Trotz hoher Nachfrage Weniger Wohnungen in Deutschland genehmigt

Der Bedarf an Wohnraum in deutschen Ballungsgebieten steigt. Dennoch geht die Zahl der Baugenehmigungen zurück - und Hunderttausende genehmigte Projekte werden nur schleppend umgesetzt.

Neubaukomplex in Berlin
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Neubaukomplex in Berlin


Erstmals seit 2008 zeichnet sich in Deutschland ein Rückgang der Baugenehmigungen für Wohnungen ab.

Trotz hoher Nachfrage nach Wohnraum wurden in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres 7,3 Prozent oder 22.400 weniger Genehmigungen erteilt als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Demnach wurde der Bau von insgesamt 286.300 Wohnungen und Häusern genehmigt.

"Gegen den allgemeinen Trend nahmen die Genehmigungen von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern zu", erklärten die Statistiker zur Bilanz bis Ende Oktober. Mit rund 140.700 Wohnungen wurde hier der höchste Wert für diesen Zeitraum seit zwei Jahrzehnten erreicht. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern gab es dagegen mit 5,1 und 1,5 Prozent weniger Bauzusagen.

Das trifft auch auf Wohnungen zu, die durch Um- und Ausbaumaßnahmen entstehen sollen, etwa das Aufstocken mit Dachgeschosswohnungen: Hier gab es einen Einbruch von 21,2 Prozent. Deutlich zurück ging die Zahl der Genehmigungen von Wohnungen in Wohnheimen, nämlich um 43,6 Prozent oder 9100 Wohnungen. In diesen Bereich fallen auch Flüchtlingsunterkünfte.

Diese Entwicklung trug auch stark zum Gesamtminus bei den Baugenehmigungen bei: Ohne Berücksichtigung der Genehmigungen von Wohnheimen lag der Rückgang der Baugenehmigungen von Neubauwohnungen nur bei 1,2 Prozent.

Einer kürzlich veröffentlichte Studie der Förderbank KfW zufolge hat sich in den vergangenen Jahren ein Überhang von 600.000 Wohnungsbaugenehmigungen angehäuft, der nun auf Umsetzung warte. Dabei spielten Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft eine Rolle, die durch die anhaltende Hochkonjunktur stark ausgelastet ist.

"Insbesondere in den großen Ballungszentren zeigt sich außerdem das Phänomen, dass Investoren Baugenehmigungen auf Vorrat einholen und die dahinterliegenden Projekte zunächst nicht umsetzen, weil sie auf steigende Mieten und Immobilienpreise in der Zukunft setzen", so die KfW. Durch Zuwanderung und Zuzug in Ballungsräume wächst der Bedarf an Wohnraum. Gleichzeitig werden die Preise für Wohnungen und Häuser Gutachtern zufolge im kommenden Jahr weiter steigen.

asc/AFP/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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hubert heiser 14.12.2017
1. Hier könnte Ihre Werbung stehen
---Zitat--- "Insbesondere in den großen Ballungszentren zeigt sich außerdem das Phänomen, dass Investoren Baugenehmigungen auf Vorrat einholen und die dahinterliegenden Projekte zunächst nicht umsetzen, weil sie auf steigende Mieten und Immobilienpreise in der Zukunft setzen", so die KfW. ---Zitatende--- Vielleicht sollte man eine Baupflicht einführen: Nach erteilter Genehmigung sind die Wohnungen binnen eines Jahres fertigzustellen. Anderfalls fällt der Baugrund der Kommune zu, die ihn dann für sozialen Wohungsbau nutzen kann.
wolle0601 14.12.2017
2. Der Markt zeigt hier Klugheit
Das Vollstopfen der Dtädte und Ballungsräume mit immer mehr Menschen ist ja auch nicht sinnvoll, weil es die Lebensqualität für alle senkt, die dort leben. Die gute Nachricht ist: Das wird bald vorbei sein. Das autonome Fahren wird uns die Fläche zurückgeben. Das ahnen Investoren vielleicht schon.
der.tommy 14.12.2017
3.
Gerade die Thematik in Ballungsräumen sollte gesetzlich reguliert werden. Wer ein Grundstück, das als Bauland ausgewiesen ist, erwirbt, sollte verpflichtet sein, binnen 3 Jahren gebaut zu haben und die Baugenehmigung binnen eines Jahres nach kauf einzuholen. In München fehlen mittlerweile Zehntausende Wohnungen und es wird einfach nicht gebaut (hier kommt noch erschwerend hinzu, dass nicht mal mehr Bauland ausgewiesen wird).
hahewo 14.12.2017
4. Wohnungsbau
Dieser Rückgang bzw. Verschleppung ist pure Absicht und gehört gerichtlich Untersucht. Da schlägt die Vermieterlobby wieder zu. Da die Mieter keine echte Lobby in der Politik, sei es kommunal noch Bundespolitik, haben, sind sie Freiwild dieser Gierschlünde. Die großen Vermietungskonzerne sind die Schlimmsten. Wucher ist ebenso verboten wie vieles Andere in dieser Richtung. Aber wer verfolgt das? Die Politik hat kein Interesse, könnten doch die Parteispenden ausbleiben. Die Mieterschutzverbände gibt es überwiegend nur auf dem Papier oder sie sind dann in Aktion wo es nicht so weh tut.
hassowa 14.12.2017
5. Keine Planungssicherheit
Warum soll ich in Wohnungen investieren für Menschen, von denen wir gar nicht wissen, ob sie in Deutschland bleiben werden? Derzeit boomt der Kunstmarkt wie noch nie. Ich investiere lieber dort.
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