Vermögen Deutsche horten fast fünf Billionen Euro

Die stabile Konjunktur macht es möglich: Die Bundesbürger haben im vergangenen Jahr so viel Geld angehäuft wie nie zuvor. Fast fünf Billionen Euro sind es insgesamt. Fraglich ist allerdings, wie lange der Boom noch anhält.

Euro-Scheine und gestapelte Münzen: Deutsche horten mehr Geld
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Euro-Scheine und gestapelte Münzen: Deutsche horten mehr Geld


Frankfurt am Main/Berlin - Die Vorzeichen verschlechtern sich zwar, doch bislang ist die deutsche Wirtschaft gut durch die Euro-Krise gekommen. Das zeigt sich auch auf den Konten der Bürger: Ihr Geldvermögen wuchs im Jahr 2011 um 149 Milliarden Euro auf den Rekordwert von 4,715 Billionen Euro. Als Grund für die positive Entwicklung nannte die Bundesbank am Donnerstag den stabilen Arbeitsmarkt, der für hohe verfügbare Einkommen gesorgt habe.

Als Geldvermögen werden Bargeld, Wertpapiere, Bankeinlagen, Sparbriefe oder Ansprüche gegen Versicherungen gewertet. Sachwerte wie Immobilien sind in der Statistik nicht enthalten. Ein leichter Einbruch im dritten Quartal wurde zum Jahresende wieder aufgeholt. Die privaten Schulden stiegen gleichzeitig leicht um 21 Milliarden Euro auf 1,55 Billionen Euro, was vor allem an einer erhöhten Zahl von Baukrediten lag.

Ob der Boom noch lange anhält, ist allerdings unsicher. Die Euro-Zone rüstet sich für einen Austritt Griechenlands, in Spanien schwelt die Bankenkrise, und Europas Krisenmanager blockieren sich gegenseitig. Das alles bedroht auch die deutsche Wirtschaft: Im ersten Quartal ist sie noch gewachsen - doch die Stimmung trübt sich spürbar ein. Das Ifo-Geschäftsklima stürzte im Mai um drei auf 106,9 Punkte ab. Die deutsche Industrie schrumpfte einer Umfrage zufolge im Mai so stark wie seit fast drei Jahren nicht mehr.

Und längst nicht alle Deutschen werden reicher, das zeigt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung auf Basis von Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat. Demnach ist die Armut bei Arbeitslosen in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich stärker gewachsen als in allen anderen Ländern der Europäischen Union. 2009 hatten demnach 70 Prozent der Arbeitslosen ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Dies waren 25 Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt der 27 EU-Staaten. Auch bei den Erwerbstätigen stieg die Zahl der Armutsgefährdeten an.

Als armutsgefährdet gelten Menschen, deren Einkommen bei weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung liegt. In Deutschland liegt diese Schwelle für einen Alleinstehenden bei 940 Euro im Monat.

Wie aus der Studie hervorgeht, hat sich Armut in Deutschland seit den Hartz-Reformen schneller ausgebreitet als in allen anderen EU-Ländern. Zwischen 2004 und 2009 sei die Armutsquote bei Arbeitslosen um 29 Prozentpunkte gestiegen. Im EU-Durchschnitt waren es nur fünf Prozentpunkte. Der Anteil der als arm geltenden Erwerbstätigen habe um 2,2 Prozentpunkte zugenommen, wohingegen es in der EU durchschnittlich nur 0,2 Prozentpunkte waren.

dab/dpa/dapd

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