OECD-Studie Deutschland, das Land der Schwarzputzer

Hausarbeit ist in Deutschland in drei Vierteln der Fälle Schwarzarbeit. Betroffen sind zumeist Frauen. Dabei zeigen europäische Nachbarn, dass sich die Schattenbeschäftigung eindämmen lässt.
Eine Putzkraft beim Staubwischen (Symbolbild): Keine Steuern, keine soziale Absicherung?

Eine Putzkraft beim Staubwischen (Symbolbild): Keine Steuern, keine soziale Absicherung?

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Das kratzt am Saubermann-Image der Deutschen: Millionen Haushalte in der Bundesrepublik lassen nach einer neuen OECD-Studie ihre Wohnungen und Häuser durch irregulär oder illegal Beschäftigte putzen. In vielen anderen Staaten und im OECD-Durchschnitt ist der Anteil nicht angemeldeter Hausarbeit gegen Geld deutlich geringer. In Deutschland spielt dafür Hausarbeit als reguläre Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt eine geringere Rolle als in anderen Ländern, wie die aktuelle OECD-Studie zeigt.

Putzen, Wäschewaschen oder Gartenarbeit – in Deutschland sind laut OECD schätzungsweise rund 75 Prozent der Arbeit in dem Bereich nicht angemeldet. Im EU-Schnitt sind es nur 57 Prozent. In sieben Ländern liegt der Anteil der Schattenbeschäftigung bei Hausarbeit bei unter 40 Prozent – darunter Frankreich, Italien, Spanien, Belgien und Irland.

Untersucht hatte die OECD Haushaltsarbeit jenseits von Pflegetätigkeiten. Dabei zeigt sich: Hausarbeit hat sich in anderen Ländern längst stärker als Teil der legalen Beschäftigung etabliert. Im OECD-Schnitt machen die in dem Bereich Beschäftigten zwar nur 1,3 Prozent der Beschäftigten insgesamt aus. Die Spannbreite reicht aber von 2,5 Prozent in Spanien, Portugal und Frankreich bis zu nur 0,1 Prozent in Polen und Tschechien. Deutschland liegt mit unter 0,5 Prozent im unteren Bereich.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) war in einer Veröffentlichung vom November davon ausgegangen, dass rund 3,3 Millionen Haushalte in Deutschland gelegentlich oder regelmäßig eine Hilfe beschäftigen – und davon rund 2,9 Millionen Haushalte schwarz.

Vor allem Frauen betroffen

Mehr als 90 Prozent der Beschäftigten im Haushalt sind laut OECD Frauen. Im Bereich der angemeldeten Minijobs in deutschen Privathaushalten zeigt sich zudem, dass fast zwei Drittel der hier tätigen Haushaltshilfen über 50 Jahre alt sind. Informell Beschäftigte können sich zwar Steuerabzüge sparen – aber bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter sind sie finanziell so nicht abgesichert.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte, den Sektor zu professionalisieren – mithilfe einer in Belgien bewährten Idee. Haushalte sollen nach dem DGB-Vorschlag Gutscheine bekommen – also Zuschüsse, mit denen sie haushaltsnahe Dienstleistungen bei Betrieben in Anspruch nehmen können, die regulär anstellen.

»Haushaltsnahe Dienstleistungen müssen endlich ordentlich bezahlt und organisiert werden«, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel der Nachrichtenagentur dpa. Die Beschäftigten seien sonst bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter massiv von Armut bedroht. Mit Gutscheinen solle der Staat die Hälfte der Kosten übernehmen. Mehr als 1,5 Millionen legale Jobs könnten so geschaffen, mehr Frauen der Weg in reguläre Arbeit ermöglicht werden.

Globales Problem

Weltweit ist es vor allem in Südamerika und den arabischen Ländern üblich, Hausangestellte zu haben, wie Annette Niederfranke, Beschäftigungsexpertin der International Labour Organization (ILO) sagte. Von rund 76 Millionen Hausangestellten weltweit seien 61 Millionen informell beschäftigt. Der Siegeszug der Onlineplattformen habe die Vermittlung von Haushaltshilfen weltweit verändert.

Die OECD und die ILO nennen Steuervergünstigungen für den Bereich und Gutscheinmodelle als Möglichkeiten, das Anmelden von Hausarbeit attraktiver zu machen. Es brauche passende Modelle für den Umstand, dass die Kräfte in verschiedenen Haushalten arbeiteten. Es gehe darum, die Kosten für die Haushalte zu reduzieren, sagte Niederfranke. Außerdem müsse die Registrierung einfach sein.

mic/dpa
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