Deutschland-Besuch Ackermann begeistert sich für Putins Freihandelspläne

Mit seinem Besuch in Deutschland hat Russlands Ministerpräsident eine Charme-Offensive gestartet. Putin bekräftigte seinen Vorschlag für eine Freihandelszone aus Russland und der EU. Kanzlerin Merkel reagierte reserviert, Deutsche-Bank-Chef Ackermann begrüßte den Vorstoß.

Ministerpräsident Putin (r), Deutsche-Bank-Chef Ackermann (li), Knauf-Chef Nikolaus Knauf: Fernziel ist ein gemeinsamer Währungsraum
dpa

Ministerpräsident Putin (r), Deutsche-Bank-Chef Ackermann (li), Knauf-Chef Nikolaus Knauf: Fernziel ist ein gemeinsamer Währungsraum


Berlin - Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Resonanz auf seinen Vorstoß für einen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok positiv bewertet - trotz skeptischer Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Wenn wir erfolgreich sein wollen, wenn wir konkurrenzfähig sein wollen, dann ist die Annäherung Europas und Russlands unausweichlich", sagte er am Freitag vor Führungskräften der deutschen Wirtschaft in Berlin.

Putin hatte seine Vorstellungen von einer russisch-europäischen Freihandelszone in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" erläutert. Merkel hatte sich dazu am Donnerstag skeptisch geäußert. Russlands letzte Schritte wiesen "nicht gerade in die richtige Richtung".

Der russische Ministerpräsident sagte dazu bei einem Führungskräftetreffen der "Süddeutschen Zeitung": "Es bedeutet, dass Frau Merkel meinen Artikel gelesen hat. Das ist ja an sich schon gut." Er stimme der Kanzlerin in der Einschätzung zu, dass es bei einem solchen Projekt Probleme gebe. Das gelte aber auch in umgekehrter Richtung. Russische Investoren hätten in der Europäischen Union viel stärkere Schwierigkeiten als europäische Investoren in Russland. "Wir müssen die Sackgasse in eine Zweibahnstraße ändern", sagte Putin.

Als Beispiel nannte Putin den geplatzten Verkauf des Autoherstellers Opel an den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und die russische Sberbank. Opel stehe nun nicht besser da. Den Verkauf sagte die Opel-Konzernmutter General Motors (GM) im vergangenen Jahr völlig überraschend ab. Laut Putin hatten auch der russische Stahlhersteller Severstal, die Ölfirma Surgutneftegaz und die Investmentgruppe Renova Probleme, in Europa Fuß zu fassen.

Fernziel Währungsunion

Sollte die Annäherung gelingen, kann sich Putin sogar noch weiter reichende Schritte vorstellen - etwa Russlands Eintritt in einen gemeinsamen Währungsraum mit EU: "Es ist vollkommen richtig, die Abhängigkeit des internationalen Währungssystems von einer so dominanten Währung wie dem Dollar zu reduzieren", sagte Putin. "Der Euro ist auf jeden Fall notwendig für die Weltwirtschaft." Er könne sich auch vorstellen, dass Russland eines Tages Teil eines gemeinsamen europäischen Währungsraums werde, sagte Putin. Die russische Zentralbank halte den Euro bereits heute als Reservewährung. Er zeigte sich überzeugt davon, dass die Stabilisierung der Währung gelingen wird.

Ausdrücklich zeigte sich Putin offen dafür, den Euro verstärkt bei Geschäften im Energiesektor zu verwenden. Sicher würden die Geschäfte mit Öl auf den internationalen Märkten in Dollar abgewickelt, worauf Russland wenig Einfluss habe. Die russische Regierung habe aber "bestimmte Ideen", diesen Börsenhandel auch in Russland und dann in Rubel zu organisieren. Er könne sich zudem den verstärkten Einsatz des Euro bei Abrechnungen im Energiesektor vorstellen, sagte Putin ohne konkreter zu werden.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann begrüßte die Vorschläge des russischen Ministerpräsidenten ausdrücklich: "Wir haben zwei große Kriege gehabt, mit Millionen von Toten. Heute vergessen wir diese Dimensionen und streiten um Kleinigkeiten." Es sei an der Zeit, der historischen Bedeutung wieder gerecht zu werden. Die Bürger brauchten Europa, und Europa brauche Russland. "Daher müssen wir diese Pläne mit ganz offenem Geist und Enthusiasmus unterstützen", sagte Ackermann.

