Frühjahrsgutachten Institute erwarten 0,8 Prozent Wachstum

Es geht aufwärts, aber nur langsam: Führende Forschungsinstitute rechnen im laufenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent. Ihre Prognose ist deutlich optimistischer als die der Bundesregierung - aber pessimistischer als ihre eigene Vorhersage aus dem Herbst.

Containerschiff im Hamburger Hafen: Vorsichtiger Konjunkturoptimismus
DPA

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Düsseldorf - Die Aussichten für Deutschlands Wirtschaft sind durchwachsen. Führende Wirtschaftsforscher sagen für 2013 ein Wachstum von 0,8 Prozent voraus. Für 2014 rechnen sie mit einem Wachstum von 1,9 Prozent. Das berichten mehrere Zeitungen und die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf das sogenannte Frühjahrsgutachten - eine Gemeinschaftsdiagnose von vier Forschungsinstituten.

Die Prognose wird offiziell am Donnerstag veröffentlicht. Sie ist doppelt so hoch wie die der Bundesregierung. Der Internationale Währungsfonds rechnet für Deutschland mit einem Wachstum von 0,6 Prozent.

In ihrem eigenen Herbstgutachten hatten die Forscher für 2013 noch ein Plus von 1,0 Prozent veranschlagt. Grund für die Prognosesenkung sei unter anderem die Schwächephase Ende 2012.

An der Gemeinschaftsdiagnose sind das Münchner Ifo-Institut, das Kieler Institut für Weltwirtschaft, das Essener RWI-Institut und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle beteiligt. Sie wird im Auftrag der Regierung erstellt. Die Daten gelten als Grundlage für die Schätzung der Regierung und als Basis für die Aufstellung der öffentlichen Haushalte.

