Boom am Arbeitsmarkt Experten rechnen mit bis zu 760.000 neuen Jobs

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist so gut wie lange nicht. Einer Umfrage des DIHK zufolge entstehen bis Jahresende rund 500.000 neue Jobs. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet noch mit weit mehr.

Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt in diesem Jahr sind glänzend. Die Konjunkturprognosen sagen stabiles Wachstum voraus, der Mittelstand ist bester Stimmung - und Arbeitskräfte gefragt wie lange nicht. Fast neun von zehn Mittelständlern (88,4 Prozent) beurteilen ihre aktuelle Situation als "sehr gut" oder "gut", wie die alljährliche Frühjahrserhebung des Bankenverbandes BVR und der DZ Bank ergab. Per Saldo habe es seit dem Start dieser Umfrage vor 22 Jahren nie ein so positives Ergebnis gegeben.

Die Gründe sind klar: Das Zinstief kurbelt die Nachfrage auf dem Bau an, die Exporte bleiben auf hohem Niveau - und die Zuversicht der Arbeitnehmer macht die eine oder andere private Ausgabe leichter, wovon etwa der Einzelhandel profitiert.

Kein Wunder also, dass acht von zehn (81,1 Prozent) Mittelständlern in den kommenden sechs Monaten in ihr Unternehmen investieren wollen, gut ein Viertel der Unternehmen (26,7 Prozent) will weiteres Personal einstellen.

In der Summe kommt da für den Arbeitsmarkt einiges zusammen: Laut des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) rechnet die Wirtschaft mit 500.000 neuen Stellen allein bis zum Ende dieses Jahres. Die meisten davon entstehen demnach mit 130.000 bei Gesundheitsdienstleistern. Hier werde die Nachfrage nach Arbeitskräften angetrieben durch die alternde Gesellschaft sowie ein immer größeres Gesundheitsbewusstsein.

Grafik DIHK-BeschaÌftigungsprognose / DIHK_KU_FruÌhsommer_2017_BeschaÌftigungsprognose2

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Foto: DIHK

Nach Überzeugung von Enzo Weber wäre es sogar eine Enttäuschung, wenn am Ende des Jahres nur diese Marke erreicht wäre. Der Ökonom vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und Leiter der Prognoseabteilung der Forschungsstelle der Bundesagentur für Arbeit ist überzeugt, dass sogar bis zu 760.000 sozialversicherungspflichtige Stellen neu entstehen könnten. Bemerkenswert aus seiner Sicht: Die Zahl der Stellen, die wegfallen, wird in diesem Jahr ebenfalls sehr gering ausfallen.

Im vergangenen Monat sank die Arbeitslosenquote auf 5,6 Prozent. Immer mehr Sorgen macht Firmenchefs und Geschäftsführern allerdings der Fachkräftemangel. "Sowohl die Digitalisierung als auch der fortschreitende Altersstrukturwandel werden in den nächsten Jahren für eine kontinuierliche Verschärfung dieses Problems sorgen", heißt es bei BVR und DZ Bank. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben betrachtet das Problem sogar als echte Bremse für die Entwicklung der Betriebe seines Verbands. "Der Fachkräftemangel zementiert sich als Top-Risiko aus Sicht der Unternehmen - und zwar in allen Regionen und vielen Branchen", erklärte er. Das Beschäftigungsplus könne viel höher ausfallen, wenn nur genügend Fachkräfte zur Verfügung stünden.

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