber früher als später aussteigen. Hinzu kommt, dass sich gerade bei körperlich fordernden Tätigkeiten das Renteneintrittsalter nicht beliebig weiter nach hinten verschieben lässt.

apr/AFP
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