ssu/dpa



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Progressor 17.04.2013
1. Wirtschaftswachstum
Das Schwierigste bei der Ermittlung des Wirtschaftswachstums ist die Berechnung der Inflationsrate. Diese kann im Extremfall um bis zu 3 Prozentpunkte abweichen. Das heißt, ob der BIP-Deflator 1, 2, 3 oder gar 4 % beträgt, kann niemand so recht sagen. Dementsprechend weicht auch das BIP ab. Immerhin ein Trost: Falls die Inflation immer gleich falsch berechnet wird, kann man wenigstens sagen wie der Unterschied zum Vorjahr war. Generell gilt: Wer bei makroökonomischen Größen mit Zahlen kommt, will betrügen ;-) Wirtschaften im globalisierten Umfeld ist eine Veranstaltung mit mehreren Milliarden Menschen, Millionen von Produkten und Unternehmen sowie von ein paar mehr oder weniger unvorhergesehenen Großereignissen. Das kann man nicht vorhersagen. Ist aber auch egal, Hauptsache die Regierung hat eine Planungsbasis, für die, wenn sie sich als nicht richtig herausstellen sollte, man die Schuld irgendwelchen Instituten zuschieben kann. Das ist ein Spiel mehr nicht. Kennt jeder. Wirtschaftswachstum ist bei unserem Wirtschaftsmodell nötig, sonst wirken sich Produktivitätssteigerungen negativ auf die Beschäftigung aus (und/oder es bewirkt deflationäre Tendenzen). Allgemein gilt: Wirtschaftswachstum unter 1 % = Beschäftigungsabbau. 1 bis 2 % = Beschäftigung wird gehalten. Über 2 % = Arbeitslosigkeit wird abgebaut. Wenn Institute eine Prognose für das Folgejahr abgeben, dann wäre es gut, wenn sie die bestimmenden Faktoren, die sie berücksichtigt haben, nennen würden. Für eine optimistische Prognose von 1,9 % für das Jahr 2014 fehlen nämlich sämtliche Grundlagen.
muellerthomas 17.04.2013
2.
Zitat von ProgressorDas Schwierigste bei der Ermittlung des Wirtschaftswachstums ist die Berechnung der Inflationsrate. Diese kann im Extremfall um bis zu 3 Prozentpunkte abweichen. Das heißt, ob der BIP-Deflator 1, 2, 3 oder gar 4 % beträgt, kann niemand so recht sagen. Dementsprechend weicht auch das BIP ab. Immerhin ein Trost: Falls die Inflation immer gleich falsch berechnet wird, kann man wenigstens sagen wie der Unterschied zum Vorjahr war. Generell gilt: Wer bei makroökonomischen Größen mit Zahlen kommt, will betrügen ;-) Wirtschaften im globalisierten Umfeld ist eine Veranstaltung mit mehreren Milliarden Menschen, Millionen von Produkten und Unternehmen sowie von ein paar mehr oder weniger unvorhergesehenen Großereignissen. Das kann man nicht vorhersagen. Ist aber auch egal, Hauptsache die Regierung hat eine Planungsbasis, für die, wenn sie sich als nicht richtig herausstellen sollte, man die Schuld irgendwelchen Instituten zuschieben kann. Das ist ein Spiel mehr nicht. Kennt jeder. Wirtschaftswachstum ist bei unserem Wirtschaftsmodell nötig, sonst wirken sich Produktivitätssteigerungen negativ auf die Beschäftigung aus (und/oder es bewirkt deflationäre Tendenzen). Allgemein gilt: Wirtschaftswachstum unter 1 % = Beschäftigungsabbau. 1 bis 2 % = Beschäftigung wird gehalten. Über 2 % = Arbeitslosigkeit wird abgebaut. Wenn Institute eine Prognose für das Folgejahr abgeben, dann wäre es gut, wenn sie die bestimmenden Faktoren, die sie berücksichtigt haben, nennen würden. Für eine optimistische Prognose von 1,9 % für das Jahr 2014 fehlen nämlich sämtliche Grundlagen.
Ich denke, wir stimmen sonst oft überein, aber wie kommen Sie hier darauf, dass der BIP-Deflator um 3 Pp. von der Schätzung abweicht? Für Deutschland schwankt der Deflator grob zwischen knapp über 0% und knapp unter 2%, wobei die Veränderung von 1,7% auf 0,3% nicht innerhalb eines Quartals oder auch nur eines Jahres Zustande kommt. Wer also im Jahresdurchschnitt weniger als 0,5% oder mehr als 1,7% angibt, muss m.E. dafür schon gute Grpnde vorbringen.
wurzelbär 17.04.2013
3. Erwarten darf jeder, was immer er will -
Tatsache ist, es geht mal wieder aufwärts, aber nur langsam: "Führende" (gekaufte) Forschungsinstitute rechnen (errechneten) im laufenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent (das Minuszeichen davor wurde übersehen). Ihre Prognose ist deutlich optimistischer (verlogener) als die der Bundesregierung - aber pessimistischer als ihre eigene Vorhersage aus dem Herbst. Man ist es leid, immer von den Medien Halbwahrheiten oder reinen Lügen belogen zu werden. Über die Tatsachen kann man hinweg Lügen, aber die Realität wird es immer an den Tag bringen. Für was wird also dem Volk immer nur vorgelogen, um den Politikern IHR "Spielfeld" zu erhalten ?
Progressor 17.04.2013
4. Abweichung BIP-Deflator
Zitat von muellerthomasIch denke, wir stimmen sonst oft überein, aber wie kommen Sie hier darauf, dass der BIP-Deflator um 3 Pp. von der Schätzung abweicht? Für Deutschland schwankt der Deflator grob zwischen knapp über 0% und knapp unter 2%, wobei die Veränderung von 1,7% auf 0,3% nicht innerhalb eines Quartals oder auch nur eines Jahres Zustande kommt. Wer also im Jahresdurchschnitt weniger als 0,5% oder mehr als 1,7% angibt, muss m.E. dafür schon gute Grpnde vorbringen.
Genau wie der Verbraucherpreisindex arbeitet der BIP-Deflator mit einem Warenkorb. Beim VPI ist dieser fix, beim BIP-Deflator flexibel. Beide haben den Nachteil, dass keine Menge berücksichtigt wird. Ich mache ein Beispiel: Ein Kilo Äpfel kosten plötzlich 2,5 % mehr und die Verbraucher kaufen dementsprechend weniger. Sowohl dem VPI als auch dem Deflator sind die Mengen egal. Richtig wäre es alle in Deutschland verkauften Äpfel in Kilo zu erfassen und mit dem jeweiligen Verkaufspreis zu bewerten. Das geht aber natürlich nicht (weil zu aufwändig) und deswegen kommt es zu Abweichungen. Ich habe nicht behauptet, dass der BIP-Deflator um 3 PP abweicht, sondern dass es im _Extremfall_ so sein könnte. Ich beziehe mich dabei auf eine Diskussion von Experten die vor einiger Zeit auf n-tv zusehen war, sowie Mankiv, "Makroökonomie", 5. Auflage, Seite 26 ff, insbesonders dem Schaubild Seite 38. Wie kommen Sie darauf, dass der BIP-Deflator in Deutschland nur in der Bandbreite von 0 bis 1,7 % liegen könnte? Ich habe berechtigte Anhaltspunkte zum Verdacht, dass er im 1. Quartal diesen Jahres negativ war.
sarkasmos 17.04.2013
5. Prognosen sind Prognosen
Leider scheint sich immer stärker die Ansicht zu verbreiten, dass Prognosen genau eintreffen müssten sonst seien es Lügen. Hat die Wettervorhersage gelogen wenn sie nicht genau so eintritt wie vorhergesagt? Hat ein Veranstalter gelogen wenn nicht ganz so viele Besucher kommen wie erwartet? Die Zukunft ist nun einmal leider nicht so genau vorhersagbar. Soll man deshalb überhaupt nicht versuchen zu planen? Wirtschaftsprognosen haben im Vergleich zum Wetter noch die zusätzliche Schwierigkeit, dass sie selbst den Verlauf der Dinge beeinflussen. Die Prognose einer Abschwächung veranlasst nun einmal viele Firmen etwa Investitionen zurückzustellen. Der Anspruch dass Wirtschaftsprognosen genau sein müssen erinnert ein wenig an die Italiener, die letztes Jahr mehrere Geologen angeklagt haben weil sie Erdbeben nicht exakt vorhergesagt haben.
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