Deutsche Handelspartner America third

Die deutsche Wirtschaft hat ihre Prioritäten verlagert: Beim Warenaustausch sind die USA nicht mehr die erste Adresse.

Hafen von Los Angeles
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Hafen von Los Angeles


China hat die USA im vergangenen Jahr als wichtigsten Handelspartner Deutschlands von Platz eins verdrängt. Zwischen den beiden Ländern wurden Waren im Wert von knapp 170 Milliarden Euro ausgetauscht, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervorgeht.

Auf Rang zwei folgte Frankreich mit 167 Milliarden Euro. Die USA belegten den dritten Platz mit knapp 165 Milliarden Euro. Als Kunde spielen die USAallerdings weiterhin eine wichtige Rolle. Deutsche Unternehmen verschickten Waren "made in Germany" im Wert von 107 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten.

Unter Warenaustausch versteht man die Summe aus Exporten und Importen. Die USA waren erst im Jahr 2015 zum wichtigsten Handelspartner Deutschlands aufgerückt. Davor ist seit 1975 Frankreich wichtigster Handelspartner der Bundesrepublik gewesen. China lag im Jahr 2015 nur auf Platz vier der wichtigsten Handelspartner Deutschlands.

Die zehn wichtigsten Handelspartner Deutschlands
Quelle: Statistisches Bundesamt

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China die Spitzenposition als größter Handelspartner behaupten kann. "Das wird erstmal so bleiben", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Die chinesische Wirtschaft wächst zwar nicht mehr wie in den Boomjahren mit zweistelligen Raten, aber deutlich kräftiger als andere Länder." Allein im Schlussquartal 2016 sei das Exportvolumen um 17 Prozent nach oben geschnellt.

Faire Wettbewerbsbedingungen wichtig

Der Außenhandelsverband BGA fordert denn auch, die Beziehungen zu der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft zu stärken. "Angesichts der protektionistischen Pläne des neuen US-Präsidenten kann damit gerechnet werden, dass die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China in Zukunft noch weiter ausgebaut werden", so ein BGA-Sprecher. Nach dem Einfrieren der Verhandlungen um das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP sei es wichtig, dass sich die EU-Handelspolitik "nun aktiv Asien zuwendet".

Im Bundeswirtschaftsministerium stößt der BGA damit auf offene Ohren: "Die Zusammenarbeit wollen wir auch weiter intensivieren", sagte eine Sprecherin. "Allerdings machen wir gegenüber der chinesischen Regierung auch immer wieder deutlich, dass uns dabei faire Wettbewerbsbedingungen sehr wichtig sind." Deutschland prangert unfaire Handelspraktiken an, von Dumping-Preisen bei Stahl bis zu Benachteiligungen beim Marktzugang. "Deutschland ist eine offene Volkswirtschaft und setzt sich weltweit für freien und fairen Handel ein", so die Sprecherin. "Das gilt gegenüber allen Handelspartnern, auch gegenüber China oder den USA."

mik/dpa-AFX/Reuters

insgesamt 87 Beiträge
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Europa! 24.02.2017
1. Interessant
Wenn China unser wichtigster Handelspartner ist, dürfte klar sein, dass wir uns für die Sicherung des Seewegs nach China und für den Ausbau der Eisenbahnverbindungen einsetzen müssen.
sven2016 24.02.2017
2.
Wichtiger erscheint der Umfang der Exporte in die USA, Einkaufen kann man dank Globalisierung überall. Zum Kommentar 1: Das klingt wie die alten Kolonialstrategien... Wäre es nicht wichtiger, bei den Bemühungen zum globalen Abbau von Spannungen mitzuwirken? Daran haben fast alle Staaten, mit Ausnahme von zB Russland, Interesse
joG 24.02.2017
3. Das ist gut....
...dann wird es kein problem seinen Handelsüberschuß zu den USA aufzugeben. Vielleicht akzeptieren die Chinesen und Franzosen das deutsche Model.
INGXXL 24.02.2017
4. Die EU sollte sich um
eine Verstärkte Zusammenarbeit mit China Japan und Südamerika bemühen. Wenn die USA ihre Pläne durchsetzen sollte man konzertiert zurückschlagen. USA gegen den Rest der Welt das wird für die USA böse ausgehen.
janne2109 24.02.2017
5. jau
jau, und bitte laßt ruhig unsere Waren in USA teurer werden- nee doch lieber nicht, denn die Wähler von Trump haben eh keine deutschen Waren gekauft und der Rest kann sich eine Preiserhöhung leisten, wie z. B. Mr. Trump selbst
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