Deutschland in der Euro-Krise Zeit des superbilligen Geldes ist vorbei

Das Bollwerk der Euro-Zone wird brüchig: Zahlreiche Anlageprofis rechnen mit steigenden Zinsen für deutsche Staatsanleihen. Sie fürchten teure Hilfsaktionen, die die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik belasten. Die Zeit des superbilligen Schuldenmachens in Deutschland neigt sich dem Ende.
Deutsches Reichstagsgebäude: Im Strudel der Krise

Deutsches Reichstagsgebäude: Im Strudel der Krise

Foto: Kay Nietfeld/ picture alliance / dpa

Hamburg - In der Euro-Krise gilt Deutschland als Garant der Stabilität - doch dieses Image bekommt zusehends Risse. Immer mehr große Anleger erwarten, dass auch die Bundesrepublik bald an ihre Grenzen stößt, angesichts all der drohenden Belastungen durch die Schuldenkrisen in Südeuropa.

Gerade hat Spaniens Bankensektor EU-Hilfen beantragt, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, und es ist möglich, dass ein entsprechendes Rettungsprogramm weit teurer wird, als bislang angepeilt. Gleichzeitig verschlimmert sich die Schuldenkrise in Italien, und auch Griechenland benötigt wohl längere und höhere Hilfen als bislang vorgesehen ist. Sobald der notleidende Staat eine neue Regierung hat, dürften Verhandlungen über eine Lockerung des Sparkurses beginnen.

Für Staaten wie Deutschland, die die Euro-Zone versuchen zu stabilisieren, erhöhen all diese Vorgänge das Risiko neuer finanzieller Belastungen. Anleger fürchten nun, die Bundesrepublik könnte sich übernehmen.

"Die Krise hat noch nicht einmal begonnen", sagte Jamil Baz, Investmentchef bei dem Hedgefonds GLG Partners laut der britischen "Financial Times". Die Verwerfungen könnten die Euro-Zone noch bis zu zwei Jahrzehnte beschäftigen. Zahlreiche andere Hedgefonds sind laut einer Umfrage auf einer Branchenkonferenz in Monaco ähnlich pessimistisch. Mehr als die Hälfte der Befragten rechnet demnach damit, dass sich die Renditen für deutsche Staatsanleihen binnen eines Jahres verdoppeln werden.

"Deutschland verliert an Qualität"

In den vergangenen Monaten konnte sich Deutschland, der vermeintliche Hort der Sicherheit, fast zum Nulltarif frisches Geld am Kapitalmarkt leihen. Grund sei vor allem eine Kapitalflucht aus den südlichen Ländern, sagte Gavyn Davies, Gründer des Hedgefonds Fulcrum Asset Management und früher Chefökonom bei der Investmentbank Goldman Sachs. Doch das werde nicht mehr lange so weitergehen.

Tatsächlich sind die Renditen für deutsche Anleihen zuletzt deutlich gestiegen. Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit etwa brachten Anfang Juni gerade 1,13 Prozent Rendite. Am Dienstag waren es 1,53 Prozent. Das ist noch immer ein enorm niedriger Wert, doch viele Hedgefonds-Manager wetten darauf, dass die Renditen in den kommenden Monaten weiter steigen. Die Zeit der superbilligen Schuldenaufnahme neigt sich offenbar dem Ende.

Das sehen auch andere Anlageprofis so. Der weltgrößte Anleiheninvestor Pimco etwa hat nur noch wenige Bundesanleihen in seinen Depots. "Deutschland verliert durch die zunehmenden Risiken an Qualität", sagte Andrew Bosomworth, Fondsmanager und Deutschland-Chef von Pimco. Schließlich drohten dem Bundeshaushalt durch die milliardenschweren Rettungsschirme und anderweitige Verluste enorme Belastungen. Falls Länder wie Griechenland oder Portugal ihre Kredite aus dem Rettungsfonds nicht mehr zurückzahlen, drohen Milliardenverluste.

Laut Pessimisten in der Branche drohen schon bald erste Verluste. Georg Schuh, ein ranghoher Anlagemanager der Deutschen Bank, etwa erwartet bereits einen schnellen Austritt Athens aus der Währungsunion. Es wäre kaum wahrscheinlich, dass das Land in diesem Fall seine Hilfskredite zurückzahlen könnte. Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone hält Schuh für "sehr wahrscheinlich".

ssu