mik/dpa/Reuters



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Nemetz 26.11.2010
1. der Rubel wird rollen !
Zitat von sysopMit seinem Besuch in Deutschland hat Russlands Ministerpräsident eine Charme-Offensive gestartet.*Putin bekräftigte*seinen Vorschlag für eine Freihandelszone aus Russland und der EU. Kanzlerin Merkel reagierte reserviert, Deutsche-Bank-Chef Ackermann begrüßte den Vorstoß. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731407,00.html
........von Oekonomie versteht sie nicht viel, unsere Grande Dame........ Russland ist mit Waehrungsreserven von sage und schreibe 465.000.000.000 -vierhundertundfuenfundsechzig Milliarden- USD jetzt schon, nach China, der Big Player Nr. 2 auf dem Weltmarkt. Was, WAS spricht dagegen, voll auf die Karte Russland zu setzen in wirtschaftlicher Hinsicht ? Absatzmarkt ohne Ende fuer deutsche Investitions- und Konsumgueter. Maschinenbau, Chemieindustrie, Anlagenbau, Pharmaindustrie, Agrarindustrie, Automobilbranche und und und -- der Rubel kann zu rollen beginnen !
classico, 26.11.2010
2. Klar..
wäre ein toller Pakt... Der Chef der Banken-Mafia ... verbündet sich mit dem Chef der Russen-Mafia. Da wird unser Ackermann ... neue Gewinnziele ausgeben ... so 50% ... wäre das mindeste.
flower power 26.11.2010
3. Aber wenn er sich da mal nicht täuscht
Zitat von sysopMit seinem Besuch in Deutschland hat Russlands Ministerpräsident eine Charme-Offensive gestartet.*Putin bekräftigte*seinen Vorschlag für eine Freihandelszone aus Russland und der EU. Kanzlerin Merkel reagierte reserviert, Deutsche-Bank-Chef Ackermann begrüßte den Vorstoß. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731407,00.html
Wenn der Jupp da genauso vorgeht wie in der EU hat er aber auch gleich eine blutige Nase. Auf das Duell darf man gespannt sein. Oder träumt der immer noch von der Welt-Banken-Herrschaft????
Skarrin, 26.11.2010
4. Ackermann begrüßt den Putinismus
Zitat von sysopMit seinem Besuch in Deutschland hat Russlands Ministerpräsident eine Charme-Offensive gestartet.*Putin bekräftigte*seinen Vorschlag für eine Freihandelszone aus Russland und der EU. Kanzlerin Merkel reagierte reserviert, Deutsche-Bank-Chef Ackermann begrüßte den Vorstoß. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731407,00.html
Ackermann begrüßt sicher vieles bei Mafiazar Putin, z.B. dessen besonders lupenreine Form der Demokratie in Rußland. In dieser gelenkten Kleptokratie, in der die Medien gleichgeschaltet sind und die Ermordung störender Journalisten zum Tagesgeschäft gehört, wären solche Bilder nämlich nie an die Öffentlichkeit gelangt: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,285044,00.html Abgesehen davon, dass es wegen solcher Lappalien sowieso keinen Prozess gegeben hätte. Auch das Wort "Peanuts" wäre in einem von Ackermann begrüßten System nur als englische Bezeichnung einer Nußart geläufig.
krokis 26.11.2010
5. Da sollte doch zusammenwachsen,
Zitat von sysopMit seinem Besuch in Deutschland hat Russlands Ministerpräsident eine Charme-Offensive gestartet.*Putin bekräftigte*seinen Vorschlag für eine Freihandelszone aus Russland und der EU. Kanzlerin Merkel reagierte reserviert, Deutsche-Bank-Chef Ackermann begrüßte den Vorstoß. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731407,00.html
was zusammengehört. Ackermann und Putin sind doch ein Dreamteam. Die Merkel darf die Getränke servieren. Russland in den vergangenen zwanzig Jahren ist eine Geschichte von staatlicher Kriminalität und Mafia. Das passt doch hervorragend. Mal sehen, was dabei herauskommt. Herzliche Grüße
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