Ifo-Prognose Deutschlands Wirtschaft bekommt neuen Schub

In Deutschland stehen die Zeichen weiter auf Aufschwung. Das Ifo-Institut erwartet, dass das Wirtschaftswachstum bis 2018 noch anzieht - auch der Handelsüberschuss wird größer.

Containerterminal im Hamburger Hafen
DPA

Containerterminal im Hamburger Hafen


Die deutsche Wirtschaft wächst nach Einschätzung des Ifo-Instituts schneller als gedacht und sorgt für neue Beschäftigungsrekorde. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um 1,8 Prozent steigen und 2018 noch einmal um 2,0 Prozent zulegen, teilten die Münchner Forscher am Dienstag in ihrer neuen Konjunkturprognose mit. Bisher hatten die Ökonomen nur mit einem Plus von 1,5 und 1,8 Prozent gerechnet.

"Die deutsche Wirtschaft ist stark und stabil", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Wir erleben gerade ein so kräftiges erstes Halbjahr, dass uns der Schwung bis ins kommende Jahr trägt."

Wie schon in den vergangenen Jahren werde der Aufschwung von der Inlandsnachfrage und hier besonders vom Bau und vom Konsum getragen: "Neu hinzu kommt die Industrie", sagt Wollmershäuser. Das Anziehen der Konjunktur im Euro-Raum und der übrigen Welt lasse die Exporte kräftig steigen. Die Unternehmen beurteilten die Aussichten laut Ifo-Umfrage als so glänzend wie seit 1990 nicht mehr.

Die Zahl der Beschäftigten werde von 43,6 Millionen Menschen im vorigen Jahr über 44,2 Millionen 2017 auf 44,6 Millionen im nächsten Jahr steigen. Das wäre so viel wie noch nie. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte bis 2018 auf 2,4 Millionen sinken. Der Staatsüberschuss werde von 26,4 Milliarden Euro 2016 auf 19,1 Milliarden in diesem Jahr sinken, aber 2018 wieder auf 22,9 Milliarden Euro steigen.

Industrie warnt vor Selbstzufriedenheit

Der international und vor allem von US-Präsident Donald Trump kritisierte Überschuss der deutschen Leistungsbilanz wird nach Ifo-Berechnungen bis 2018 von 261 Milliarden Euro über 265 auf 279 Milliarden Euro steigen. Allerdings werde der Anteil an der Wirtschaftskraft nach wie vor 8,3 Prozent betragen.

Die deutsche Industrie warnte angesichts der anhaltend guten Konjunktur vor Selbstzufriedenheit. "Die gute Wirtschaftslage ist kein Freifahrtschein zum Ausruhen", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf. "Unser Erfolg ergibt sich auch aus einem schwachen Eurokurs, einem moderaten Ölpreis und einer expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank."

Auf dem Tag der Deutschen Industrie forderte Kempf die Politik auf, die Haushaltsüberschüsse in Bund, Ländern und Kommunen für mehr Investitionen unter anderem in die Bildung zu nutzen.

ssu/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 16 Beiträge
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grommeck 20.06.2017
1. Dann geht es ja auch allen Bürgern gut...
und wir können für die schlechtere Zukunft vorsorgen!! Oder ? Es gibt viel zu tun, Ihr Regierungsmitglieder. Fangen wir doch gleich einmal beim Gesundheitswesen an und arbeiten uns dann zur Rentensicherung vor, nicht wahr, liebe Arbeitgeber. Wenn es Euch so gut geht, dann mal los!! Reichtum verpflichtet laut GG.
W/Mutbürger 20.06.2017
2. Alles hat ein Ende
nur die Wurst hat zwei. Hier wird gerne vergessen, dass die Wirtschaft zyklisch verläuft. Auf einen Aufschwung folgt immer ein Abschwung. Ich wage zu bezweifeln, dass Deutschland darauf vorbereitet ist.
KingTut 20.06.2017
3. Gut für Deutschland und Europa
Dass es Deutschland wirtschaftlich so gut geht, ist ein erfreulicher Umstand. Und zwar für den ganzen Kontinent, denn unsere Investitionen im europäischen Ausland haben dort Millionen neue Jobs geschaffen, wie die Welt schon 2014 schrieb: https://www.welt.de/wirtschaft/article129482481/Deutschland-schafft-in-EU-Millionen-Arbeitsplaetze.html Laut ZDF vom Wochenende hat Deutschland's Wirtschaftskraft im europäischen Ausland auf diese Weise 4.8 Millionen Menschen in Arbeit gebracht. Das gilt es in die Waagschale zu werfen, wenn wir mal wieder dafür kritisiert werden, dass unsere Waren auf den Weltmärkten reißenden Absatz finden und dadurch ein Exportüberschuss entsteht. Ganz Europa kann sich darüber freuen.
joG 20.06.2017
4. Deutschland geht es auf Kosten....
....der übrigen Welt gut. Es saugt die Gelder, die die Amis in die Entwicklungsökonomien pumpen durch ihre Exportüberschüsse ab, als wäre es noch das zerstörte Land, das die Amis damals durch just den gleichen Mechanismus aus der Armut nach dem Krieg rettete, wie nun China oder Vietnam. Deutschland hat nie den Sprung geschafft zur entwickelten Wirtschaft. Als Trump Deutschland als "böse" verniedlichend bezeichnete, war es eben auch diese Tücke, die er zurecht meinte.
thequickeningishappening 20.06.2017
5. 8,3% BIP Leistungsbilanzueberschuss
als Dauerzustand sind Gift und wenn Die Bilanz durch I owe U's (Target Salden) ausgeglichen wird entsteht ein Hohlkörper ohne Substanz! China ist mit seinen Fiatgeld Reserven auf Einkaufstour gegangen, Deutschland wird seine Salden abschreiben müssen!
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